
Welche literarische Figur wärst du selbst gerne für einen Tag?
Jene, deren Buch ich noch nicht geschrieben habe; sie trägt den Namen »Ruban«, reist durch die Zeit und tritt in jedem meiner Romane in einer Nebenrolle auf …
Was ist die ungewöhnlichste Situation, in der du jemals geschrieben hast?
Ich fuhr mit der U-Bahn zur Arbeit und kritzelte wie von Sinnen mit einem winzigen Bleistift, den ich aus einem Möbelhaus mitgenommen hatte, auf die Rückseiten mehrerer Visitkarten eine Romanidee, die, völlig aus dem Nichts, plötzlich plastisch vor mir stand und die ich auf keinen Fall wieder vergessen durfte.
Welches Buch hättest du gerne selbst geschrieben?
Finnegans Wake und Cien años de soledad. (Das sind zwei, ich weiß. Aber es gibt so viele tolle Bücher!)
Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?
Dass man vom Schreiben gut leben könnte. (Eher das Gegenteil ist der Fall: Schreiben kann arm machen bzw. arm halten.)
Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet dich beim Schreiben?
Ich gehe emotional total in meinen Büchern auf; ich verziehe das Gesicht, leide, heule, freue mich, lache und muss mir manchmal die Tränen aus dem Augen wischen, damit ich noch sehe, was ich schreibe. (Aus diesem Grund muss ich beim Schreiben allein sein.)
Welche Kritik an deinen Büchern hat dich besonders getroffen oder überrascht?
Alle, die persönlich verletzen, und das, obwohl augenscheinlich ist, dass die kritisierende Person das Buch gar nicht gelesen hat. Und natürlich jene von Personen, die mir sehr nahe stehen.
Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würdest du gerne einen Abend verbringen?
Siri Hustvedt. (Aber der Wunschname kann jede Woche wechseln …)
Wie autobiografisch sind deine Bücher? Wie viel von dir selbst fließt dort ein?
Oh … jetzt werde ich rot. Also, da ist verdammt viel von mir drin. Sogar dann, wenn es um etwas ganz anderes geht. Es ist schon so, dass man als Autor seine eigene Persönlichkeit ins Schaufenster stellt. Bei Lyrik wahrscheinlich noch mehr als in der Prosa.
Was kannst du uns schon über dein nächstes Projekt verraten?
Es gibt nicht »das nächste Projekt«, es gibt nur viele Projekte, die alle parallel laufen. Da sind Ideen zu Lyrikbänden eben so wie zu Romanen, auch Kurzgeschichten poppen immer wieder auf. Ich habe mich damit abgefunden, dass ich in meinem Leben niemals alle literarischen Projekte durchführen und abschließen kann, die in meinem Kopf herumschwirren.
Du bist im Weltall: Elon hat dich auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, du durftest aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?
Cien años de soledad (Gabriel García Márquez)
Finnegans Wake (James Joyce)
Dessen Sprache du nicht verstehst (Marianne Fritz)
Nur drei? Ey, was ist denn das für eine Rostlaube, die da zum Mars fliegt?

