
Welche literarische Figur wärst du selbst gerne für einen Tag?
Da ich selbst Gegenwartsliteratur schreibe, schlägt mein Herz im Hier und Jetzt. Müsste ich mir jedoch ein historisches Kostüm aus den Klassikern borgen, wäre ich am liebsten eine moderne Don Quijote auf den Spuren von Phileas Fogg: Eine unerschütterliche Reisende, die sich auch im Alter von gesellschaftlichen Widerständen nicht aufhalten lässt, um voller Idealismus für Klimaschutz und gegen den Rechtsruck zu kämpfen.
Was ist die ungewöhnlichste Situation, in der du jemals geschrieben hast?
Mein Weg hin zum Schreiben von Büchern führte über das Bloggen. Ich war vor über dreißig Jahren wahrscheinlich eine der ersten deutschsprachigen Reisebloggerinnen. Meine Artikel habe ich im kongolesischen Busch ebenso verfasst, wie bei den Naturvölkern der Mentawai auf einer abgelegenen indonesischen Insel oder in der Wüste des Iran.
Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?
Es tut mir leid, dass ich das sagen muss, aber der größte Mythos ist, dass die meisten Schriftsteller von ihrer Kunst leben können. Ich liebe den Dialog mit neuen Figuren in meinem Kopf und wie sich Geschichten unerwartet entwickeln können. Aber auch ich kann nicht nur von der Liebe zum Schreiben leben. Mir wäre daher daran gelegen, wenn Menschen keine KI-generierten Werke konsumieren würden, denn das führt über kurz oder lang zum Aussterben des Berufs des Schriftstellers – und zum Verlust des gedruckten Buches obendrein. Wie arm wäre die Welt ohne echte Bücher!
Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würdest du gerne einen Abend verbringen?
Mein großes Vorbild, beim Schreiben und in der Lebensführung, ist Paulo Coelho. Seinen „Alchemist“ habe ich sicher schon zehn Mal gelesen und entdecke immer wieder neue Aspekte. Mich mit ihm auszutauschen, stelle ich mir sehr inspirierend vor.
Wie autobiografisch sind deine Bücher? Wie viel von dir selbst fließt dort ein?
Meine ersten beiden Reisebücher sind zu einhundert Prozent autobiografisch. Auch wenn die Abenteuer manchmal unwahrscheinlich klingen, ich habe das alles tatsächlich so erlebt. Meine Romane atmen meine politische Überzeugung und meine Einstellung zum Leben. Daher sind meine Charaktere nie ganz frei von Heidi-Splittern.
Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert dich mehr und warum?
Ich schreibe selbst Gegenwartsliteratur und lese diese auch am liebsten. Bei den Klassikern habe ich noch viel Nachholbedarf, da ich – man mag es kaum glauben – zum Lesen so spät gekommen bin, wie zum Schreiben.

