
Einem Millionenpublikum wurde er als Werbefigur „Herr Kaiser“ und als Schiffsarzt Dr. Sander auf dem ZDF-Traumschiff bekannt. Nach seiner Autobiografie „Das Leben ist wilder, als man denkt“ veröffentlichte er im Januar 2026 seinen ersten Roman „VATERLIEBE“, den er gemeinsam mit dem amerikanischen Autor Richard Opper über einen Zeitraum von zehn Jahren entwickelte.
Der weltumspannende Agententhriller erzählt die Geschichte eines jungen Undercover-Agenten, der nach dem Olympia-Attentat von München 1972 in die westdeutsche Neonazi-Szene eingeschleust wird.
Welche literarische Figur wärst du selbst gerne für einen Tag?
Odysseus! Ein Abenteurer, der die Welt bereist, unglaubliche Herausforderungen meistert und trotz aller Versuchungen und Umwege nie sein eigentliches Ziel aus den Augen verliert: nach Hause zu kommen, zu sich selbst zu finden. Irgendwie kommt mir das bekannt vor.
Was ist die ungewöhnlichste Situation, in der du jemals geschrieben hast?
Ausgerechnet während der Corona-Pandemie! Plötzlich stand die Welt still. Jeder hatte auf einmal Zeit. Auch ich, der sonst immer wie ein Derwisch durchs Leben raste, von einem Drehort zum nächsten, von einem Land ins andere.
Und plötzlich war da diese ungewohnte Ruhe. Keine Dreharbeiten, keine Reisen, keine Termine. Dafür etwas, das ich vorher kaum kannte: Zeit zum Nachdenken, zum Erinnern und zum Schreiben.
Was für die Welt eine furchtbare Zeit war, wurde für mich auch zu einer Phase intensiver Kreativität. Ich konnte mich endlich mit voller Konzentration meiner eigenen Geschichte und meinem Roman VATERLIEBE widmen. Manchmal muss die Welt stillstehen, damit man die eigene Geschichte hören kann.
Welches Buch hättest du gerne selbst geschrieben?
„The Secret“ von Rhonda Byrne. Nicht unbedingt wegen des literarischen Stils, sondern wegen der zentralen Idee, dass unsere Gedanken, Überzeugungen und unsere innere Haltung einen großen Einfluss darauf haben können, wie wir unser Leben gestalten. Ein Gedanke, der mich schon lange fasziniert.
Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?
Dass man sich morgens mit einer Tasse Kaffee an den Schreibtisch setzt, auf die Muse wartet und die Worte wie von selbst aufs Papier fließen.
Die Wirklichkeit? Schreiben ist ein faszinierender kreativer Prozess. Was man heute schreibt, kann morgen die sensationellsten neuen Gedanken auslösen. Figuren entwickeln plötzlich ein Eigenleben, unerwartete Zusammenhänge entstehen, und die Geschichte nimmt Wendungen, an die man ursprünglich überhaupt nicht gedacht hat.
Aber eine große Geschichte setzt sich nicht von alleine zusammen. Sie wächst, verändert sich und verlangt Geduld, Ausdauer und manchmal auch den Mut, alles noch einmal völlig neu zu denken. Zehn Jahre Arbeit an VATERLIEBE haben mir genau das gezeigt. Für mich ist Schreiben vor allem „Emotional Storytelling“. Ich möchte nicht einfach nur eine spannende Geschichte erzählen. Ich möchte, dass der Leser mit meinen Figuren lebt, liebt, leidet, vielleicht auch einmal wütend wird. Dass ihn die Geschichte nicht mehr loslässt, selbst wenn er das Buch längst zugeschlagen hat.
Denn eine gute Geschichte erreicht den Kopf. Eine wirklich große Geschichte geht ins Herz.
Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet dich beim Schreiben?
Das Verrückte ist, dass ich oft gar nicht am Schreibtisch sitze, wenn mir die besten Ideen kommen. Manchmal mitten in der Nacht, manchmal beim Autofahren. Deshalb habe ich immer mein iPhone dabei, um meine Gedanken sofort einzusprechen. Die lasse ich mir später ausdrucken.
Denn meistens denke ich schneller, als ich tippen kann. Und ehe ich den Gedanken zu Ende geschrieben habe, ist die vermeintlich genialste Idee aller Zeiten schon wieder weg!
Was mich außerdem immer wieder verblüfft: Man schreibt heute eine Szene, und am nächsten Morgen fällt einem etwas ein, das die ganze Geschichte auf den Kopf stellt. Das kann einen wahnsinnig machen. Aber genau das liebe ich am Schreiben.
Welche Kritik an deinen Büchern hat dich besonders getroffen oder überrascht?
Überrascht hat mich vor allem, dass viele Leser von VATERLIEBE überzeugt sind, die Geschichte müsse genau so passiert sein. Einige fragen mich sogar, ob ich selbst dieser Undercover-Agent gewesen sei. Nein, bin ich nicht! In unserem Protagonisten Alex von Stein steckt zwar viel von mir, aber er ist nicht ich. Und sein Vater Leopold ist auch nicht mein Vater.
