
Welche literarische Figur wärst du selbst gerne für einen Tag?
Jakob Fabian aus Erich Kästners Roman „Der Gang vor die Hunde“ (ursprünglicher Titel, bekannt geworden als „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“), weil der Roman einfach großartig und widerständig ist
Was ist die ungewöhnlichste Situation, in der du jemals geschrieben hast?
Die gibt es gar nicht. Es läuft immer alles diszipliniert am Schreibtisch ab. Oder am Laptop auf einem Balkon in Kärnten mit dem Blick in die Berge … (also doch ungewöhnlich)
Welches Buch hättest du gerne selbst geschrieben?
Einige von Robert Harris wie die Seneca-Trilogie oder „Vaterland“
Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?
Dass einen die Muse küssen muss. Es ist vielmehr eine Knochenarbeit, die man sich jeden Tag aufs Neue abringen muss. Aber Freude bereitet sie einem eben doch …
Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet dich beim Schreiben?
Pendeln zwischen konzentrierten Phasen des Schreibens und Unterbrechungen mit Selbstablenkung
Welche Kritik an deinen Büchern hat dich besonders getroffen oder überrascht?
Das nehme ich recht nüchtern. Ich freue mich über jede Kritik, aus der heraus ich merke, dass jemand meine Absichten und Tendenzen erkannt hat und gut heißt – unabhängig davon, wie gut er oder sie das ganze Buch beurteilt. Überrascht? Als jemand entdeckt hat, aus welcher historischen Zeitung ich die Figur des Kriminaloberinspektors Dr. Otto W. Fried „geklaut“ habe.
Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würdest du gerne einen Abend verbringen?
Robert Harris, wenn es ein lebender sein soll. Milan Kundera als einer derjenigen, die nicht mehr unter uns weilen.
Wie autobiografisch sind deine Bücher? Wie viel von dir selbst fließt dort ein?
Autobiografisch sind sie gar nicht. Natürlich fließen Haltungen, Denkweisen, Positionen, Kommentare zum Zeitgeschehen von mir in die Figuren bzw. die Figurenrede ein – da lässt sich schön mit dem Vergleich historische Vergangenheit und heutiges Zeitgeschehen spielen.
Welche Frage wird dir in Interviews nie gestellt, obwohl du sie gerne beantworten würdest – und wie lautet deine Antwort?
Könntest du dir vorstellen, das mit dem Schreiben endgültig und für immer bleiben zu lassen? Meine Antwort: Ja. Aber vielleicht irre ich mich auch.
Was kannst du uns schon über dein nächstes Projekt verraten?
Nach dem Krimi „Beethoven und die gestohlene Sonate“, der für das Jubiläumsjahr 2027 gedacht ist (Beethovens 200. Todestag) schreibe ich gerade an einem ähnlichen Buch für das Jahr 2028 – ebenfalls anlässlich eines Jubiläums. Um welche Person/Figur es sich handeln können, kann jeder gerne versuchen herauszufinden! (Es dürfte nicht allzu schwer sein.)
Du bist im Weltall: Elon hat dich auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, du durftest aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?
Normalerweise Bücher, die ich NOCH NICHT gelesen habe, weil ich ungerne ein Buch zweimal lese. Aber es wären gewiss dabei: Milan Kundera: Der Scherz. Gabriel Garcia-Marquez: Die Liebe in der Zeiten der Cholera. Rohinton Mistry: Das Gleichgewicht der Welt.
Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert dich mehr und warum?
Oh nein! Da will ich keine Entscheidung treffen. Ich habe durch mein Studium, aber schon auch als Schüler, alles Mögliche gelesen, an allem Gefallen gefunden, Neues entdeckt, Altes verworfen, manches wiederentdeckt … Kunst lebt immer aus der Tradition heraus. Hoch leben die Vorfahren!

