
Welche literarische Figur wärst du selbst gerne für einen Tag?
Josef K. aus Franz Kafkas «Der Prozess». Allerdings nur unter einer Bedingung: Madeleine Canter aus meiner Krimireihe «Die Drei» müsste meine Verteidigung übernehmen. Vielleicht würde die Geschichte dann anders ausgehen.
Was ist die ungewöhnlichste Situation, in der du jemals geschrieben hast?
Wenn ich mit einer künstlichen Intelligenz über einen fiktiven Strafprozess diskutiere und sie plötzlich meine juristischen Argumente infrage stellt. Dann sitze ich als Autor, Jurist und gelegentlich auch als Angeklagter vor meinem Computer. Langweilig wird es dabei selten.
Welches Buch hättest du gerne selbst geschrieben?
„Der Prozess“ von Franz Kafka. Kaum ein anderes Buch zeigt so eindrücklich, wie ein Mensch an einem undurchschaubaren Rechtssystem verzweifeln kann. Vielleicht schreibe ich deshalb so gerne über das Spannungsfeld zwischen Recht und Gerechtigkeit.
Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?
Dass Schriftsteller auf die grosse Inspiration warten. Meine Erfahrung ist eine andere: Man beginnt zu schreiben, und irgendwann entwickeln die Figuren ein Eigenleben. Das grösste Problem ist dann nicht mehr, eine Geschichte zu finden, sondern die eigenen Figuren im Zaum zu halten.
Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet dich beim Schreiben?
Ich schreibe am liebsten abends, häufig begleitet von Jazz. Tagsüber gehe ich mit meinem Hund Teddy lange spazieren. Dabei entstehen oft neue Gedanken und Geschichten. Teddy ist mein treuester Begleiter – und vermutlich mein geduldigster literarischer Berater.
Welche Kritik an deinen Büchern hat dich besonders getroffen oder überrascht?
Die Frage, ob sich meine Geschichten mit ihren unterschiedlichen Perspektiven nicht manchmal zu sehr verzetteln. Diese Frage stelle ich mir auch selbst. Aber gerade die verschiedenen Blickwinkel faszinieren mich. Wahrheit ist selten eindeutig, und Gerechtigkeit noch viel seltener. Das möchte ich in meinen Büchern zeigen.
Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würdest du gerne einen Abend verbringen?
Mit Friedrich Dürrenmatt. Wir würden vermutlich den ganzen Abend über Recht, Gerechtigkeit, Zufall und die Absurditäten des menschlichen Lebens diskutieren. Besonders interessieren würde mich, was er heute über künstliche Intelligenz in der Justiz denken würde. Und natürlich, ob er einen KI-Richter in einen seiner Kriminalromane einbauen würde.
Wie autobiografisch sind deine Bücher? Wie viel von dir selbst fließt dort ein?
Meine Bücher sind selten autobiografisch, aber meine Lebenserfahrung fliesst überall ein. Als Jurist und Unternehmer habe ich erlebt, dass Recht und Gerechtigkeit nicht immer dasselbe sind und die Wahrheit oft mehrere Gesichter hat. Meine Figuren sind erfunden, ihre Konflikte hingegen häufig von der Wirklichkeit inspiriert. Vielleicht steckt in jeder Figur ein kleines Stück von mir – auch in den Bösewichten.
Welche Frage wird dir in Interviews nie gestellt, obwohl du sie gerne beantworten würdest – und wie lautet deine Antwort?
Kann eine künstliche Intelligenz ein besserer Richter sein als ein Mensch?
Meine Antwort: Vielleicht kann sie Gesetze konsequenter anwenden, Widersprüche schneller erkennen und Vorurteile reduzieren. Aber versteht sie auch Gerechtigkeit? Genau diese Frage beschäftigt mich in meinen Romanen. Ich kenne die Antwort nicht. Und gerade deshalb schreibe ich darüber.
Was kannst du uns schon über dein nächstes Projekt verraten?
Ich arbeite an einer umfangreichen Krimireihe mit dem Titel «Die Drei». Eine Anwältin, eine Ermittlerin und eine künstliche Intelligenz versuchen gemeinsam, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Dabei geraten sie immer wieder mit der Justiz, der Politik und gelegentlich auch mit sich selbst in Konflikt. Im Mittelpunkt steht eine Frage: Was geschieht, wenn das Recht eingehalten wird, aber die Gerechtigkeit auf der Strecke bleibt?
Du bist im Weltall: Elon hat dich auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, du durftest aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?
„Robinson Crusoe“ von Daniel Defoe – damit ich weiss, wie man auf sich allein gestellt überlebt.
„Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry – damit ich nicht vergesse, was im Leben wirklich wichtig ist.
„Der Prozess“ von Franz Kafka – als Warnung, welche Art von Justiz wir auf dem Mars keinesfalls einführen sollten.
Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert dich mehr und warum?
Beides. Die Klassiker zeigen uns, dass die grossen menschlichen Fragen seit Jahrhunderten dieselben geblieben sind: Liebe, Macht, Schuld, Freiheit und Gerechtigkeit. Die Gegenwartsliteratur zeigt, wie sich diese Fragen unter neuen Bedingungen stellen. Heute kommt die künstliche Intelligenz dazu. Kafka hätte daran vermutlich seine Freude gehabt – oder wäre daran verzweifelt.

