Ulrike Rudolph: „Gute Früchte brauchen Zeit zum Reifen“

Interview mit Ulrike Rudolph

 

Ulrike Rudolph (c) Meyers Original
Ulrike Rudolph
(c) Meyers Original

Ulrike Rudolph, geboren in Duisburg, aufgewachsen im Rheinland und an der Nordsee. Studium mit Abschluss Höheres Lehramt (Germanistik/ Anglistik/ Amerikanistik/ Erziehungswiss.) an der Uni Hamburg.  Mehrere Jahre angestellte Lektorin in einem Fachverlag. Seit 1989 freiberufliche Autorin.

 

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Ja, unbedingt, denn ich lebe vom Schreiben. Daher stecke ich zwar viel Vorarbeit in ein Buch, beginne aber erst ernsthaft zu schreiben, wenn ich einen Vertrag habe.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise  die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Für mich als Leserin spielen sie nur eine untergeordnete Rolle. Als Autorin schaue ich schon, was dort auf den vorderen Rängen platziert ist.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Wenn irgendetwas mich zu einer Pause zwingt, kann ich das inzwischen annehmen. Gute Früchte brauchen Zeit zum Reifen.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Wenig bis gar keine. Ich finde, das ist nicht die Aufgabe von Autoren. Bei E-Book-Autoren liegt die Sache sicher anders, wenn in Eigenregie veröffentlicht wird. Die wenigsten Autoren haben allerdings viel Ahnung von Marketing. Da muss man wohl abwägen, ob man professionelle Hilfe braucht – und die auch bezahlen kann.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Verlage oder eigene Website.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

John Irving bewundere ich sehr für seine schrägen Charaktere …

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Das geht vermutlich nur in kleineren Formaten und im Web, wo kleinere Communities die Empfehlungen der „echten“ Leser sichten und sich weniger an etablierten Verlagen und Rezensenten orientieren.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Ich habe schon einige Jahre als Lektorin Bücher gemacht, bevor ich eigene geschrieben habe. Das hat mir viele Enttäuschungen erspart. Als Neuling sollte man wohl im Blick behalten, dass selbst bekanntere Autoren oft nicht vom Schreiben ihrer Bücher allein leben können. Die Verlagslandschaft ist nicht sehr autorenfreundlich. Umsatz und eine diffuse Leserschaft stehen dort deutlich im Vordergrund. Und eine sehr langfristige Planung. Während sich heute noch „Vampire & Werwölfe“ gut verkaufen, auf heute kein Verlag mehr neue Manuskripte zu diesen Themen, weil man glaubt, in 2 Jahren, wenn sie realistischer Weise erscheinen können, interessieren sie niemanden mehr.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Wie beim Sex besteht bei Gewalt die Kunst des Autors darin, die Gefühle des Lesers zu erreichen, ohne plakativ zu werden. Gewalt im Buch it ohnehin ein Thema, das mich sehr beschäftigt. Ich finde, dass die Darstellung von Gewalt in den letzten Jahren zugenommen hat. Ich lese das nicht gerne und versuche, allzu drastische Darstellungen zu vermeiden.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren  insgesamt zu dem Thema?

Solche Themen lese ich lieber in Reportagen oder Sachbüchern. Als – fiktiver – Roman reizt mich so etwas wenig.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Ich schreibe sehr strukturiert und diszipliniert, habe einen Szenenplan und beginne morgens, schreibe meine 5 bis 8 Seiten, mache Pause. Danach recherchiere ich, plane weiter, mache abends etwas ganz anderes – und fange am nächsten Morgen wieder mit Überarbeiten der letzten Seiten an, schreibe danach …

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Das nächste Buch wird kein Krimi werden, sondern eine Liebesgeschichte, in der Träume eine entscheidende Rolle spielen werden.

Fabelhafte Bücher: Mit bedanken uns herzlich für das Gespräch.


Ulrike Rudolph im www

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