Kristi Cook – „Haven“

Rezension von Lisa

Die 16-jährige Violet wird nach dem Tod ihrer Eltern auf das Internat Winterhaven geschickt. Auf Anhieb fühlt sie sich dort wohl und bald erkennt sie auch den Grund dafür: Winterhaven eigentlich eine Zufluchtsstätte für Jugendliche mit besonderen psychischen Kräften.  

Endlich muss sich Violet nicht mehr wegen ihren Visionen schämen und kann ihr Leben wieder genießen. Als sie den mysteriösen und anziehenden Aiden kennenlernt, scheint ihr Glück perfekt – doch dann erreichen sie Visionen, die ein schreckliches Unheil ankündigen. Violet muss kämpfen, um sich, ihre neue Liebe und ihre Freunde zu retten. Doch kann man das Schicksal wirklich ändern?

Rezension

Viel Altbekanntes, wenig Neues. Haven wandelt auf bekannten Pfaden.´Das fängt schon bei der Charakterwahl an, bei der es ziemlich traditionell zugeht. Violet ist ein Mädchen mit einer bewegten Vergangenheit und einer besonderen Gabe, wünscht sich doch nichts sehnlicher, als normal zu sein und in der breiten Masse zu verschwinden. Kommt jemand die Beschreibung irgendwie bekannt vor? Wahrscheinlich schon, denn sie trifft leider auf (beinahe) jede Protagonistin in der Jugendliteratur zu…

Zumindest ist Violet als Erzählerin annehmbar. Sie ist nicht sonderlich naiv, aber auch nicht sonderlich schlau, nicht draufgängerisch, aber auch nicht schüchtern, sie nervt nicht, fällt aber auch nicht durch ihre Originalität oder ihren Witz auf – kurz: sie ist in allen Belangen unauffällig und durchschnittlich. Wobei…durchschnittlich ist dem Fall schon fast ein Kompliment, wenn man bedenkt, wie viele unausstehliche Protagonistinnen es heutzutage gibt. (Ja, das geht an alle Zoeys, Evers, Lucindas und wie sie noch heißen mögen 😉

Auch ansonsten gibt’s das volle Programm an Stereotypen. Violets Freunde sind einfach da. Da, um mit ihnen über Problemen zu reden. Da, um mit ihnen über irgendwelche heißen und mysteriösen Mitschüler zu tratschen. Das führt auch gleich zum nächsten Archetyp: Aiden ist (mal wieder) einer dieser Schönlinge, die nichts anderes als geheimnisvoll, unnahbar, gefährlich und mächtig sein müssen. Und hab ich schon erwähnt, dass er zufälligerweise ein Vampir ist? Es tut einem irgendwann echt leid, dass den armen Hauptcharakteren so wenige Eigenschaften zugestanden werden…

Generell hat man den Eindruck, als ob Haven sich aus allen Fantasy-Romanen das Beste bzw. das Gebräuchlichste herauspickt. Vampire, Vampirjäger, Werwölfe, Superkräfte, Visionen, eine verbotene Liebe, usw.   Das Problem ist, das Kristi Cook viele Themen anschneidet, aber nicht ausreichend behandelt. Violet fechtet in ihrer Freizeit – man erlebt das Training als Leser aber nicht einmal mit. Genauso verhält es sich mit den Superkräften. Diese werden mal eben kurz erwähnt und hier und da ein paar mal eingesetzt, damit hat sich die Sache dann aber auch. Schade, denn in dieser Idee steckt so viel mehr Potenzial. Warum hat man den Ursprung der Kräfte nicht näher beleuchtet? Es wäre interessant gewesen, zu erfahren, wie sich die talentierten Menschen in der normalen Gesellschaft bewegen und wie sie außerhalb von Winterhaven organisiert sind.

Wenn man so viele verschieden Themen zusammenmischt, sollte man jedem Aspekt ausreichend Zeit zugestehen, sonst wirkt der Roman flach und substanzlos. Haven ist nicht schlecht, aber wenn sich das Buch auf weniger Themen konzentriert hätte, wäre es meiner Meinung nach deutlich besser. Das Kristi Cook eigene Ideen einbringen kann, zeigt sie ja mit ihrer wissenschaftlichen Definition von Vampiren und deren Verwandlung. Noch ein paar solcher Einfälle mehr und das Buch wirkt gleich eigenständiger und authentischer!

Anmerkung: Mit dem Cover hat sich der Verlag nicht unbedingt einen Gefallen getan. Der Haven Schriftzug ist ja ganz nett, aber der Hintergrund und das Motiv wirken etwas altbacken. Außerdem erschließt sich mir der Sinn des Schmetterlinges nicht ganz…

Fazit  

Haven bietet Durchschnittskost. Das Buch wird keinen Preis in Innovation bekommen – dafür sind Charaktere und Plot schlichtweg zu ‚0815‘ – andererseits leistet es sich aber auch keine allzu großen Patzer. Für Vielleser dürfte die Handlung der Romans wenig überraschend sein, Neueinsteiger des Genres könnten aber durchaus ihren Spaß mit Haven haben.  Ein Liebesroman, wie es ihn schon oft gab. Für erfahrene Leser definitiv unnötig.

Lisas Bewertung: 1,8 von 5 Sternen!

(Lisas Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

 

Redaktion von Beste Bücher

 

 

 

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