
Welche literarische Figur wärst du selbst gerne für einen Tag?
Auch wenn das technisch gesehen, nicht ganz literarisch ist, fällt mir vor allem Jean-Luc Picard ein, spätestens nach dem Patrik Stewart in der letzten Woche gestorben ist. Sein Beispiel und die Vorstellung von Gesellschaft haben mich zutiefst geprägt.
Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet dich beim Schreiben?
Lange Zeit der Prokrastination und im gleichzeitigen Anspruch, so viel wie möglich an Perspektiven einzubringen, was mich dann schnell in die Überforderung bringt
Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würdest du gerne einen Abend verbringen?
Sophia Fritz nach ihren Büchern toxische Weiblichkeit und Der Mann, das Opfer.
Wie autobiografisch sind deine Bücher? Wie viel von dir selbst fließt dort ein?
Sehr viel. Ich glaube, ich kann über Väter gar nicht schreiben, ohne über mich zu schreiben. Schon in „Up to Dad“ habe ich gesagt, dass ich in vielen Bereichen unzulänglich und begrenzt bin, und daran hat sich nicht so viel geändert, wie ich mir das manchmal wünschen würde. Und ich weiß, dass das unbequem klingen kann. In „Radikal Vater sein“ steckt meine eigene Geschichte genauso wie das, was mir Väter in all den Jahren erzählt haben.
Welche Frage wird dir in Interviews nie gestellt, obwohl du sie gerne beantworten würdest – und wie lautet deine Antwort?
Was eigentlich Mütter davon haben, wenn Väter sich verändern. Meistens geht es um die Väter selbst, und das ist auch richtig so. Aber wenn wir wollen, dass Mütter beruflich dranbleiben können und ihre Nachteile kleiner werden, dann braucht es die andere Seite von Vereinbarkeit. Viele Frauen wählen da längst mutiger und handeln progressiver. Und ich glaube, dass viele Männer Vorstellungen hinterherhängen, die sie selbst mehr verletzt haben, als sie wahrhaben wollen. Echte Vereinbarkeit gibt es erst, wenn wir die Väter als die anderen 50 Prozent ernst nehmen und sie bei den Schritten unterstützen, die so einfach aussehen und es nicht sind.
Was kannst du uns schon über dein nächstes Projekt verraten?
Mich beschäftigen gerade zwei Themen. Das eine sind Väter nach einer Trennung und die Frage, wie sie mit ihren Kindern verbunden bleiben, auch wenn die Familie anders aussieht als geplant. Das andere sind Jungen, die einen großen Teil ihrer Vorstellung davon, wie ein Mann zu sein hat, aus dem Netz beziehen. Welches davon zuerst ein Buch wird, ist noch offen.
Du bist im Weltall: Elon hat dich auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, du durftest aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?
Um Gottes willen, ich will von Elon nirgendwo hingeschickt werden.
Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert dich mehr und warum?
Eine Debatte, die ich häufig mit einem meiner besten Freunde habe, der nur Klassiker liest. Ich erlebe ihn dadurch seltsam entrückt von Themen, die wesentlich dringlicher sind und wo Potenzial für die Gestaltung unserer Zukunft liegt. Ich sehe den Wert der Klassiker und die womöglich zeitlosen Aspekte darin, lese aber seit Jahren vor allem Gegenwartsliteratur.

