Eva-Maria Silber – Autorenporträt
(c) Eva-Maria Silber

Eva-Maria Silber lebt als freie Schriftstellerin an der Nordseeküste und im Harz. Sie studierte in Gießen Jura und arbeitete als Rechtsanwältin und Strafverteidigerin im Großraum Frankfurt sowie als Hauptgeschäftsführerin eines Bundesverbandes in Wiesbaden, bevor sie wegen hochgradiger Schwerhörigkeit ihren Beruf aufgeben musste. Ihr kürzlich erschienener historischer Kriminalroman wurde für den Homer – Literaturpreis Historische Literatur 2026 nominiert.

Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?

Man könnte ein Buch innerhalb kürzester Zeit schreiben, man müsse nur eine gute Idee haben. Schreiben ist harte Arbeit und erfordert ganz viel Disziplin.

Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet Sie beim Schreiben?

Dass ich alles was ich schreibe, kontrollieren muss auf seinen Wahrheitsgehalt. Habe ich etwas nicht nachrecherchiert, raubt mir das den Schlaf.

Wie autobiografisch sind Ihre Bücher? Wie viel von Ihnen selbst fließt dort ein?

Da Strafverteidigung meine Beruf war und die Beweiswürdigung mein täglich Brot, fließt in meine Kriminalromane sehr viel eigene Erfahrung bei der Analyse der True-Crimes, über die ich fast ausschließlich schreibe, mit ein.

Welche Frage wird Ihnen in Interviews nie gestellt, obwohl Sie sie gerne beantworten würden – und wie lautet Ihre Antwort?

Wie wir in unserem Buch „Schwesterntod“ (inzwischen als Neuauflage unter dem Titel „Die Schwestern“ erschienen), der auf dem Mordfall Monika Weimar an ihren Kindern beruht, auf die Idee kamen, dass weder die Mutter noch der Vater der Mörder der eigenen Kindern war, sondern einer der beiden im Haus lebenden Schwager. Inzwischen wurde festgestellt, dass der Ehemann der jüngeren Schwester in Amerika als Kinderschänder inhaftiert ist. Unsere Antwort würde lauten: Weil wir uns beim Schreiben von dem Gedanken lösten, dass nicht sein kann, was nicht sein darf!

Was können Sie uns schon über Ihr nächstes Projekt verraten?

Mein nächstes Buch wird ein Roman, der sich damit auseinandersetzt, wie falsche Darstellungen und Hetze der Öffentlichkeit und Presse das Leben von jungen Frauen ruinieren kann. Ich bin erstmals beim Mordfall Monika Weimar über die Problematik gestolpert. Bei meiner Recherche für mein neues Buch, geplant war wieder ein zumindest zweifelhaft gelöster Kriminalfall, stieß ich darüber, dass das bereits 1906 einer jungen Frau zum Verhängnis wurde. Auch, wenn ich in dem Fall selbst ein paar Zweifel an ihrer Unschuld habe. Mehr wird nicht verraten!

Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert Sie mehr und warum?

Beides birgt Inspiration, je nachdem, woran man gerade arbeitet. Wenn ich an einem historischen Roman arbeite, inspirieren mich Jane Austen und Anne Brontë, weil sie mir die Denkweise und gesellschaftlichen Einschränkungen der Frauen in jener Zeit nahe bringen. Auch, um mich in die damalige Sprache für das Schreiben einzulesen. Schreibe ich an aktuellen True-Crimes, lese ich leidenschaftlich gerne Neuerscheinungen junger Schriftsteller:innen, die die Welt von heute widerspiegeln, weil sie die aktuelle Lebensrealität der jungen Generation darstellen, zu der ich nicht mehr gehöre. Aber auch die darin geschilderten Probleme und Sprache dieser Generation sind höchst inspirierend, um den Zeitgeist in meinem Buch einzufangen. Natürlich faszinieren mich auch Berichte über neue kriminalistische Untersuchungsmethoden und fließen in meine Bücher ein. Gleichzeitig begeistert mich Hard Science Fiction als Möglichkeit, in die Zukunft zu schauen und offen zu bleiben.

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