
Welche literarische Figur wärst du selbst gerne für einen Tag?
Odysseus
Was ist die ungewöhnlichste Situation, in der du jemals geschrieben hast?
Als ich in Nicaragua entführt war und mit den Contras durch den Dschungel marschieren musste. Ich habe heimlich geschrieben, und daraus wurde später ein Buch.
Welches Buch hättest du gerne selbst geschrieben?
Ich schreibe am liebsten meine eigenen Bücher. Die eigenen Romane sind authentisch und bisweilen intim. Daher kann ich mir nicht vorstellen, ein Buch eines/einer anderen Autors/Autorin zu schreiben.
Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?
Dass es das Leben der Bohème ist. Schreiben ist schwere Arbeit, wenn man es ernsthaft betreibt.
Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet dich beim Schreiben?
Zu viel Kaffee und zu viel Kuchen.
Welche Kritik an deinen Büchern hat dich besonders getroffen oder überrascht?
Wenn jemand sagt, die Geschichte sei unglaubwürdig. Ich recherchiere oft etliche Jahre, veröffentliche auch mal einen wissenschaftlichen Artikel über das Thema, bevor ich einen Roman anfange.
Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würdest du gerne einen Abend verbringen?
Mit John Irving. Ein wahnsinnig guter Erzähler.
Wie autobiografisch sind deine Bücher? Wie viel von dir selbst fließt dort ein?
Es gibt manchmal autobiografische Elemente in meinen Romanen, die ich aber stets verfremde. Ich komponiere auch manche Figuren mit den Merkmalen verschiedener, tatsächlich lebender Personen, damit sie für ein Thema repräsentativ sind. Mein autobiografischstes Buch ist wohl „Mit Miles Davis in Maputo“, in dem ich selbstironisch und humorvoll von einem Entwicklungsexperten in Mosambik erzähle, der in die tropischen Nächte Maputos eintaucht, die von Jazz und Blues widerhallen. Es ist eine Begegnung mit einer Stadt und der Vielfalt des Jazz, mit einer fremden Mentalität und einem, der einst auszog, um die Welt zu verändern.
Welche Frage wird dir in Interviews nie gestellt, obwohl du sie gerne beantworten würdest – und wie lautet deine Antwort?
Seit wann bist du Schriftsteller?
Ich habe lange gezögert, um mich „Schriftsteller“ zu nennen, obwohl ich früh mit dem Schreiben angefangen habe. Ich habe mich eher als „Autor“ und „Publizist“ bezeichnet, da ich Reportagen und Sachbücher geschrieben habe. Es hat einige Romane lang gedauert, bis ich mich dann „Schriftsteller“ nannte.
Was kannst du uns schon über dein nächstes Projekt verraten?
Der nächste Roman ist fertig und dreht sich um einen Künstler. Ich hoffe, er findet einen guten Verlag.
Du bist im Weltall: Elon hat dich auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, du durftest aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?
Peter Nádas: Buch der Erinnerung
Peter Nádas: Parallelgeschichten
Thomas Mann: Buddenbrooks
Die stehen auf meiner „to read“ Liste.
Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert dich mehr und warum?
Eher Gegenwartsliteratur. Sie reflektiert mehr die gegenwärtige Gesellschaft, regt zum Nachdenken darüber an und inspiriert vielleicht mit guten Ideen.

