Emlin Borkschert: „Keiner hält viel von Bestsellerlisten und doch wollen alle draufstehen“

Interview mit Emlin Borkschert

 

Foto: K. Engemann
Foto: K. Engemann

1974 im ostwestfälischen Verl geboren, macht Emlin Borkschert bereits als Kind erste schriftstellerische Schritte. Doch jahrelang führt er ein Doppelleben: tagsüber arbeitet er als Banker in Gütersloh und kann seiner Leidenschaft für Schreiben nur heimlich nachgehen. Erst durch seinen Umzug in ein Dorf im Dreiländereck NRW-Hessen-Niedersachsen und einen Jobwechsel wagt er 2007, seinem Hobby einen höheren Stellenwert einzuräumen. Er schafft sich einen Hund an, startet seinen Blog und realisiert schließlich sein Krimi-Debüt: „Des einen Freud, des anderen Tod“ erscheint 2014 bei CW Niemeyer Buchverlage. Zur Zeit arbeitet er an der Fortsetzung um die ungewöhnliche Ermittlerin Grit Loch.

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

EB: Ich weiß, dass es so ist, versuche das aber beim Schreiben auszublenden. Man hat es als unbekannter Autor schon schwer genug, da sollte man sich nicht noch dauerfrustrieren, sondern sich Punkte suchen, die einen motivieren, z.B. die Geschichte, die man erzählen möchte.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

EB: Keiner hält viel davon und doch wollen alle draufstehen. Muss man mehr dazu sagen?

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

EB: Mein Geheimrezept heißt Timmy und ist ein verschlafener Windhund-Mischling, der aber sofort parat steht, wenn ich Ablenkung brauche. Das hilft mir am meisten: raus gehen und an etwas anderes denken. Z.B., dass es auch noch andere Dinge gibt im Leben und dass Schreiben viel, aber nicht alles ist.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

EB: Ja, so ist es wohl und das Drumherum nimmt mehr Zeit in Anspruch als man meint. Ich versuche, nicht auf allen Kanälen aktiv zu sein, sondern mich auf meinen Blog www.emlin-borkschert.de zu konzentrieren. Meist macht mir das richtig Spaß, so dass ich nicht auf die Uhr schaue.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

EB: Kann ich nicht beantworten. Ich finde, Marketing ist einer der letzten Schritte, an erster Stelle sollte das Produkt stehen und die Bereitschaft, daran zu arbeiten und Kritik anzunehmen. Das fällt vielen Neulingen, glaube ich, schwer, und die setzen dann eher auf Marketing.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

EB: Ich bin ganz klar inspiriert von Agatha Christie mit ihren verzwickten, ja eigentlich unmöglichen Plots, und Elizabeth George, die wunderbar schreibt und beneidenswert vielschichtige Charaktere schafft, und versuche, das in meinem Schreiben zu vermischen.

Ich glaube, Agatha Christie allein würde heute nicht mehr ziehen, zu wenig „Action“. Aber ich liebe es.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

EB: Nun, die gehen halt auf Nummer sicher. Unbekannte Autoren vorzustellen ist schlechter kalkulierbar, im doppelten Sinne. Das ist das System und ich kann es verstehen, auch wenn ich es nicht gut finde. Als Newcomer muss man sich hocharbeiten und kann nicht erwarten, sofort hofiert zu werden. Viel Ausdauer, viel Arbeit, Veranstaltungen im Kleinen, Klinkenputzen. Und im besten Falle macht es irgendwann „Klick“ und die großen Medien kommen von ganz allein.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

EB: Keine Ahnung. Ich zähle mich mit meinem Debüt-Krimi „Des einen Freud, des anderen Tod“, der in 2014 erschienen ist, ja nicht plötzlich zu den alten Hasen. Ich versuche, mein Ding so gut wie möglich durchzuziehen und mich nicht demotivieren zu lassen, was schwer genug ist. Ich glaube, man muss es einfach langsam angehen, darf nicht nach Wochen den großen Durchbruch erwarten, dass gibt es nur in Romanen…

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

EB: Nun, alles ist bloß eine Frage der Recherche…

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

EB: Ich schreibe Unterhaltungsliteratur, dazu zähle ich auch Krimis mit Humor, da hätten solche Themen keinen Platz. Dennoch finde ich es möglich, auch „heikle“ Themen unterzubringen. Ohne erhobenen Zeigefinger, sondern als Teil der Handlung.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

EB: Am Anfang habe ich das nach Lust und Laune getan. Je ernster es mir wurde, desto mehr Freiraum habe ich mir eingeräumt und mein Umfeld danach ausgerichtet. Ich bin jetzt in der glücklichen Lage, jeden Nachmittag schreiben zu können und tue das auch.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

EB: Ich schreibe an der Fortsetzung meines Krimis „Des einen Freud, des anderen Tod“ um ein sympathisch-chaotisches Ermittlungsteam, das einen Fall auf einem Campingplatz auf Usedom aufklären muss. Im zweiten Teil ermittelt das Team in einem Seniorenheim in Greifswald. Und auch hier wird der Humor nicht zu kurz kommen.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


Emlin Borkschert im www

www.emlin-borkschert.de
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