Julia Karr – „XVI – The Sign. Nur zu deiner Sicherheit“

Rezension von Lisa

Inhalt und Rezension

Wir schreiben das Jahr 2150: die Regierung hat ein Klassensystem errichtet und bespitzelt ihre Bürger. In diesen Aspekten unterscheidet sich XVI eigentlich nicht von all den anderen Dystopie-Romanen, die den Markt derzeit überfluten. Manche davon setzten auf Action wie die Hunger Games und The Maze Runner, andere legen vermehrt Wert auf eine Liebesgeschichte wie Matched und Delirium. Dann gibt es solche Romane wie z.B. Wither, die auf Schock und Provokation aus sind. Und auch XVI würde ich zur letzten Kategorie zählen.  

Der Debütroman der amerikanischen Autorin Julia Karr handelt von der 15-jährigen Nina Oberon, die im Chicago der nicht allzu fernen Zukunft lebt und nichts mehr fürchtet als ihren nächsten Geburtstag. Warum? Weil die Regierung allen 16 gewordenen Mädchen ein Tattoo mit der römischen Ziffer XVI in das Handgelenk einbrennt, das aller Welt zeigt, dass sie nun bereit für Sex sind. Von den Medien werden sie von klein auf dazu ‘erzogen’, sich freizügig zu kleiden, sich allen Männern an den Hals zu werfen und den Geschlechtsverkehr als Maß aller Dinge anzusehen.

Während sich viele auf ihr Tattoo freuen, blendet die Protagonistin die brutale Wahrheit über das XVI-Zeichen nicht einfach aus und weiß von den brutalen Vergewaltigungen, die viele Mädchen über sich ergehen lassen müssen und um die sich die Regierung nicht im geringsten schert. Als wäre dies nicht nicht schlimm genug, wird Nina Mutter eines Tages angegriffen; vor ihrem Tod kann sie ihrer Tochter jedoch noch die Wahrheit über ihre Herkunft verraten. Eine Wahrheit, die alles in Ninas Leben verändert…

Story mit Potenzial – schwächelnde Umsetzung

Zuerst mal das Positive: Julia Karr ist mit XVI ein hervorragender Kommentar zur heutigen Gesellschaft gelungen, in der immer mehr Wert auf die sexualisierte Vermarktung und das Aussehen gelegt wird. Dieser Konflikt wird im Buch durch die Protagonistin Nina und deren besten Freundin Sandy, die sich von der Regierung kontrollieren lässt und sich dadurch in einen sex-versessenen Teenager verwandelt hat, dargestellt. Die Grundidee des Buches ist etwas überzeichnet, aber dennoch zeigt sie ganz klar, welche ungeheure Macht die Medien heutzutage auf die Bevölkerung ausüben.

Auch ansonsten hatte Julia Karr ein paar nette Ideen wie z.B. die Infinity Machine (eine kurzzeitig lebensverlängernde Maschine), die Cinderella Girls (uneheliche Kinder die von ihren Vätern als Hausmagd für ihre legale Familie missbraucht werden) oder das Tier- System bei dem die Gesellschaft in 10 verschiedene Ränge / Klassen eingeteilt wird. Für meinen Geschmack wurde allerdings viel zu wenig auf all diese neuen Sachverhalte eingegangen. Nina und ihre Freunde haben alle möglichen technischen Spielereien wie PVAs und fahren in Trannies durch Chicago, aber der Leser bekommt durch die nicht vorhandene Beschreibung nie ein klares Bild von diesen Erfindungen. Genauso verhält es sich auch mit den Personen, deren Aussehen bestenfalls nur umrissen wird.

Apropos Personen: ich verstehe ja, das die Autorin einen starken und stoischen Hauptcharakter kreieren wollte, aber Nina wirkt auf mich an manchen Stellen einfach nur emotionslos, z.B. als ihre Mutter stirbt. Auch die anderen Charaktere äußern ihre Gefühle nicht wirklich und bleiben dadurch ziemlich flach, aus diesem Grund empfand ich auch die Liebesgeschichte zwischen Nina und Sal etwas aufgesetzt und unrealistisch.

Ebenfalls gestört hat mich der fehlende Hintergrund der Gesellschaft und der amtierenden Regierung. Es wird zwar immer wieder ein Krieg erwähnt, mehr darüber erfährt man als Leser nicht. Vielleicht habe ich etwas überlesen; auf jeden Fall habe ich selbst am Ende des Buchs nicht genau gewusst, warum Frauen in Ninas Gesellschaft so wenig Rechte haben und warum sie überhaupt das XVI Tattoo erhalten. Die Regierung erhält dadurch doch keinen Vorteil, nein, sie muss im Gegenteil sogar noch Geld für die ‚Erziehung‘ berappen. Und wann und warum sich diese ungleiche Behandlung von jungen Frauen überhaupt durchgesetzt hat wird ebenfalls nicht erläutert. Da Frau Karr momentan an einem 2. Teil schreibt besteht aber die Hoffnung, dass einige dieser Fragen noch aufgeklärt werden.

Fazit  

Die Geschichte besitzt wirklich Potenzial, durch die fehlende Ausarbeitung will bei mir aber einfach keine richtige Atmosphäre aufkommen. Sprich: Julia Karr hat per se ein paar gute Ideen, an der Ausführung happert es aber noch. Essentielle Fragen werden nicht beantwortet, die Handlung ist an manchen Stellen unplausibel und der Mittelteil zieht sich ziemlich in die Länge. Nichtsdestotrotz kann XVI mit seiner eindrücklichen Botschaft einige Punkte wieder gut machen und ist damit für einige Leser eine Empfehlung wert.

Lisas Bewertung: 3,3 von 5 Sternen!

(Lisas Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

 

Autor: Beste Bücher

 

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