Henrick Clausing – Autorenporträt
(c) Sven Moschitz

Henrick Clausing, der gebürtige Osnabrücker lebt seit mit seinem Therapiehund für Trauerbegleitung Filou (gebürtiger Italiener) in einem Campingbus. Es gilt also: „Home is where you park it!“ Beruflich schreibt Henrick nicht nur, er ist auch Redner, Moderator, Sprecher und Sänger.

Welche literarische Figur wärst du selbst gerne für einen Tag?

Frederick (Der mit den Sonnenstrahlen und den Wörtern)

Aber eigentlich fühle ich mich ja auch so… Trotzdem! Dann wäre es wenigstens auch klar, wie die Geschichte hier ausgeht.

Was ist die ungewöhnlichste Situation, in der du jemals geschrieben hast?

Trauerrede im Tropical Island (bei Berlin). Die Kinder haben gebadet und ich schwitzte im Winter im größten Indoor-Regenwald der Welt und tauchte in das Leben eines Menschen ein. Es war schön! (Die Rede war am Ende auch super. Zumindest habe das die Zugehörigen so behauptet.)

Welches Buch hättest du gerne selbst geschrieben?

Das Telefonbuch.

Ich würde einfach den Leuten irgendwelche Nummern geben. Die rufen sich dann an kommen ins Gespräch. Sie wundern sich, warum sie plötzlich angerufen werden. Daraus entstehen sicher ganz neue Verbindungen. Ist doch krass, oder?

Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?

Das die wissen, was sie tun.

Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet dich beim Schreiben?

Ich mache oft Grimassen beim Schreiben und „erlebe“ das, was die Figuren sagen oder tun. Das ist mir irgendwann mal aufgefallen und hoffe, dass das noch niemand gesehen hat. Das muss voll dämlich aussehen.

Welche Kritik an deinen Büchern hat dich besonders getroffen oder überrascht?

Das Menschen behauptet haben, ich dürfte nicht so, wie ich es gerne tue, über Menschen mit Behinderung oder den Tod schreiben. Dabei haben mir doch die Familien, die betroffen sind, es selbst so gesagt.

Ich war wirklich überrascht.

Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würdest du gerne einen Abend verbringen?

Marshall B. Rosenberg

Wie autobiografisch sind deine Bücher? Wie viel von dir selbst fließt dort ein?

Die Sichtweise und der Sound sind immer biografisch geprägt. Die Worte und Geschichten fließen durch mir, wie der das heiße Wasser in einer Filter-Kaffeemaschine.

Ich glaube, dass das Bild ganz gut passt. Denn ich weiß ja nie, ob jemand überhaupt Kaffee mag? Bin ich dann eher der Prütt, der Filter, der schwarze Kaffee oder vielleicht sogar der Duft? Ich wäre gerne der Duft, glaube ich.

Welche Frage wird dir in Interviews nie gestellt, obwohl du sie gerne beantworten würdest – und wie lautet deine Antwort?

Ist es nicht doof, dass alle immer nur den Hund streicheln wollen?

Ja! ist es! Total sogar. Alle wollen immer Filou kennenlernen und sind so begeistert. Natürlich wäre es schon echt strange, wenn plötzlich fremde Menschen mich in den Arm nehme würden und über den Kopf streicheln. Das gebe ich ja zu. Dabei freue ich mich jeden Tag, dass ich noch recht viel Haare habe. Das könnte man doch auch mal lobend erwähnen.

Aber nein! Alles wollen nur den Hund streicheln. Ich versteh es aber auch. Filou ist einfach so mega süß und kuschelig. Ich liebe ihn!

Was kannst du uns schon über dein nächstes Projekt verraten?

Es wird wieder Kindersachbuch über ein Thema, an das sich nicht viele trauen.

Ich liebe Themen, die für unsere Gesellschaft offenbar schwierig sind. Eine kindgerechte Sprache zu finden – das liebe ich. Die kindliche Klarheit den Erwachsenen näher zu bringen, ist das Schönste. Keine Ahnung ob ich das hin bekomme. Aber ist auch egal. Ich mach es einfach.

Du bist im Weltall: Elon hat dich auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, du durftest aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?

Ich würde keine Bücher mitnehmen. Wie blöd wäre das denn? Ich nehme dann lieber einen Stift mit und schreibe selbst welche.

Zum Glück wurde ich hier nicht gefragt, welche drei Bücher ich gerne zum Marsch schießen würde? Aber wenn Elon jetzt sogar dahin fliegt, dann muss ich mir wohl sogar einen Planeten aussuchen, der noch weiter weg ist.

Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert dich mehr und warum?

Klassiker inspirieren mich oft mehr. Sie haben (wenn es wirklich Klassiker sind) oft tiefere Ebenen. Man kann sie immer wieder neu entdecken. Das liegt sicher auch daran, das man (hoffentlich) im Laufe des Lebens immer wieder neue Perspektiven findet, aus der man das Werk betrachten kann.

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