Robert Penn: Der Mann der einen Baum fällte und alles über Holz lernte

Rezension von Ulrike

Sachbuch mit Wärme – oder ein wärmendes Sachbuch – oder doch kein Sachbuch? Der Mann der einen Baum fällte und alles über Holz lernte von Robert Penn ist ein Sachbuch der besonderen Art. Kein Buch das nüchtern Fakten auflistet, aber auch kein Roman. Die Fakten sind alle sachlich und soweit ich das als Laie beurteilen kann, auch richtig dargestellt.

Ein richtiges Sachbuch? Eher eine Biographie eines Mannes, der sich in seinem Leben etwas vorgenommen hat, das ungewöhnlich erscheint. Das Buch enthält viele Informationen über Eschenholz und über Menschen, die eines gemeinsam haben, ein leidenschaftliches Verhältnis zu Holz, eine echte Beziehung.
Robert Penn, ein britischer Autor, lebt mit seiner Frau, drei Kindern und zwei Hunden in einem Haus, nahe an einem Wäldchen am Rande der Black Mountains. Seit seiner Kindheit liebt er den Wald, die Bäume und das Holz. Er hatte schon immer eine besondere Beziehung zu Eschen. Vor seinem Elternhaus stand eine Esche und Eschen begleiteten ihn in seinem Leben. Er begann sich immer mehr für die Esche zu interessieren und befragte gleichzeitig viele Menschen, was sie über die Esche wissen.

Einige Menschen kannten Eschenholz als Werkzeuggriffe, die meisten aber nannten als Verwendungsmöglichkeit Brennholz. Robert Penn schildert, wie sich seine Idee entwickelte, mehr über die Esche herauszufinden. Spätestens an dieser Stelle, auf Seite 17, nimmt das Buch den Leser mit auf eine aufregende Reise.

Der Autor entschließt sich „seine“ Esche zu suchen, sie zu fällen und verarbeiten zu lassen. Er hat eine ziemlich klare Vorstellung von den Dingen, die er gerne aus „seiner“ Esche anfertigen lassen möchte. Es werden große und kleine Gebrauchsgegenstände aufgelistet, wie zum Beispiel: ein Schreibtisch, ein Ess- oder Wohnzimmertisch, Schüsseln, Felgen für Holzräder, Zeltpflöcke, Paddel und vieles mehr. Seine Idee war, dass nichts von dem Holz unverbraucht bleiben sollte. Er plante Feuerholz genauso ein, wie Holzspänne zum Räuchern und Äste die auf dem Waldboden liegen bleiben sollten. Nichts sollte ungenutzt bleiben. Mit der Konkretisierung der Idee, beginnt das eigentliche Abenteuer. Denn so einfach, wie sich das am Anfang liest, ein Mann sucht einen Baum und lässt ihn verarbeiten, geht es nicht. Zu genau sind die Vorstellungen von Herrn Penn und die Suche nach dem richtigen Baum nimmt viel Zeit in Anspruch. Zeit in der er sich immer tiefer mit der Natur verbunden fühlt.

Der Leser wird intensiv über ökologische Zusammenhänge informiert und erlangt erstaunliche Kenntnisse über Wälder, Hölzer und über die Möglichkeiten der Holzverarbeitung. Die vielen Verwendungsmöglichkeiten erfordern viele unterschiedliche Handwerker, alles besondere Menschen mit großer Naturverbundenheit und großem handwerklichen Geschick.

Es gelingt dem Autor die Herstellung der Gegenstände anschaulich und mit großer Wertschätzung zu beschreiben, ohne selbst über die handwerklichen Fähigkeiten zu verfügen. Er sucht die Begegnungen mit den Menschen und entwickelt mit Ihnen gemeinsam seine Holzprojekte. Am Ende des Buches werden 41 Gegenstände aufgelistet, die aus dem Eschenstamm gefertigt wurden. Die Wechselbeziehung Natur-Mensch prägt das Buch durchgängig. Kein Anleitungsbuch für Handwerker, sondern eine Liebeserklärung an die Schöpfung. Eine Erinnerung an die Fähigkeiten der Menschen, sich die Gaben der Natur zu Nutzen zu machen und gleichzeitig die Umwelt zu achten und zu pflegen. Der Geruch von Holz und das Gefühl etwas in der Hand zu halten, was über viele Jahre gewachsen ist, prägt ein achtendes Verhältnis zu Gegenständen.

Fazit

Teilweise kann dem Leser die Schwärmerei und das Idealisieren Penns Idee etwas zu üppig erscheinen. Durch die immer wieder aufs sachliche zurückkehrende Beschreibung der Vorgehensweisen, gelingt es dem Autor jedoch, auf geniale Weise, den Leser in seine Gedankengänge einzubinden. Es ist unglaublich, welche unterschiedlichen, kunstvollen Gegenstände aus einem einzigen Holzstamm entstehen können.

Beim Lesen wächst das Bedürfnis nach draußen zu gehen, durch den Wald zu laufen und die Bäume zu berühren. Es entsteht der Wunsch, die Dinge des täglichen Lebens neu zu betrachten und wertzuschätzen. Der Stiel einer Axt, ist er es, der das Holzhacken zu einem Glückserlebnis werden lässt? Ist es die sinnliche Berührung des Holzes, die Kraft verleiht? Fragen auf die es nur individuelle Antworten gibt. Eine Welt in der die leisen Töne wichtig sind und die sinnliche Erfahrungen Lust machen auf Natürlichkeit fern von der Generation Plastik.

Das Buch hat bei mir den leisen Wunsch hinterlassen irgendwann in meinem Leben auch nach einem besonderen Baum Ausschau zu halten.