Donald Antrim ist zurück: Ein neuer Roman nach fast drei Jahrzehnten
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Donald Antrim will ein Buch über seinen Vater schreiben. Zumindest der Donald Antrim in „My Eliot“. Sein Vater, ein Liebhaberschuster und selbstgelehrter Kenner von T. S. Eliot, habe mit seinen Überzeugungen falschgelegen; der Sohn möchte erklären, weshalb. Doch statt am Schreibtisch voranzukommen, streift er nachts durch einen Wald mit leuchtenden Bäumen und spricht mit einem Opossum namens Tom. Auch der Geist seiner jüngeren Schwester sucht ihn heim. So beschreibt der Verlag den Roman, der für den 12. Januar 2027 in den USA angekündigt ist.

Dass Autor und Erzähler denselben Namen tragen, macht die Sache nicht einfacher. Die Vaterfigur mag auf Antrims Vater zurückgehen; die Handlung ist damit noch kein Lebensbericht. Interessanter als die Frage, welche Szene „wirklich“ geschehen ist, erscheint vorerst eine andere: Warum gerät ausgerechnet der Versuch, den Vater endlich zu erklären, in eine derart unwahrscheinliche Welt?

Es ist Antrims erster angekündigter Roman seit „The Verificationist“ aus dem Jahr 2000. Fast 27 Jahre liegen zwischen den Veröffentlichungsterminen, nicht zwischen zwei Lebenszeichen des Schriftstellers. Antrim schrieb in der Zwischenzeit Erzählungen und zwei Erinnerungsbücher. Zurück kehrt also nicht ein verschollener Autor, sondern einer, der lange auf andere Formen gesetzt hat.

Wenn die Ordnung nicht hält

Antrims frühe Romane geben einen Begriff davon, weshalb diese Rückkehr neugierig macht. In „Elect Mr. Robinson for a Better World“ von 1993 befestigen Bewohner einer Kleinstadt ihre Grundstücke, während die Gewalt unter Nachbarn groteske Ausmaße annimmt. Die bürgerliche Ordnung wird nicht erst von außen bedroht. Ihre Vertreter erledigen das selbst, mit beträchtlichem organisatorischem Eifer. Joan Acocella beschrieb Antrims Bücher 2006 als eine Verbindung von trockenem Witz und Schrecken. Das Absurde ist bei ihm selten eine harmlose Zugabe.

„The Hundred Brothers“ von 1997 zieht denselben Unfrieden in ein heruntergekommenes Familienhaus. Hundert Brüder versammeln sich dort auf der Suche nach der Urne ihres verstorbenen Vaters. Schon die Zahl verweigert jede Hoffnung auf ein übersichtliches Familientreffen. Die Urne bleibt verschwunden, doch der Tote bestimmt weiter, worum sich alle bewegen. Der Vater muss nicht auftreten, um den Raum zu beherrschen.

In „The Verificationist“ von 2000 trifft sich eine Gruppe von Psychotherapeuten in einem Pfannkuchenrestaurant. Ausgerechnet Menschen, deren Beruf das Erklären ist, geraten dort in kindische Kämpfe und eine fantastische Verschiebung der Wahrnehmung. Antrim nimmt ihnen nicht einfach ihre Fachsprache weg; er zeigt, wie wenig sie ihnen nützt. Von der bewaffneten Nachbarschaft über die Brüderversammlung bis zum Therapeutenabend wiederholt sich keine Handlung, wohl aber eine Zumutung: Die Figuren beanspruchen Übersicht über eine Lage, in der sie selbst die Störung sind.

Die vermeintliche Romanpause

Nach diesen drei Romanen schrieb Antrim über sein eigenes Leben. „The Afterlife“ von 2006 gilt seiner verstorbenen Mutter Louanne, „One Friday in April: A Story of Suicide and Survival“ von 2021 seiner psychischen Erkrankung und Klinikaufenthalten. Dazwischen erschien 2014 die Erzählsammlung „The Emerald Light in the Air“. Wer nur auf die Romanjahre schaut, übersieht eine erhebliche Arbeit an anderen Möglichkeiten, von Verlust und Abhängigkeit zu erzählen.

