Andreas Kirchgäßner – Autorenporträt
© Der Reiseschriftsteller Andreas Kirchgäßner Foto: privat

Kirchgäßner absolvierte nach seinem Abitur zunächst eine Landwirtschaftslehre, er schulte später um zum Maschinenschlosser. Nach ausgedehnten Afrikareisen beschloss er, ganz vom und fürs Schreiben zu leben. 1999 erhielt er eine Drehbuchförderung der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg für den Spielfilm Jobsharing.

Welche literarische Figur wärst du selbst gerne für einen Tag?

14‑jährigen Waisenjungen Krabat, der in eine Mühle im Koselbruch gerät, dort schwarze Magie erlernt und schließlich den tyrannischen Meister mithilfe von Freundschaft und der Liebe der Kantorka besiegt.

Was ist die ungewöhnlichste Situation, in der du jemals geschrieben hast?

Im Regenwald von Guinea-Conakry, vor meinem halb zerbrochenen Bus sitzend, umgeben von den sonderbarsten Tierlauten.

Welches Buch hättest du gerne selbst geschrieben?

Krabat.

Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?

Dass der Autor aus jeder Lebensgeschichte einen Roman machen kann.

Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet dich beim Schreiben?

Ich brauche starken schwarzen Tee, und den literweise.

Welche Kritik an deinen Büchern hat dich besonders getroffen oder überrascht?

Der Vorwurf des Exotismus, weil ich über uns fremde Menschen und Kulturen schreibe.

Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würdest du gerne einen Abend verbringen?

Ryszard Kapuściński.

Wie autobiografisch sind deine Bücher? Wie viel von dir selbst fließt dort ein?

Meine Bücher gründen sich auf tatsächlichen Reisen und Erlebnissen, die ich hatte.

Welche Frage wird dir in Interviews nie gestellt, obwohl du sie gerne beantworten würdest – und wie lautet deine Antwort?

Wie ist es dir gelungen, 30 Jahre von und fürs Schreiben zu leben, ohne dabei zu verhungern oder einen Brotberuf zu ergreifen?

Was kannst du uns schon über dein nächstes Projekt verraten?

Erst zum zweiten Mal wandere ich mit meinem neuen Roman „Lars Larsson und die Wunderlampe – als die Wikinger baden gingen“ in die Vergangenheit. Um das Jahr 1000 n.Chr. begegneten tatsächlich die Wikinger den hochkultivierten Arabern, die wir aus 1001 Nacht kennen.

Du bist im Weltall: Elon hat dich auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, du durftest aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?

Die Bibel, den Koran und Das Kapital.

Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert dich mehr und warum?

Beides. Für mein neustes Buchprojekt musste ich viele historische Recherchen anstellen und habe mich von den Märchen inspirieren lassen. Für den Togo-Roman musste ich viel über Kolonialismus recherchieren, aber auch aktuelle Diskurse über Entwicklungszusammenarbeit studieren.

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