Christian Linker – Autorenporträt
(c) Gabriele Wroblowski

Christian Linker, geboren 1975 in Leverkusen, schreibt Romane für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Sein Debüt RAUMZEIT war 2003 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert, DER SCHUSS erhielt 2018 den Buchpreis „Goldene Leslie“ und WENN DIE WELT UNSERE WÄRE bekam den Friedrich-Gerstäcker-Preis der Stadt Braunschweig 2026. Die jungen (Anti-)Held*innen seiner Bücher suchen ihren eigenen Weg im Leben zwischen Rebellion & Anpassung, Vernunft & Leidenschaft, Fantasie & harter Realität.

Welche literarische Figur wärst du selbst gerne für einen Tag?

Huckleberry Finn. Einfach mal einen Tag lang barfuß laufen. Klar, könnte ich auch so jederzeit, aber nur als Huck würde es sich cool anfühlen.

Was ist die ungewöhnlichste Situation, in der du jemals geschrieben hast?

Bei der Zahnärztin im Wartezimmer. Nee, so ungewöhnlich ist das gar nicht, merke ich gerade. Aber schmerzhaft. Und manchmal muss Schreiben einfach wehtun.

Welches Buch hättest du gerne selbst geschrieben?

Crossroads von Jonathan Franzen. Beim Lesen kam es mir so vor, als hätte er es nur für mich geschrieben. Ich liebe alles daran.

Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?

Dass wir ausschlafen können. Zumindest, sofern wir schulpflichtige Kinder haben, bleibt das ein Mythos.

Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet dich beim Schreiben?

Die Apps in der Taskleiste am unteren Bildschirmrand müssen in einer bestimmten Reihenfolge geöffnet sein. Ansonsten bin ich komplett blockiert. Und nein, ich bin ein ganz normal verschrobener Schriftsteller.

Welche Kritik an deinen Büchern hat dich besonders getroffen oder überrascht?

Wenn sich Menschen durch Formulierungen verletzt fühlen, trifft mich das. Zum Beispiel wenn ich rassistische Stereotype reproduziere, ohne es zu merken. Gut gemeint ist eben manchmal das Gegenteil von gut gemacht. Ich habe sogar schon mal ein Buch bei einer Neuauflage verändert, um einen dramaturgisch völlig unnötigen Trigger zu entfernen.

Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würdest du gerne einen Abend verbringen?

Mit Juli Zeh. Ich kann damit aber warten, bis sie Bundespräsidentin ist.

Wie autobiografisch sind deine Bücher? Wie viel von dir selbst fließt dort ein?

Alles an meinen Romanen ist völlig frei erfunden. Und jede einzelne Figur bin ich. Auch die Bösewichte und sämtliche NPCs.

Welche Frage wird dir in Interviews nie gestellt, obwohl du sie gerne beantworten würdest – und wie lautet deine Antwort?

Diese. Und das war schon die Antwort.

Was kannst du uns schon über dein nächstes Projekt verraten?

Es geht um toxische Männlichkeit und tut weh. Vor allem mir selbst, weil ich sehr tief in den Spiegel geschaut habe. Männer sind echt manchmal echt richtig **piep**

Du bist im Weltall: Elon hat dich auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, du durftest aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?

Mir reicht eigentlich eines: DIE GEHEIMSTE ERINNERUNG DER MENSCHEN von Mohamed Mbougar Sarr. Da steht alles drin. Und noch viel mehr als das.

Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert dich mehr und warum?

Ich glaube, dass wir ohne die Klassiker gar nicht wüssten, was wir schreiben. Oder vielmehr: WIE wir schreiben. Und vor allem: WARUM. Und sei es nur aus Abgrenzung.

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