Serafina Chirico – Autorenporträt
Serafina Chirico mit ihrem geretteten Tierschutzkater Fynn, dem Namensgeber und Vorbild ihrer Kinderbuchreihe. © Serafina Chirico

Serafina Chirico lebt in Mülheim an der Ruhr und schreibt Kinderbücher mit Herz und Haltung. In ihren Geschichten verbindet sie fantasievolle Abenteuer mit wichtigen Botschaften über Freundschaft, Mut, Mitgefühl und den respektvollen Umgang mit allen Lebewesen.

Ihre Leidenschaft für Tiere und ihr ehrenamtliches Engagement im Tierschutz prägen auch ihre Arbeit als Autorin.

Welche literarische Figur wärst du selbst gerne für einen Tag?

Ich glaube, ich wäre gerne einen Tag lang Momo aus Michael Endes gleichnamigem Roman. Sie hat eine ganz besondere Gabe: Sie kann wirklich zuhören. Und zwar so, dass andere Menschen sich verstanden fühlen und manchmal sogar selbst Antworten auf ihre Fragen finden. In einer Welt, in der alle ständig beschäftigt sind und kaum noch Zeit füreinander haben, finde ich das eine unglaublich wertvolle Fähigkeit.

Welches Buch hättest du gerne selbst geschrieben?

„Tintenherz“ von Cornelia Funke. Allein die Vorstellung, dass Figuren aus Büchern zum Leben erwachen können, finde ich unglaublich faszinierend. Cornelia Funke hat damit eine Geschichte geschaffen, die die Liebe zu Büchern und die Kraft der Fantasie auf so wunderbare Weise miteinander verbindet. Und mal ehrlich: Welche Autorin würde sich nicht manchmal wünschen, ihre eigenen Figuren könnten für einen kleinen Moment lebendig werden?

Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?

Dass Schriftsteller:innen ein entspanntes Künstlerleben führen, den ganzen Tag ihrer Kreativität nachgehen und von ihren Buchverkäufen gut leben können. Die Realität sieht für die meisten allerdings ganz anders aus. Gerade als Selfpublisher:in ist man nicht nur Autor:in, sondern gleichzeitig Lektor:in, Korrektor:in, Gestalter:in, Marketingexpert:in und vieles mehr. Hinter jedem Buch stecken unzählige Arbeitsstunden, und selbst wenn sich ein Buch gut verkauft, bleibt vom Verkaufspreis oft erstaunlich wenig bei den Autor:innen hängen. Was mich außerdem stört, ist die Vorstellung, selbst veröffentlichte Bücher seien automatisch weniger hochwertig als Verlagsbücher. Gute Geschichten und sorgfältig gemachte Bücher erkennt man schließlich nicht daran, welches Verlagslogo auf dem Buchrücken steht.

Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würdest du gerne einen Abend verbringen?

Mit Jane Goodall, ohne jeden Zweifel! Ich bewundere diese außergewöhnliche Frau zutiefst, nicht nur für ihre Bücher und ihre bahnbrechende Arbeit mit Schimpansen, sondern vor allem für ihre unermüdliche Leidenschaft, ihren Mut und ihren lebenslangen Einsatz für Tiere und unsere Umwelt. Sie hat den Menschen gezeigt, wie viel uns mit anderen Lebewesen verbindet und wie wichtig es ist, ihnen mit Respekt und Mitgefühl zu begegnen. Besonders beeindruckt mich, dass sie trotz aller Herausforderungen nie aufgehört hat, Hoffnung zu vermitteln und daran zu glauben, dass jeder Einzelne etwas verändern kann. Ich hätte ihr unglaublich gerne zugehört, von ihren Erfahrungen gelernt und mit ihr darüber gesprochen, wie wir gerade Kinder dafür begeistern können, sich für Tiere und unsere Natur einzusetzen. Ein Abend mit ihr wäre für mich etwas ganz Besonderes gewesen.

Wie autobiografisch sind deine Bücher? Wie viel von dir selbst fließt dort ein?

In meinen Büchern steckt tatsächlich sehr viel mehr von meinem eigenen Leben, als man vielleicht vermuten würde. Besonders in der Fynn-Reihe sind viele persönliche Erinnerungen, Erlebnisse und Menschen, die mir nahestehen, eingeflossen. Ich verwebe reale Begebenheiten und Gefühle mit fantastischen Elementen und lasse daraus eine ganz eigene Welt entstehen. Auch Fynn selbst gibt es wirklich. Er ist mein geretteter ehemaliger Straßenkater und die Inspiration für meine Buchreihe. „Leopold und die Glücksritterin“ wiederum beruht auf einer wahren Begebenheit. Und natürlich fließen auch meine persönlichen Überzeugungen in meine Geschichten ein, vor allem meine Liebe zu Tieren und mein Wunsch, Kindern Werte wie Mitgefühl, Respekt und Mut mitzugeben. Meine Geschichten sind also durchaus fantasievoll, aber viele ihrer Wurzeln liegen mitten in meinem eigenen Leben.

Welche Frage wird dir in Interviews nie gestellt, obwohl du sie gerne beantworten würdest – und wie lautet deine Antwort?

Ich würde mir wünschen, dass mich jemand fragt: „Was möchtest du mit deinen Büchern über das Erzählen einer schönen Geschichte hinaus bewirken?“

Ich möchte Kinder darin bestärken, sich ihr natürliches Mitgefühl zu bewahren. Kinder begegnen Tieren oft mit einer wunderbaren Offenheit und Empathie. Ich wünsche mir, dass sie diese Haltung auch dann nicht verlieren, wenn sie älter werden. Mit meinen Geschichten möchte ich sie ermutigen, hinzuschauen, Fragen zu stellen, Verantwortung zu übernehmen und auch für diejenigen einzustehen, die keine eigene Stimme haben. Denn ich glaube, dass aus mitfühlenden Kindern Erwachsene werden können, die unsere Welt ein kleines bisschen besser machen.

Du bist im Weltall: Elon hat dich auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, du durftest aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?

Oh, das ist gemein! Nur drei Bücher für eine so lange Reise? Dann müssen es Geschichten sein, in denen ich mich immer wieder verlieren kann. Meine Wahl fällt auf „Die Elfen“ von Bernhard Hennen, „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende und „Tintenherz“ von Cornelia Funke. Drei fantastische Welten voller Magie, Abenteuer und unvergesslicher Figuren. Und falls es auf dem Mars langweilig wird, habe ich zumindest genügend Fantasie im Gepäck.

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