Biografie – Alfred Döblin

Kurzbiografie – Dr. med. Alfred Döblin: Der vergessene Großmeister der Literatur

Alfred Bruno Döblin war ein deutscher Schriftsteller und Mediziner. Er entstammte einer bürgerlichen jüdischen Familie in Stettin. Max Döblin, sein Vater, war Fabrikant für Kleidungsstücke. Er verließ jedoch die Familie samt fünf Kindern in aller Seelenruhe und wanderte mit einer anderen Frau nach Amerika aus (Siehe Video). 1888 nahm Döblins Mutter mit ihm in Berlin Wohnsitz. Hier machte Alfred Döblin als einziges der fünf Kinder sein Abitur und studierte Medizin. Zeitgleich trat er erstmals literarisch in Erscheinung und knüpfte Kontakte zur Berliner Literaturszene.

Seine berufliche Laufbahn führte Döblin nach seinem mit Promotion beendeten Medizinstudium zunächst für sechs Jahre nach Regensburg, Bayern. Bis 1930 war er mit Unterbrechungen in Regensburg, Freiburg und Berlin in dieser Funktion tätig. Während des Ersten Weltkrieges meldet er sich eigeninitiativ als Militärarzt.

1912 heiratete Döblin seine Verlobte, die Medizinstudentin Erna Reiss. Aus der Verbindung gingen vier Kinder hervor. Döblin äußerte sich auch zu politischen Fragestellungen, wenn auch teilweise unter Pseudonym. So schrieb er für eine Zeitschrift unter dem Namen „Linke Poot“ zahlreiche Zustandsberichte über das Berlin zur Zeit der Weimarer Republik aber auch zu den Gefahren des Antisemitismus. Sein bekanntestes Werk „Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Franz Biberkopf“ gründet teilweise auf diesen ersten Texten. Die „Gruppe 1925“, ein Zusammenschluss linker Schriftsteller und Autoren, wird von Döblin mitbegründet.

1933, im Angesicht des aufkeimenden Nationalsozialismus, floh Döblin einen Tag nach dem Reichstagsbrand mit seiner Familie zunächst nach Zürich, später nach Paris. Drei Jahre später, 1936 nimmt er die französische Staatsbürgerschaft an. Wieder engagiert er sich politisch – gemeinsam mit anderen Autoren verfasst er für die französische Regierung Flugblätter. Mit dem weiteren Vordringen der Nazis nach Westeuropa, schließlich auch nach Frankreich, muss Döblin abermals fliehen.

Er begiebt sich zunächst nach Lissabon, Portugal, bevor er schließlich in die USA emigiriert und in Hollywood,  Kalifornien lebt. Dort wirkte er zu Beginn mit verhaltenem Erfolg an Drehbüchern für die MGM Filmstudios mit. Zwar wurden seine Passagen verwendet, doch wurde sein Vertrag nicht verlängert. 1941 trat Döblin, der bereits 1912 aus der jüdischen Gemeinde Berlin ausgetreten war, in die katholische Kirche ein. Auslöser ist Döblin zufolge ein „Erweckungserlebnis“ ein Jahr zuvor im Dom von Mende während seiner Flucht durch Frankreich. Erweckung oder nicht – die jüdische Exilgemeinde kann diesem Übertritt wenig Positives abgewinnen, Bertold Brecht fühlt sich gar zu dem Gedicht „Peinlicher Vorfall“ inspiriert.

1945 kehrte Alfred Döblin nach Europa zurück. Wie so viele Exilautoren kommt er mit der Kultur seiner amerikanischen Gastgeber nur scher zurecht und fühlt sich isoliert. Er geht zunächst nach Paris und wird von der französischen Militärverwaltung als Literaturinspektor in Baden-Baden und in Mainz eingesetzt. Er trägt den Rang eines Obersten. Döblin schreibt jetzt wieder vereinzelt für Zeitungen und Zeitschriften und knüpft Verbindungen zu jungen Literaten.

