Rae Carson – „The Girl of Fire and Thorns“

Rezension von Lisa

Once a century, one person  is chosen for greatness.

Inhalt und Rezension

Rae Carson hält nicht ganz, was der Bestseller-Hype verspricht. Neben dem Abschluss ist der Anfang für mich der wichtigste Teil eines Buches. Der Anfang hat die Aufgabe, den Leser neugierig zu machen und ihn auf die Geschichte einzustimmen. Der Anfang ist das Aushängeschild/die Visitenkarte eines Romans und sollte daher den bestmöglichsten Eindruck vermitteln… ratet mal, was jetzt kommt!

Ja, ganz genau. The Girl of Fire & Throns vermittelt anfangs den schlechtmöglichsten Eindruck! Uff! Wo fange ich bloß an? Der Protagonistin Elisa mangelt es ziemlich an Selbstvertrauen. Sie fühlt sich fett, hässlich, unattraktiv und unbegehrenswert und wird niemals müde, dies zu betonen. Auf Dauer kann einem das schon auf den Zeiger gehen. Hinzu kommt die strenge Gläubigkeit. Bei jeder Gelegenheit die sich bietet, wird gebetet und gebetet und gebetet und… äh ja… es wird sehr viel gebetet. Dies lässt die Handlung nur schleichend vorankommen und sorgt für wenig Dynamik.   Auch das Info Dumping, ein weitverbreiteter Fehler von Debütanten, ist vertreten. Sprich, alles was der Leser über die Welt, die Personen usw. weiß, wurde ihm von Elisa erzählt. Es gibt nun wirklich spannendere Arten, Wissen zu vermitteln. – Show, don’t tell!

Nach ca. 150 Seiten wird das Buch deutlich besser. Die (langweiligen) höfischen Intrigen weichen nun den handfesten Abenteuern, was dem Erzählfluss deutlich zugute kommt. Elisa wird aus ihrem gewohnten Umfeld und ihrem Leben als Prinzessin „entfremdet“ und macht daher eine deutliche Entwicklung durch. Sie lässt sich nicht mehr einschüchtern, ist mutig und zeigt was sie kann. Na also – es geht doch!   Den Mittel- und Schlussteil habe ich gerne gelesen. Die Geschichte ist spannend und flüssig und wartet mit ein paar unerwarteten Wendungen auf. Dennoch wollte sich dieses „Wah-wie-toll-ich-liebe-liebe-liebe-dieses-Buch-Gefühl“ nicht einstellen. Wisst ihr, was ich meine? Vor zwei, drei Jahren wäre ich sicherlich begeistert von The Girl of Fire & Throns gewesen; heute reicht es eben nur noch für ein „nett“.

Rae Carsons Weltentwurf gefiel mir hingegen gut. Elisas Umfeld ist sehr orientalisch bzw. südländisch angehaucht. Beim Genre High Fantasy hätte ich eigentlich eher mit borealen Wäldern, grünen Wiesen und hohen Gebirgsketten gerechnet – das Wüstensetting war eine echte Überraschung für mich. Verblüfft war ich auch über den Gebrauch kastilischer Namen und Begriffe. (Lucero-Elisa, Alejandro, Invierne, Conde, Duermo, Scriptura Sancta usw.) Die im Buch als „Lengua Classica“ bezeichnete Sprache ist nahezu identisch mit dem Spanischen!

Ein Pluspunkt war für mich noch der Schluss. Einige Handlungsstränge bleiben offen; allerdings ist das Ende auch ohne Fortsetzungen befriedigend. Elisa erstes Abenteuer ist abgeschlossen – nun liegt die Wahl beim Leser: hat er genug oder er will die wackere Heldin weiter auf ihrem Weg begleiten?   Ich selbst werde die Reihe wohl weiterverfolgen, denn ein ganz kleines kleines Bisschen sind mir die Charaktere dann doch ans Herz gewachsen. 🙂

Fazit  

The Girl of Fire & Throns ist beileibe schlechtes Buch, aber es hält eben (wie so oft) nicht, was der Bestseller-Hype verspricht. Wer ein Fan klassischer Abenteuer und Coming-of-Age Geschichten ist, eine gehörige Portion Geduld mitbringt und sich nicht von der übermäßigen Präsenz religiöser Themen abschrecken lässt, könnte mit dem Roman einen Treffer landen. Allen anderen würde ich Rae Carson Debüt nur eingeschränkt empfehlen. Keine Enttäuschung, aber auch nicht der ersehnte Überflieger.

Lisas Bewertung: 3,2 von 5 Sternen!

(Lisas Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

Auf den ersten Blick 

girl_fire_thornsInzwischen mag ich das Cover wirklich sehr! Es passt zur Geschichte und gibt die Stimmung sehr gut wieder. Auch die Farbkombination finde ich sehr gelungen und ansprechend. Rechts ist das ursprüngliche, ebenfalls wunderschöne Cover zu sehen. Nachdem ich den Roman nun gelesen habe, bin ich aber doppelt froh darüber, dass dieses Motiv nicht verwendet wurde. Zum Einen ist The Girl of Fire & Throns High Fantasy und keine paranormale Fantasy (wie das Cover irrtümlicherweise suggeriert), zum Anderen ist die Protagonistin Elisa dunkelhäutig und hat ähem… nunja… ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen. Wenn dann ein schlankes, weißes Mädchen auf dem Buchdeckel abgebildet wird, ist das in meinen Augen alles andere als in Ordnung.


 

 

 

Redaktion von Beste Bücher

 

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