Annemarie Regez – Autorenporträt
(c) Samuel Erni

Ich heisse Annemarie Regez, bin in Diemtigen im Berner Oberland aufgewachsen, das heisst, ich hatte eine Kindheit, wie man sie aus den Heidi-Filmen kennt, nur mit ganz viel Skifahren. Von der italienischen Mutter habe ich die Liebe zur italienischen Sprache und Küche und vom Vater das Interesse an Kunst und Geschichte mitgenommen, um in Bern Philosophie und Germanistik zu studieren. Einem Innerschweizer gelang es, mich aus der Hauptstadt in den Kanton Schwyz zu locken.

Welche literarische Figur wärst du selbst gerne für einen Tag?

Keine! Die interessanten Figuren sind problembeladen und durchleben Krisen, an denen sie oft scheitern.

Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?

Dass man vom Schreiben reich wird.

Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet dich beim Schreiben?

Ich trinke sehr viel Wasser. Ich hatte die Angewohnheit Pfefferminztee zu trinken, bis ich einmal so viel davon getrunken habe, dass mein Puls anfing zu rasen. Seither bin ich auf Wasser umgestiegen.

Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würdest du gerne einen Abend verbringen?

SchriftstellerInnen sind komplizierte Wesen. Die Untergruppe der KrimiautorInnen machen da eine Ausnahme. Ich habe an einer Lesung die englische Krimiautorin Elly Griffiths kennengelernt. Mit ihr würde ich gerne einen Abend verbringen.

Was kannst du uns schon über dein nächstes Projekt verraten?

Mein nächstes Projekt ist der 5. Band aus der Reihe der Lago Maggiore-Morde. Diesmal führt die Geschichte in die Welt der Kunst. Ascona, der bekannte Ferienort am Lago Maggiore, übte im 20. Jh. grosse Anziehungskraft auf Kunstschaffende aller Richtungen aus. Zentrum war der berühmte Monte Verità, ein Hügel über dem Dorf. Der Kriminalroman spielt zwar in der Gegenwart, die Morde, die Commissaria Casanova aufklären muss, gehen jedoch auf Ereignisse zurück, die sich vor hundert Jahren zugetragen haben.

Du bist im Weltall: Elon hat dich auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, du durftest aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?

Das goldene Notizbuch von Doris Lessing, Jahrestage von Uwe Johnson und halt ein sehr dickes Buch, das noch nicht geschrieben wurde. Zum Beispiel von Kazuo Ishiguro oder Siri Hustvedt

Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert dich mehr und warum?

Gegenwartsliteratur interessiert mich mehr. Auch wenn immer behauptet wird, die Klassiker behandeln die ewigen Themen, sind diese in der Mehrheit aus männlicher Sicht geschrieben. Die weibliche Perspektive, die mich als Frau beschäftigt, kommt oft gar nicht vor.

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