Matthias Clostermann – Autorenporträt
© Copright Matthias Clostermann 2022

Hinter jedem Kunstwerk steht ein Künstler und seine persönliche Geschichte. Meine eigene ist tatsächlich auch recht vielseitig. Bereits im Alter von 14 Jahren (was heute, 2026, bereits 39 Jahre her ist) arbeitete ich als sogenanntes "Wunderkind" für Film und Fernsehen.

Welche literarische Figur wären Sie selbst gerne für einen Tag?

Keine. So reizvoll alle möglichen Charaktere sind, und so schwierig mein eigenes Leben manchmal war und sicher noch sein wird - ich bin glücklich ich selbst zu sein, und nichts und niemand anderes. Nicht einmal für einen Tag.

Was ist die ungewöhnlichste Situation, in der Sie jemals geschrieben haben?

Sehr unspektakulär. Ich habe Simulation am Hafen von Limassol (Zypern) fertig geschrieben- um dann im Steakhaus an der Limassol Marina mit Blick über das Meer diesen Abschluss mit einem großen Ribeye zu feiern.

Welches Buch hätten Sie gerne selbst geschrieben?

Oh je, das wären so viele... Shining wäre eines davon, da es einer der größten Einflüsse meiner Kindheit war ( ja, ich habe es mit 11 Jahren gelesen...).

Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?

Ich weiß nicht, was andere Menschen so alles glauben. Vielleicht dass es schwer ist ein Buch zu schreiben, und einfach, es zu vermarkten. Doch wie bei jedem Produkt in der Wirtschaft, speziell in einer sehr überlaufenen, ist die eigentliche Kunst und 80% der Arbeit der Verkauf und nicht das romantische Schreiben bei Mondlicht.

Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet Sie beim Schreiben?

Zu viel Kaffee.

Welche Kritik an Ihren Büchern hat Sie besonders getroffen oder überrascht?

Keine. Ich kann nur schreiben, was mich selbst beschäftigt und bewegt, und ich habe keinen Anspruch darauf, dass es irgendjemandem gefällt. Ich freue mich sehr, wenn es gut ankommt, aber ich weiß von mir selber, dass ich viele Bücher, die sehr erfolgreich sind absolut nicht mag- das sagt aber absolut nichts über die Qualität des Buches aus, sondern nur über meinen Geschmack.

Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würden Sie gerne einen Abend verbringen?

Stephen King - nicht weil er für mich unbedingt der beste Schriftsteller ist, sondern weil er meine Kindheit und Jugend mit seinen Romanen sehr beeinflusst hat. Ich würde ihm gerne dafür persönlich danken. Für ein längeres Gespräch wären es eher non-fiction Autoren wie Carl Sagan oder Dr. Jordan Peterson, da ist die Diskussion viel spannender.

Wie autobiografisch sind Ihre Bücher? Wie viel von Ihnen selbst fließt dort ein?

Siehe Fun Facts- alle meine Romane sind sehr autobiografisch. Nicht was die Geschichten selbst angeht, aber was Charaktere, Gefühle und Situationen angeht, sowie was meine Wahrnehmung von unsere Welt und dem Zeitgeschehen betrifft. Einige Charaktere, sowie deren Handlungen in gewissen Situationen sind sehr nahe an meiner eigenen Geschichte, jedoch hatten diese Charaktere in meinem Leben andere "Rollen". Ich verarbeite in meinen Geschichten Fragen oder Erlebnisse in meinem Leben, die Fragen für mich aufwerfen. In Simulation & Chester ist dies auch im Nachwort erklärt, bei "Prototyp" wollte der Verlag das nicht haben.

Welche Frage wird Ihnen in Interviews nie gestellt, obwohl Sie sie gerne beantworten würden – und wie lautet Ihre Antwort?

Tatsächlich gibt es nichts, was ich immer gefragt werden wollte - oder unbedingt erzählen wollte. Wenn ich etwas zu sagen habe, dann kann ich es ja in eine Geschichte verpacken - und dann geht es nicht mehr um mich, sondern um die Sache, um die Geschichte und eben die Fragen, die ich darin mir selbst stelle. Die Antwort, bzw. die Interpretation kann dann der Leser für sich selbst finden - das finde ich viel interessanter, als von mir oder über mich zu reden.

Was können Sie uns schon über Ihr nächstes Projekt verraten?

Nichts. Ich habe bewusst eine Schreib- und vor allem eine Veröffentlichungs-Pause eingelegt. Nicht weil mir nichts mehr einfallen würde, sondern weil ich nur noch etwas veröffentlichen möchte, von dem ich überzeugt bin, das es wichtig ist, gelesen zu werden. Durch diesen Filter fallen aber 99,9 % aller Ideen durch... es kann also noch etwas dauern, bis ich wieder ein Buch öffentlich mache.

Sie sind im Weltall: Elon hat Sie auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, Sie durften aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?

Keine Ahnung, ich lese so gut wie nie Bücher zweimal. Daher wären alle Bücher, die ich schon kenne damit obsolet. Am liebsten wären mir 3 leere Bücher und einen Stift, dann kann ich meine Geschichten selbst schreiben. Oder noch besser, einen kleinen, leichten Laptop, denn meine Handschrift kann nicht einmal ich selbst lesen.

Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert Sie mehr und warum?

Definitiv Gegenwart. Ich lebe jetzt, und (hoffentlich) noch morgen, und was einmal war ist zwar sehr interessant, und sicherlich als Bildung hoch relevant. Aber als Inspiration funktioniert für mich eher eine Geschichte und Charaktere, mit denen ich mich im hier und jetzt identifizieren kann, oder eine Vision, die meine Hoffnung auf das Morgen mit prägt.

Zum Autorenprofil