
Ein intensives Gefühl kann eine Verletzung nicht einfach ungeschehen machen. In Broken Hopes Of My Future kehren Isadora und Gabriel nach St. Mortimer zurück und müssen sich fragen, ob zwischen ihnen noch ein gemeinsamer Weg möglich ist. Ava Avery verknüpft die Beziehungskrise mit dem Ringen um persönliche Ziele. Daraus entsteht ein emotionaler Roman, dessen Figuren und Konfliktlösungen allerdings nicht in jeder Phase gleich überzeugend wirken.
Nach einem vermeintlichen Verrat versucht Isadora, in St. Mortimer wieder in ihren Alltag zu finden und Gabriel möglichst aus dem Weg zu gehen. Das gelingt nur bedingt: Die Gefühle sind weiterhin da, und eine neue Vereinbarung führt die beiden erneut zusammen. Während Isa mit der Enttäuschung und den Folgen des Vertrauensbruchs umgehen muss, gerät Gabriel zusätzlich durch die Erwartungen seines Vaters unter Druck. Für ihn wird damit die Frage immer dringlicher, ob er seine eigenen Vorstellungen überhaupt verfolgen kann. Die Geschichte erzählt also nicht allein davon, ob ein Paar wieder zueinanderfindet. Sie begleitet zwei junge Menschen, die auch herausfinden müssen, was sie für ihr eigenes Leben wollen.
Der stärkste Antrieb des Romans liegt im Gegensatz zwischen fortbestehender Zuneigung und fehlender Sicherheit. Dass zwei Menschen einander lieben, beantwortet noch nicht die Frage, ob sie einander erneut vertrauen können. Gerade dieser Abstand verleiht der Beziehung mehr Spannung als eine einfache Abfolge von Annäherung und Rückzug. Die Figuren müssen sich mit Grenzen auseinandersetzen, statt ihre Konflikte durch bloße Sehnsucht zu überwinden. Besonders dann gewinnt die Erzählung an Interesse, wenn persönliche Wünsche und die Bedürfnisse des anderen nicht reibungslos zusammenpassen. So wird die Romanze auch zu einer Geschichte darüber, welche Voraussetzungen ein gemeinsamer Neubeginn braucht.
An Gabriel lassen sich die gelungenen und die weniger stimmigen Seiten der Charakterzeichnung besonders gut ablesen. Der Druck, den sein Vater auf ihn ausübt, erklärt einen Teil seiner Lage und gibt seiner Entwicklung eine zusätzliche Dimension. Gleichzeitig bleibt seine Darstellung nicht immer klar zusammengefügt. Widersprüche können eine Figur glaubwürdig machen, wenn ihre verschiedenen Seiten nachvollziehbar miteinander verbunden sind. Hier gelingt das nicht durchgehend. Mitunter wirkt Gabriel wie jemand, der noch nach einer eigenen Richtung sucht; an anderen Stellen scheinen seine Entscheidungen stärker dem jeweiligen Fortgang des Konflikts zu dienen. Dadurch verliert seine Entwicklung etwas an Kontur.
Ava Avery erzählt direkt und legt den Schwerpunkt auf die Gefühle der Hauptfiguren. Die zentralen Auseinandersetzungen sind leicht zu erfassen, und die Beziehung bleibt stets im Zentrum. Das sorgt für einen flüssigen Zugang und hält den Blick auf Isadora und Gabriel gerichtet. Zugleich macht die emotionale Nähe kleine Brüche in der Figurenzeichnung deutlicher. Wenn ein Entschluss oder ein Motiv nicht ganz zu dem passt, was zuvor über eine Figur vermittelt wurde, fällt das stärker ins Gewicht, als es bei einer distanzierteren Erzählweise vielleicht der Fall wäre. Die gefühlsbetonte Darstellung verleiht dem Roman Wirkung, kann aber fehlende psychologische Übergänge nicht immer auffangen.
Auch die Dramaturgie hat überzeugende Momente, erreicht jedoch kein durchgehend gleichmäßiges Niveau. Manche Wendungen verschieben die Lage der Figuren und geben den Konflikten neue Schärfe. Andere Entwicklungen lassen sich schon früh erahnen. Vorhersehbarkeit ist in einer Liebesgeschichte nicht automatisch ein Mangel: Oft zählt weniger die Überraschung des Endpunkts als der Weg dorthin. Schwieriger ist, dass einzelne Auseinandersetzungen am Ende einfacher beigelegt werden, als ihre Zuspitzung erwarten lässt. Wenn die Handlung eine große emotionale Fallhöhe aufbaut, sollte auch die Lösung diesem Gewicht standhalten. Das gelingt Avery stellenweise, aber nicht bei jedem Konflikt.
Über die Beziehung hinaus bleibt die Frage nach persönlicher Entscheidungsfreiheit ein wichtiger Teil des Romans. Gabriels Lage macht sichtbar, wie stark familiäre Erwartungen die eigenen Pläne beeinflussen können. Isadora wiederum muss für sich klären, welche Folgen des Vertrauensbruchs sie hinnehmen kann und wo ihre persönlichen Grenzen liegen. In diesen Fragen findet die Fortsetzung ihren gedanklichen Schwerpunkt. Wer eine gefühlsbetonte Geschichte über Nähe, Verletzlichkeit und Zukunftsentscheidungen sucht, bekommt hier mehr als eine reine Annäherungsromanze. Die Ausführung schwankt jedoch: Die emotionale Grundidee trägt, während Figurenentwicklung und Auflösung nicht immer dieselbe Sorgfalt erkennen lassen.
Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun
Für den Roman spricht zunächst, dass Isadora und Gabriels Beziehung nicht allein von Anziehung lebt: Der Vertrauensbruch zwingt beide, sich mit den Bedingungen eines möglichen Neubeginns auseinanderzusetzen. Außerdem erweitert Gabriels Konflikt mit seinem Vater die Handlung um die Frage, wie viel Einfluss andere auf die eigene Zukunft haben dürfen. Die direkte, gefühlsnahe Erzählweise macht diese persönlichen Spannungen zugänglich. Weniger überzeugend sind die nicht immer klar verbundenen Seiten von Gabriels Charakter und einzelne Konfliktlösungen, die zu leicht ausfallen. Leser, die bei Beziehungsromanen eine konsequente psychologische Entwicklung erwarten, könnten sich deshalb an manchen Stellen distanzieren.
Buchdaten
- Autor: Ava Avery
- Verlag: Autaria
- Preis: 17,90 €
- ISBN: 9783823400479
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Rezension von Sophia

