Henry Marsh: Um Leben und Tod

Rezension von Annemarie

Inhalt

marsh leben todIm Buch „Um Leben und Tod“ erzählt der Hirnchirurg Henry Marsh aus seinem Berufsalltag. Er berichtet dabei aus den langjährigen Erfahrungen seines Berufslebens. Einfühlsam und mit einem gewissen Maß an Selbstkritik berichtet er von seinen Erlebnissen, Erkenntnissen und Entscheidungen an der Schwelle von Leben und Tod. Dabei beschreibt er Patientenfälle, die ihn besonders geprägt haben, und erzählt vom Krankheitsverlauf. Besonderen Fokus legt er dabei auf die Beschreibung der eigentlichen Operation. Dabei wird deutlich, dass auch Ärzte nur Menschen sind und dass dennoch manchmal Übermenschliches von ihnen verlangt wird.

Rezension

Ich persönlich fand das Buch sehr gut. Nachdem ich anfänglich aufgrund des doch recht sensationsheischenden Buchtitels etwas kritisch war und Sorge hatte, dass in diesem Buch wieder einmal ein Mensch nur Ruhm einheimsen und die Sensationslust einer breiten Masse befriedigen möchte, war ich sehr positiv überrascht. Ich habe das Buch verschlungen, wie nur wenige andere vorher. Denn Marsh weiß genau, wovon er spricht. In über dreißig Jahren seines Berufslebens hat er Menschenleben gerettet und – wie er selbst hervorhebt – auch vernichtet und Hoffnungen zerstört. Diese Selbstkritik und den Respekt vor jedem Menschenleben hat mich ziemlich berührt, auch, dass Henry Marsh es wie nur wenige versteht, Ethik und die „kühlen“ Naturwissenschaften unter einen Hut zu bringen. Dass liegt vielleicht auch daran, dass der Autor die Hirnchirurgie nicht nur aus der Sicht des Arztes, sondern aus Patientensicht schmerzlich kennengelernt hat: als nämlich sein erst drei Monate alter Sohn an einem Hirntumor erkrankte.

Sehr feinfühligen und sensiblen Menschen würde ich dieses Buch aber nicht empfehlen. Denn Marsh taucht schon sehr tief in die Materie ein – im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn  der Hirnchirurg detailliert von seinen Operationen am offenen Gehirn von geplatzten Blutgefäßen etc. berichtete, kam mir öfters schon ein mulmiges Gefühl in der Magenhöhle auf. Auch sollte man wissen, dass nicht jede Geschichte ein Happy End hat. Es ist eben das wahre Leben. Aber genau das  macht den Reiz dieses Buches aus.

Aus meiner Sicht ein tolles, spannendes Buch, das jeden an sein Ende erinnert und irgendwie gerade dadurch auch ermutigt, sein Leben in vollen Zügen zu leben. Denn – und das wird in diesem Buch oft deutlich – das Leben kann enorm schnell zu Ende sein. Krankheit, Leid und Tod können jeden treffen, egal welchen Alters. So kann man aus diesem Buch für sich mitnehmen, sein Leben bewusster, gedankenvoller, ja, vielleicht auch besser zu leben.

 

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