Gerade das führt immer wieder zu Kritik. Viele Menschen auf meiner Heimatinsel Fehmarn haben meinen Vater noch persönlich gekannt und sagen: „So war der doch gar nicht!“
Aber wie gut kannten sie ihn wirklich? Und wie gut kannte ich ihn? Über seine Jugend und seine Vergangenheit während des Nationalsozialismus wusste ich lange erschreckend wenig. Er sprach nie über den Krieg und verschwieg oder verdrehte vieles von dem, was er tatsächlich getan hatte. Erst Jahre später stieß ich durch intensive Recherchen und historische Dokumente auf Dinge, die mir bis dahin völlig unbekannt gewesen waren.
Auf meiner Heimatinsel herrscht bis heute in Teilen ein kollektives Schweigen über die NS-Zeit, über Schuld und persönliche Verantwortung. Und wer dieses Schweigen bricht, macht sich nicht unbedingt Freunde. Heute gelte ich für manche auf Fehmarn sogar als Verräter, der seine eigene Heimatinsel schlechtmacht.
Dabei liebe ich diese Insel. Sie ist meine Heimat. Aber muss man deshalb auch über ihre dunklen Kapitel schweigen? Für mich bedeutet Heimatliebe nicht, die Vergangenheit zu beschönigen, sondern den Mut zu haben, sich ihr zu stellen.
Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würdest du gerne einen Abend verbringen?
Mit Ernest Hemingway! Der Mann ist um die halbe Welt gereist, hat Abenteuer erlebt, sich unters Volk gemischt, Geschichten geschrieben und dabei sicherlich das eine oder andere Glas Wein zu viel getrunken. Das kommt mir irgendwie bekannt vor.
Außerdem hat er lange auf Kuba gelebt, einer meiner absoluten Lieblingsinseln. Ich würde mich zu ihm auf die Terrasse setzen, mit Blick aufs Meer, eine gute Flasche Wein aufmachen und ihn fragen, wie viel von seinen Geschichten eigentlich wahr ist und wie viel er dazugedichtet hat.
Ich glaube, wir hätten uns eine Menge zu erzählen. Und bei einer Flasche Wein wäre es vermutlich nicht geblieben.
Wie autobiografisch sind deine Bücher? Wie viel von dir selbst fließt dort ein?
Bei meiner Autobiografie „Das Leben ist wilder, als du denkst“ ist die Sache klar: Das bin ich. Mit all meinen Abenteuern, Erfolgen, Irrwegen und auch den Dingen, über die man vielleicht lieber schweigen würde.
Bei VATERLIEBE ist es komplizierter. Es ist ein Roman, keine verkappte Autobiografie. Aber seine Wurzeln liegen tief in meiner Familiengeschichte, auf Fehmarn, in meiner Kindheit und besonders im Verhältnis zu meinem Vater.
Leopold von Stein trägt einige seiner Züge, ist aber nicht mein Vater. Und in Alex steckt durchaus etwas von mir. Vielleicht brauchte ich gerade die Freiheit der Fiktion, um Dinge erzählen zu können, die ich in einer Autobiografie so niemals hätte erzählen können.
Ich habe nicht geschrieben, um anzuklagen. Ich habe geschrieben, um zu verstehen. Denn ich glaube, dass Verstehen die höchste Form der Liebe ist. Auch wenn die Wahrheit manchmal wehtut. Vielleicht sogar gerade dann.
Welche Frage wird dir in Interviews nie gestellt, obwohl du sie gerne beantworten würdest – und wie lautet deine Antwort?
„Nick, hat sich Dein Verhältnis zu Deinem Vater verändert, nachdem Du VATERLIEBE geschrieben hast?“
Ja, und zwar gewaltig. Obwohl mein Vater längst nicht mehr lebt. Zehn Jahre habe ich an diesem Roman gearbeitet und dabei Dinge über meinen Vater und seine Vergangenheit herausgefunden, von denen ich vorher keine Ahnung hatte. Vieles hat mich erschüttert. Aber irgendwann habe ich angefangen, ihn nicht mehr nur mit den Augen des Kindes zu sehen, sondern auch als einen Menschen, der selbst durch seine Zeit geprägt wurde.
Das bedeutet nicht, dass ich alles entschuldigen kann, was er getan hat. Aber ich glaube, ich habe ihn besser verstanden. Und vielleicht konnte ich gerade deshalb endlich meinen Frieden mit ihm machen.
Was kannst du uns schon über dein nächstes Projekt verraten?
Eigentlich möchte ich VATERLIEBE dorthin zurückbringen, wo alles angefangen hat: auf den Bildschirm! Gemeinsam mit meinem amerikanischen Koautor Richard Opper hatte ich die Geschichte ursprünglich als zehnteilige internationale Fernsehserie entwickelt. Erst später wurde daraus ein Roman mit über 600 Seiten.
