Claudia Böschel – Autorenporträt
(c) Tanja Elm

Claudia Böschel beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit dem, was in Köpfen passiert. Und manchmal auch mit dem, was dort besser nicht passiert wäre. Als Trainerin, Autorin, Methodenentwicklerin hat sie immer wieder festgestellt, dass Menschen erstaunlich viel lernen können, wenn sie zwischendurch auch mal lachen dürfen.

Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?

Dass man mit Weinglas am Kamin sitzt und auf die Muse wartet. Fachbuchautorinnen warten nicht auf die Muse. Sie warten auf die Rückmeldung vom Verlag, ob das Arbeitsblatt noch auf eine Kopierseite passt.

Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet dich beim Schreiben?

Ich liebe Reinschreibbücher. Mein Schrank ist voll davon. Die meisten sind bis heute leer. Viel zu schade zum Reinschreiben.

Welche Kritik an deinen Büchern hat dich besonders getroffen oder überrascht?

Die härteste Kritik kommt bei mir nicht aus Rezensionen. Sie kommt aus dem Seminarraum. Eine Übung, die auf dem Papier perfekt war, und zwanzig Menschen, die sie zwanzigmal anders verstanden haben. Da lernt man schnell Demut. Und schreibt die zweite Auflage.

Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würdest du gerne einen Abend verbringen?

Erich Maria Remarque. Er war ausgebildeter Lehrer. Nach kurzer Zeit hat er hingeschmissen und Weltliteratur geschrieben. Ich würde ihn fragen, was ihn aus dem Unterricht getrieben hat. Ich tippe auf die Gruppendynamik.

Wie autobiografisch sind deine Bücher? Wie viel von dir selbst fließt dort ein?

Mehr, als man bei Fachbüchern denkt. Hinter jeder Übung steckt eine echte Gruppe, an der ich sie ausprobiert habe. Die Übungen, die dabei grandios gescheitert sind, stehen nicht drin. Das wäre dann der autobiografische Teil.

Was kannst du uns schon über dein nächstes Projekt verraten?

Es geht um die Frage, was unser Gehirn kann, was KI nicht kann. Die gute Nachricht: Die Liste ist länger als gedacht. Die schlechte: Vergessen steht auch drauf.

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