Gerade „The Afterlife“ widerspricht der bequemen Vorstellung, ein Erinnerungsbuch liefere die Erklärung zu den früheren Romanen gleich mit. Acocella, die mit dieser Erwartung an das Buch heranging, fand darin mehr als einen biografischen Schlüssel. Sie hebt eine Beschreibung eines von Louanne gefertigten Seidenkimonos hervor: Auf ihm sitzt ein großer Schmetterling, den der Text erst bewundert und dann in einem verstörenden Licht zeigt. Eine Beobachtung kippt, ohne dass die Bindung des Sohnes an seine Mutter deshalb eindeutig würde. Das Verfahren ist vertraut, auch wenn hier kein Roman vorliegt.

Auffällig ist, was in Acocellas Lektüre dieses Mutterbuchs am Rand bleibt: der Vater. Als Jugendlicher, so berichtet sie aus „The Afterlife“, suchte Antrim Zugang zu dessen Welt der Literatur und fand wenig Ermutigung. Nun kündigt sich ein Roman an, in dem der Sohn gerade über diesen Vater und dessen Eliot-Verehrung schreiben will. Daraus eine verspätete Abrechnung des Autors zu machen, wäre voreilig. Als Verschiebung des literarischen Blicks ist es bemerkenswert: Der Mann, der im Mutterbuch nur gelegentlich hervortritt, steht im neuen Schreibvorhaben im Mittelpunkt.

Wessen Eliot?

Laut der Einleitung eines Gesprächs in der „Paris Review“ arbeitete Antrim rund 25 Jahre an „My Eliot“; angeregt wurde das Projekt von seinem Vater. Diese Zahl bezeichnet die Entstehungsgeschichte, nicht eine Pause vom Schreiben. Auch der Romantitel lässt sich nicht schlicht als Ankündigung eines Buches über den Dichter lesen. „My Eliot“ könnte ebenso den Eliot meinen, den der Vater für sich beanspruchte, und jenen, den der Sohn nun gegen ihn in Stellung bringen möchte. Das ist eine Frage an den Roman, keine Auskunft über seinen bereits feststehenden Sinn.

Die Verlagsbeschreibung gibt dem geplanten Buch im Buch jedenfalls wenig Aussicht auf geradlinige Ausführung. Der Erzähler lebt im Haus seiner Kindheit, leidet unter der Trennung von Paula und begegnet nachts im Wald einem Phantom. T. S. Eliot ist als Geist ebenfalls Teil dieser angekündigten Welt. Zwischen Vater, Dichter und Sohn drängt sich immer neues Personal. Man kann darin eine Fortsetzung von Antrims älteren Familienkonflikten erkennen; man sollte den Wald deshalb aber nicht vorschnell zur bloßen Chiffre für ein Trauma erklären. Ein sprechendes Opossum hat auch ein Recht darauf, zunächst ein sprechendes Opossum zu sein.

Was diese Figuren im fertigen Roman leisten, ist noch offen. Die Inhaltsangabe stammt vom Verlag, und das frei zugängliche Stück des „Paris Review“-Gesprächs verrät wenig über die endgültige Gestalt des Buches. Es wäre ebenso falsch, die angekündigte Fantastik schon als gelungen zu feiern, wie sie als Ausweichmanöver vor dem Vater abzutun. Antrims frühere Bücher legen eine genauere Erwartung nahe: Wo jemand die Familiengeschichte endlich festschreiben will, beginnt die Erzählung, ihm zu widersprechen.

Vielleicht braucht dieser Erzähler den Roman gerade deshalb. Ein Buch gegen den Vater ließe sich mit einem letzten, entschiedenen Satz beenden. In „My Eliot“ kommt ihm, wenn die Ankündigung hält, schon auf dem Weg dorthin Tom aus dem Wald entgegen.