Biografie – Knut Hamsun

Kurzbiografie – Knut Hamsun: Literarisches Genie und Nazisympathisant

Knut Hamsun BiografieWie kann ein blitzgescheiter Geist, ein weitgereister Intellektueller und Literaturnobelpreisträger, der das literarische Glanzlicht seines Landes darstellt, zugleich ein völliger Hornochse sein, der Hitler bewundert und Konzentrationslager rechtfertigt? 

Knut Hamsun, geb. Knud Pedersen, war einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20 Jahrhunderts. Sein Werk „Hunger“ wurde von der ZEIT-Jury zu den 100 wichtigsten Werken der Weltliteratur gezählt. 1920 erhielt er den Literaturnobelpreis für „Segen der Erde“. Als viertes von sieben Kindern einer schwedischen Bauernfamilie im Nordland der 1860er Jahre wuchs Hamsun in einer damals erzkonservativen und rückwärtsgewandten Umgebung auf. Die Sozialisation in diesem Kontext dürfte einen Beitrag zu Hamsuns wirren politischen Ansichten geleistet haben. Im jugendlichen Alter von 16 Jahren machte sich Hamsun auf, das Land zu erkunden. Er begab sich auf Wanderschaft und nahm dabei vielfältige Gelegenheitsjobs an. 

1877 sind erste schriftstellerische Ambitionen zu verzeichnen, als Knut Hamsun „Der Rätselhafte“ schreibt. Die Rezeption seiner ersten Werke bleibt zunächst auf die Region begrenzt, in der er lebt. 1882 wandert er in die USA aus, kehrt jedoch schon drei Jahre später, von seiner Lungenentzündung schwer gezeichnet, nach Norwegen zurück. Ein weiterer Versuch, in den USA Fuß zu fassen, findet zwischen 1886 und 1888 statt. Aus seinen Werken wird mitunter der Schluss gezogen, dass er sich mit der US-amerikanischen Kultur grundsätzlich nicht anzufreunden vermochte. 

Sein Durchbruch gelang 1890, als er mit „Sult“, also „Hunger“ landesweit als Schriftsteller wahrgenommen wurde. Große Sympathie wurde ihm auch in Deutschland zuteil, wo zu dieser Zeit ohnehin alles „Nordische“ einen großen Sympathiebonus erhielt.

Zu Hamsuns Bewunderern gehörten auch Goebbels und Adolf Hitler selbst, bei dem er eine Audienz erhielt. Hamsun, der selbst kein Deutsch sprach, erwies sich zeitlebens als ein großer Fürsprecher Deutschlands und auch des Nationalsozialismus. Dies auch noch, als Hitler-Deutschland Norwegen besetzte. Er bezog für Hitlers Politik klar Stellung und äußerte sich in einem Nachruf nach dessen Tod auszugsweise wie folgt: „(…)Wir, seine treuen Anhänger, neigen nun unser Haupt angesichts seines Todes.“ Auch die Konzentrationslager rechtfertigte er. „Wenn die Regierung Konzentrationslager einrichtet„, so Hamsun mit Blick auf Carl von Ossietzky, „so sollten Sie und die Welt verstehen, dass das gute Gründe hat„. 

Hamsun blieb bei dieser hanebüchenen Haltung bis zu seinem Tod. Nach dem zweiten Weltkrieg zog man ihn für seine Sympathie mit der deutschen Besatzungsmacht zur Rechenschaft, wenn auch eher milde. Als Kollaborateur hatte er eine Entschädigungszahlung zu leisten, nachdem er von einem Gericht in Grimstad dazu verurteilt wurde. Wegen „Schadens ggü. dem norwegischen Staat“ wurde er zu 425.000 Kronen verurteilt. Zwar wurde die Summe in einem Revisionsverfahren auf 325.000 Kronen reduziert, dennoch bedeutete sie für Hamsun, der nun nicht gerade am laufenden Band Bestseller produziert hat. den finanziellen Ruin.

Knut Hamsun verstarb im Alter von 92 Jahren auf Norholm.  

Rahmendaten:

Geboren am 4. August 1859

Geboren in Vaga, Norwegen

Gestorben am 19. Februar 1952 auf Norholm, Norwegen

Hamsuns Werk, das man gelesen haben sollte:

Hunger (← siehe Rezension)

Zitat, das allgemein Hamsun zugesprochen wird:

Norweger! Werft das Gewehr weg und geht wieder nach Hause! Die Deutschen kämpfen für uns alle und brechen jetzt Englands Tyrannei über uns und alle Neutralen.

(Anm.: Aus Anlass der deutschen Invasion in Norwegen)

Autor: Beste Bücher

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