Dennoch – zurück in der Heimat ist Döblin desillusioniert, was den Fortschrift der politischen Restauration anbelangt. Sein Revolutionsroman „November 1918“ floppt. 1953 zieht es ihn zurück nach Frankreich. Wegen seiner Parkinson-Erkrankung muss er nun jedoch verschiedene Klinik- und Kuraufenthalte in Anspruch nehmen. So gebiebt er sich unter anderem nach Freiburg und nach Emmendingen, einer kleinen Stadt in Baden-Württemberg.

Schriftstellerisch ist Döblin sowohl dem Naturalismus als auch dem Expressionismus zuzuordnen. Sein 1929 veröffentlichter Roman „Berlin Alexanderplatz“  wurde von der ZEIT zu den 100 wichtigsten Werken der Weltliteratur gezählt. Er gilt vielen bis heute als der wichtigste deutsche Großstadtroman und fängt das Leben im Berlin der Weimarer Republik auf sehr anschauliche Weise ein. Der Bestseller wurde zumindest zweimal verfilmt.

Der Antisemitismus zieht sich als Thema für den konkret von Antisemitismus betroffenen Schriftsteller gleich einem roten Faden durch verschiedene Werke und Schaffensperioden. Kritisiert wird gelegentlich seine These, derzufolge es eine semitische Überlegenheit in der Ökonomie und in intellektuellen Berufen gebe. Mit dieser These stand er freilich nicht allein. Der Gedankengang lautete dabei nicht etwa, dass die Juden qua „Rasse“ – Rassentheorien lehnte Döblin überdies ab – überlegen seien, sondern der äußere Druck zwinge und motiviere die Gruppe im Inneren dazu, sich besonders anzustrengen und zu beweisen. Folglich müsse die angenommene Überlegenheit auch wieder verschwinden, wenn der äußere Druck von den Juden als Gruppe genommen würde.

Trotz des geglückten Bestseller-Welterfolgs mit „Berlin Alexanderplatz“ wird Döblin heute weit weniger diskutiert als andere Autoren seiner Zeit, etwa Bertold Brecht. Mittlerweile liegen drei Biografien vor, die erste wurde 2007 von Martin Sulzer-Reichel verfasst. Die mitunter vertretene These, dies liege an der Selbstdiskreditierung Döblins durch seinen Religionsübertritt scheint eher abwegig: Wenn überhaupt, dann macht ein solcher „Skandal“ den Autor erst interessant – andere Autoren haben sich schließlich ebenfalls Skandale geleistet.

In Emmendingen, bei seinem letzten Kuraufenthalt, starb der Schriftsteller im Juni 1957. Seine Frau Erna Döblin nahm sich drei Monate später in Paris das Leben, wie zuvor schon der Sohn Wolfgang Döblin, der während des Krieges im Angesicht der bevorstehenden Gefangennahme Selbstmord verübte. Das Ehepaar und der Sohn Wolfgang liegen heute auf dem Friedhof von Housseras in den Vogesen begraben.

Rahmendaten:

Geboren am 10. August 1878

Geboren in Stettin, Polen

Gestorben am 26. Juni 1957 in Emmendingen, Deutschland

Döblins Bücher, die man gelesen haben sollte:

 

 

 

 

 

Zitate, die Döblin zugeschrieben werden:

„Es ist aber in der Welt so eingerichtet, daß die dämlichsten Sprichworte recht behalten, und wenn ein Mensch glaubt, nu ist gut, dann ist noch lange nicht gut. Der Mensch denkt und Gott lenkt, und der Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht.“

„Geist tritt mit Vorliebe in der Form des Schwachsinns auf.“

„So viel wie die langweilige Limonade Hermann Hesse bin ich schon lange.“

Video: Erinnerung an Alfred Döblin:

 

Autor: Beste Bücher

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