Robert de Paca – Autorenporträt
© Robert de Paca

Geschichten erzählen hat mich schon mein ganzes Leben über begleitet und fasziniert: neben der Schule als Sprecher im BR – unter der Regie von Willy Semmelrogge – in einem kleinen Hörfunk Ensemble, bis irgendwann der Stimmbruch dieser jungen Karriere ein biologisches Ende bescherte. Später hatte ich lange Zeit mit einem Studium an der HFF München geliebäugelt, bis mich erste Gehversuche in kleinen TV- und Kinoproduktionen auf den Boden der monetären Realität zurückholten.

Mittlerweile lebe ich seit nunmehr rund 30 Jahren in Südfrankreich.

Welches Buch hättest du gerne selbst geschrieben?

‚Das andere Ufer der Zeit‘ (von Jack Finney).

Einstein äußerte einmal die Vorstellung, wir trieben wie in einem Boot ohne Ruder den Fluss der Zeit hinab, nähmen am Ufer um uns herum lediglich die sogenannte Gegenwart wahr, wobei die Vergangenheit in den Flussbiegungen hinter uns zwar von unserem Boot aus nicht mehr sichtbar, aber immer noch vorhanden sei.

Spinnt man den Gedanken weiter: Was wäre, wenn man aus diesem Boot heraussteigen und zu einer der zurückliegenden Flussbiegungen zurückgehen könnte?

Ein aufwändiges US-Forschungsprojekt ermöglicht dem Protagonisten Simon Morley, durch detaillierte Schulung und schließlich – ohne technische Hilfsmittel, nur mittels Selbsthypnose – real in das New York von 1882 hinüber zu wechseln und dort in eine für uns völlig neue Welt einzutauchen.

Diese längst vergangene Epoche wird sowohl durch den Handlungsstrang eines Kriminalfalls, als auch durch Zeichnungen und Fotografien aus dieser Zeit eindrucksvoll realistisch wiederbelebt.

Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet dich beim Schreiben?

Keine Angewohnheit, eher ein oft wiederkehrendes Phänomen – auch nach mittlerweile vier Büchern: Es gibt Tage, da spüre ich, dass die Worte heute nur so sprudeln werden … und dann läuft gar nichts. (Passiert mir übrigens auch beim Gitarrespielen: Heute wird’s super laufen, denke ich … und dann spiele ich mir doch wieder nur einen Knoten in die Finger)

An anderen Tagen setze ich mich eher pflichtschuldig (denn der Abgabetermin rückt näher) an die Tastatur. Also quäle ich mühselig und voller Selbstzweifel ein paar Worte aus der Tastatur … und plötzlich platzt der Knoten und die Ideen kommen so schnell, dass ich kaum mit dem Tippen hinterherkomme.

Welche Kritik an deinen Büchern hat dich besonders getroffen oder überrascht?

Aus manchen Leserkritiken kann man deutlich erkennen, dass einige Leser mittlerweile keine Geduld/Ausdauer mehr haben (eine Folge des Social Media-Trends mit seinen Kurzvideos?): Sie lesen offenbar seitenlang nur noch quer. Dadurch entgehen ihnen dann leider dezente Hinweise zu Tatablauf oder Täter.

Aber die Zeit, sich über solche ‚Stilfehler‘ in Leserkritiken auszulassen, die haben diese ‚Turboleser‘ dann doch wieder.

Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würdest du gerne einen Abend verbringen?

Mit Peter Mayle (ich mag seine Bücher sehr, vor allem ‚Ein guter Jahrgang‘ oder ‚Trüffelträume: Die Provenzalischen Abenteuer des Mr. Bennett‘).

Er lebte nur ein Katzensprung von mir entfernt, ist aber leider schon vor einiger Zeit mit nur 78 Jahren verstorben.

Ich hätte gern mit ihm – bei ein oder zwei Rosé – über die persönliche Sichtweise zweier Nichtprovenzalen bezüglich unserer Wahlheimat geplaudert.

Wie autobiografisch sind deine Bücher? Wie viel von dir selbst fließt dort ein?

Meine Protagonisten sind zwar kein getarntes ‚Ich‘, aber sie basieren auf persönliche Erfahrungen und Erlebnisse. Sie spiegeln meist auch meine persönliche Einstellung wieder – ich versuche also nicht, mittels meiner Protagonisten etwas auszuleben, das ich mich selbst nicht traue oder was ich nicht bin.

Die Rolle des deutsch-französischen Krimiautors in meinem letzten Buch ist da ein gutes Beispiel: er lebt in der Provence, schreibt auf Deutsch, liebt mediterrane Küche … das ist ja schon ganz nah an der Realität.

Was kannst du uns schon über dein nächstes Projekt verraten?

Die Figur des Kriminalautors Maxim Marchal in ‚Mord à la Lavande‘ habe ich als Basis für eine Serie angedacht. In seinem Lebensumfeld stößt er – beispielsweise bei der Recherche zu einem neuen Buch – auf Umstände, von der die Polizei entweder noch nichts weiß oder die sie bisher gar nicht als Kriminalfall eingestuft hat. Dadurch können die Themen der Bücher auch komplett unterschiedlich ausfallen – im Gegensatz zum klassischen Whodunit-Krimi : Leichenfund – Kommissar tritt auf – ermittel-ermittel-ermittel … – voilà: der Mörder!

Du bist im Weltall: Elon hat dich auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, du durftest aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?

1) Die Anleitung: „Jetzt reparier‘ ich meinen Tesla selbst“

2) „Per Anhalter durch die Galaxis“ – für Tipps, wie man bei Totalausfall wieder zurück nachhause kommt ;-)

3) „Robinson Crusoe“ – für den Fall, dass mein Schiff als einziges auf dem Mars landet und keine anderen nachkommen.

Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert dich mehr und warum?

Team Gegenwart, da ich gerne Geschichten mag, bei denen ein ‚Mensch-wie-Du-und-Ich‘ in eine Situation gerät, aus der er sich nur mit seinen eigenen Fähigkeiten und vielleicht noch mit Hilfe aus seinem persönlichen Umfeld herauslavieren muss; keine hochtechnische Forensik oder polizeilichen Datenpool, sondern Logik und Spürsinn.

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