Monika Pelz: „Ich verwende meine ganze Energie lieber darauf, gut zu schreiben“

Interview mit Monika Pelz

 

Monika Pelz, geb. 1944 in Wien, nach der Matura  zehn Jahre lang diverse Berufstätigkeiten, dann Studium der Philosophie und Geschichte mit Promotion 1984. Schon während des Studiums diverse Projekte als empirische Sozialwissenschaftlerin und Veröffentlichungen von Kinder- und Jugendliteratur.
1979 erste Veröffentlichung („Anna im anderen Land“, Oldenburger Jugendbuchpreis), seither dreiunddreißig Romane und zahlreiche Erzählungen. Glücklicherweise auch zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u.a. 2000 der „Österreichische Würdigungspreis für das künstlerische Lebenswerk“  (etwas zu früh!)

 

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Ich hatte immer zu viel zu tun (Brotberufe). Wenn ich endlich zum Schreiben komme, gibt es keine Schreibblockade, sondern es sprudelt.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Keine. Gut möglich, dass meine Bücher sich deshalb so schlecht verkaufen. Werde ich zu Lesungen eingeladen, so stehe ich  natürlich zur Verfügung.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Ich kann dafür keine Tipps geben (siehe oben). Es dürfte auch eine Generationenfrage sein. Ich verwende meine ganze Energie lieber darauf, gut zu schreiben.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Nabokov, Coover, Pynchon, Beckett  u.v.a.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Ich lese immer wieder begeisterte Rezensionen von Romanen neuer junger Autorinnen und Autoren und habe den Eindruck, die Medien sind begierig danach, neue Talente zu feiern.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Wenn es ihr Ziel ist, gut zu schreiben und immer besser zu werden, würde ich empfehlen, immer wieder Neues auszuprobieren.
Wenn es ihr Ziel ist, sich gut zu verkaufen, würde ich empfehlen, immer das Gleiche auf die gleiche Weise zu schreiben und sich zu einer „Marke“ zu entwickeln.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Das gilt auch für mich. Da meine Schwerpunkte Jugendliteratur und historische Sujets sind, kann ich mich dem einigermaßen elegant entziehen.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren  insgesamt zu dem Thema?

Gehört nicht zu meinen Themenbereichen. Zu Zeiten von Janusz Korczak, dessen Biographie ich schrieb, gab es noch keine jüdische Siedlungspolitik im heutigen Wortsinn. Würde ich (für Erwachsene) den Fundamentalismus (jeder Religion) thematisieren, so würde ich es unbedingt satirisch tun.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Meine kreative Zeit ist der Vormittag. Leider war und ist ein „Reservieren“ dieses Zeitraums nicht immer möglich. An den Nachmittagen korrigiere und recherchiere und lese ich.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Mein (hoffentlich) nächstes Buch, das jedenfalls schon bei der Verlegerin liegt, handelt von Schauerromanen des frühen 19. Jahrhunderts, bei denen sich insbesondere weibliche Autorinnen hervortaten. Ich schreibe auch schon an einem nächsten Roman; bei dem weiß ich aber noch nicht, ob er auch gelingt, möchte daher lieber nichts darüber sagen. Mein jüngstes Buch „Artisten, Freaks und Übermenschen“ ist im Februar erschienen (und befasst sich übrigens auf satirische Weise mit der Nazi-Esoterik).

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.

 

 

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