Patrick Ness – „New World. Das dunkle Paradies“

Rezension von Lisa

Inhalt

Um ihre finsteren Pläne zu verwirklichen, haben die Männer von Prentisstown alle Frauen ermorden lassen. Es beginnt eine gnadenlose Jagd auf die beiden. Bürgermeister Prentiss stellt den beiden eine grausame Falle.

Er bringt Viola in seine Gewalt, um Todd zu erpressen. Der Junge soll Prentiss dabei helfen, eine neue Gesellschaft zu errichten: ein Paradies, das sich schon bald als wahre Hölle entpuppt …

Auf den ersten Blick

O je. Hässlich, hässlich und nochmals hässlich. Die Scherenschnitte sind an sich eine gute Idee, aber die Ausführung? *kopfschüttel* Wenn ich nicht wüsste, welche tolle Geschichte sich hinter dem Buchdeckeln verbirgt, würde ich das Buch im Laden keines Blickes würdigen. Die englische Ausgabe ist da eindeutig besser. Sie ist nicht unbedingt schön, aber dafür zeitlos, schlicht und hat interessante typografische Elemente. Außerdem erweckt sie im Gegensatz zur deutschen Ausgabe nicht den Eindruck, als würde es sich um ein reines Jugendbuch handeln.

Verstörend, fesselnd, düster – „Science Fiction“ der anderen Art

Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehen, 

dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird.

Und wenn du lange in einen Abgrund blickst,

blickt der Abgrund auch in dich hinein.

Ein besseres Anfangszitat hätte der Autor sich gar nicht aussuchen können! Diese vier Zeilen von Nietzsche bereiten den Leser nämlich genau auf das vor, was sie in Das dunkle Paradies erwartet. Der zweite Band der New WorldTrilogie ist noch düsterer, noch brutaler und noch verstörender als der erste Band. Eine Neuerung, die sogleich ins Auge sticht: mit Todd und Viola gibt es nun zwei Ich-Erzähler. Eine vorzügliche Idee, die hier brillant umgesetzt wurde! Durch die zwei Perspektiven wirkt alles sehr viel glaubhafter und plastischer als noch im ersten Teil. Auch die übrigen Figuren gewinnen an Profil.

Waren im ersten Buch die Fronten noch klar definiert, ist die klare Abtrennung von Schwarz und Weiß in diesem Band nicht mehr so einfach zu bewerkstelligen. Was ist gut /richtig? Was ist böse/falsch? Was ist der Mensch? Und zu was ist er fähig? Mit diesen Fragen wird sich der Leser während der Lektüre vermehrt beschäftigen. Ganz ehrlich: Es ist beinahe unmöglich, bei dieser eindrücklichen Erzählung gleichgültig zu bleiben. Und durch den geschliffen Schreibstil des Autors wird diese Achterbahnfahrt menschlicher Emotionen und Gefühle perfekt in Szene gesetzt – EINFACH WAHNSINN! Wen dieses Buch kalt lässt, hat wohl auch im wirklichen Leben nicht viel begriffen.

So, jetzt noch etwas persönliches Gelaber zum Buch: 😉 Der erste Band Die Flucht war mir an manchen Stellen zu langatmig. In diesem Punkt tritt eine klare Verbesserung ein. Das dunkle Paradies ist wirklich fesselnd – innerhalb von 24 Stunden war das Buch trotz seiner 576 Seiten ausgelesen! Und danach will man unbedingt wissen wie es weitergeht. Ein Glück habe ich den letzten Teil der Reihe auch noch im Regal stehen. Das macht den Cliffhanger am Ende wenigstens erträglicher. 🙂

Fazit

Das Science Fiction-Setting der Geschichte täuscht. Hier geht es nicht um Raumschiffe, fiese Aliens und Co., sondern um Emotionen und das Ergründen menschlicher Abgründe. Ja, ja, ich wiederhole mich 😉 Wer genug von oberflächlicher Literatur hat, sollte sich mal an diese Reihe versuchen!

Anmerkung

Die Altersangabe vom Verlag (13-16 Jahre) kann man aus drei Gründen getrost vergessen: 

1. Sie ist zu niedrig angesetzt. Bei diesen Themen würde ich das Buch eher ab 15 empfehlen. Die Handlung und die Gedankengänge sind an manchen Stellen einfach zu bedrückend, bizarr, brutal und verstörend, als dass ein(e) 13-Jährige(r) sie im vollen Ausmaße nachvollziehen könnte. Das soll keine Beleidigung sein! Es gibt durchaus Jugendliche in diesem Alter, die so etwas bereits verkraften. Für den Großteil dürfte die New World Trilogie aber noch ‚zu erwachsen‘ sein. Wobei wir auch gleich beim nächsten Punkt wären.

2. Das Buch ist auch für Erwachsene absolut lesenswert! Generell finde ich solche strikten Altersbeschränkungen schlecht. Als ob man ein Buch nur bis zu einem bestimmten Alter genießen könnte… Pah, so ein Blödsinn! Es gibt genügend Leute, die das 30. Lebensjahr schon längst hinter sich gelassen haben und dennoch gerne Jugendbücher lesen. Und warum auch nicht? Ein Buch wird nicht schlechter, bloß weil der Leser älter ist! 

3. Es gab ja wohl schon so manchen Roman, der als Jugendroman gestartet ist und dann zum Bestseller für alle Altersklassen wurde. Harry Potter ist da nur ein Beispiel, gewisse Vampir-Bestseller ebenso…

Lisas Bewertung: 4,4 von 5 Sternen!

(Lisas Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

 

Redaktion von Beste Bücher 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.