Das Serienkonzept liegt also bereits vor. Jetzt suchen wir nach den richtigen Partnern für eine deutsch-amerikanische Koproduktion. Und wer weiß, vielleicht stehe ich eines Tages selbst wieder vor der Kamera. Alex würde ich allerdings nicht spielen. Aber es gibt da eine ganz bestimmte Figur in meinem Roman, die mich als Schauspieler besonders reizen würde. Mehr verrate ich noch nicht!
Gleichzeitig arbeite ich an Übersetzungen in verschiedene Sprachen. Denn ich bin überzeugt, dass VATERLIEBE nicht nur in Deutschland seine Leser finden wird. Eine Vater-Sohn-Beziehung, die Suche nach Liebe und Anerkennung, familiäre Geheimnisse und das Schweigen über Schuld – das sind Themen, die Menschen überall auf der Welt beschäftigen.
Und dann ist da natürlich die historische Dimension: der Holocaust, die deutsche Vergangenheit und die Frage, warum menschenverachtende Ideologien immer wieder Anhänger finden. Der Glaube an die Überlegenheit der eigenen Herkunft, an eine angebliche Herrenrasse, ist viel älter als der Nationalsozialismus oder der Ku-Klux-Klan. Und leider ist dieses Denken mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht verschwunden.
Gerade deshalb glaube ich, dass VATERLIEBE noch lange nachhallen wird, auch in anderen Ländern und Sprachen. Denn im Grunde erzählt der Roman von etwas, das keine Landesgrenzen kennt: von Vätern und Söhnen, von Liebe und Enttäuschung, von Schuld, Schweigen und der Frage, wie viel Vergangenheit wir unbewusst in unsere eigene Zukunft mitnehmen.
Du bist im Weltall: Elon hat dich auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, du durftest aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?
Kein einziges! Ich würde Elon sagen: „Vergiss die Bücher! Gib mir meinen Laptop, meine Kopfhörer und mein iPhone. Ich schreibe mir meine drei Bücher da oben selbst!“ Und ich garantiere Dir, dass jedes davon wieder über 600 Seiten hätte. Schließlich hätte ich auf dem Weg zum Mars endlich mal genügend Zeit.
Übrigens: VATERLIEBE endet auf Seite 602. Aber eigentlich endet die Geschichte überhaupt nicht. Mein Protagonist Alex von Stein hat alle seine lebensgefährlichen Abenteuer überlebt. Doch am Ende steht er vor dem Scherbenhaufen seiner Familie. Was ihm bleibt, ist die Wahrheit. Eine Wahrheit, nach der er sein Leben lang gesucht hat und mit der er nun irgendwie umgehen muss.
Aber genau diese Wahrheit wird ihn weiter antreiben. Als Undercover-Agent hat er gelernt, hinter die Fassaden zu schauen, Lügen zu entlarven und sich dem Bösen entgegenzustellen. Und damit ist er noch lange nicht fertig. Der zweite Teil existiert bereits in meinem Kopf. Er beginnt im Jahr 2001, dort, wo VATERLIEBE aufhört, und führt uns bis in die Gegenwart. In unsere Gegenwart, von der wir selbst noch nicht wissen, wie sie ausgehen wird.
Diesmal werde ich allerdings keine zehn Jahre zum Schreiben brauchen! Vielleicht entsteht die Fortsetzung ja tatsächlich auf dem Weg zum Mars. Elon müsste mir nur noch eine Steckdose garantieren!
Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert dich mehr und warum?
Ich muss gestehen, dass ich früher gar nicht so viel gelesen habe. Mein eigenes Leben war einfach zu aufregend! Ich war ständig unterwegs, habe neue Länder entdeckt, Menschen kennengelernt und Abenteuer erlebt. Da blieb für Bücher oft wenig Zeit. Erst in späteren Jahren habe ich die großen Klassiker wirklich für mich entdeckt. Besonders Thornton Wilder hat mich fasziniert. Seine Stücke und Romane gehören in Amerika teilweise sogar zum Schulstoff. Und das Verrückte ist: Über ungefähr acht Ecken bin ich sogar mit ihm verwandt! Vielleicht liegt mir das Geschichtenerzählen ja doch irgendwie im Blut.
Was mich an ihm besonders beeindruckt, ist seine Fähigkeit, aus scheinbar ganz gewöhnlichen menschlichen Schicksalen etwas Universelles zu machen. Liebe, Familie, Vergänglichkeit, die großen Fragen des Lebens – das alles beschäftigt mich heute auch beim eigenen Schreiben.
Ob Klassiker oder Gegenwartsliteratur, ist mir deshalb eigentlich egal. Hauptsache, eine Geschichte berührt mich und bleibt in meinem Kopf hängen.
Und manchmal denke ich: Hätte ich früher mehr gelesen, wäre mein Leben vielleicht etwas ruhiger verlaufen. Aber dann hätte ich heute wahrscheinlich weniger zu erzählen!

