
Was ist die ungewöhnlichste Situation, in der du jemals geschrieben hast?
Mitten in einem wunderbaren und ziemlich aufregenden Konzert in der Philharmonie Köln überfiel mich ein experimenteller Text, den ich nicht verlieren wollte. Da gerade die Coronapandemiezeit war und also alle ihre Mobiltelefone mit amtlicher Unbedenklichkeitsbescheinigung, sprich negativem Coronatest, dabei haben mussten, konnte ich den Einfall still und leise ins Telefon tippen: sehr zur Verwunderung meines Begleiters.
Welches Buch hättest du gerne selbst geschrieben?
Den wunderbaren Lyrikband "Wildnis" von Daniela Danz.
Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet dich beim Schreiben?
Meine Gedichtentwürfe müssen handschriftlich auf in der Mitte gefaltete Din à 4 Blätter gekritzelt werden, die schon bessere Tage gesehen haben.
Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würdest du gerne einen Abend verbringen?
Ich würde unheimlich gerne Raoul Schrott fragen, wie er es geschafft hat, sein "Erste Erde"-Epos zu erdenken, dieses Mammut-Gesamtkunstwerk! Der Band ist wahrscheinlich zu schwer für eine Weltraumfahrt, sonst müsste er auch mit. Also, Raoul Schrott.
Wie autobiografisch sind deine Bücher? Wie viel von dir selbst fließt dort ein?
Meine Gedichte sind in der Regel nicht autobiografisch, aber immer authentisch, also untrennbar mit meinen Erfahrungen und meiner inneren Haltung verbunden. Gerade die Texte, die ich als politisch bezeichnen würde, sprechen also von meinen Überzeugungen: alles andere hielte ich für unredlich.
Was kannst du uns schon über dein nächstes Projekt verraten?
Es geht ums Paradies. Oder auch nicht. Jedenfalls steht die Frage im Mittelpunkt, was aus den Paradiesleuten, Adam und Eva, eigentlich geworden ist? Diese Frage haben die wunderbaren Druckkünstlerinnen von zweiimdruck gestellt und dann ist daraus eine Kollaboration geworden, bei der wir zu dritt beides schufen: Gedichte und Bilder. Liegt im Augenblick bei unseren Verlegern und kommt vermutlich demnächst heraus. Und es soll bald eine Lyriksammlung zu den Steinen geben.
Du bist im Weltall: Elon hat dich auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, du durftest aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?
Eine Odyssee im Weltall? Also: die "Odyssee" in der englischen Übertragung von Emily Wilson oder in der deutschen Version von Kurt Steinmann. "Sämtliche Gedichte" von Thomas Tranströmer. "An immense World" von Ed Young ("Die erstaunlichen Sinne der Tiere").
Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert dich mehr und warum?
Ach, immer diese entweder / oder Fragen! Natürlich inspirieren mich Klassiker: wie wäre ich sonst auf die Idee gekommen, einen ganzen Lyrik-Kunst-Band über Motive aus der Odyssee zu ersinnen. Und selbstverständlich sind auch die zeitgenössischen Kolleginnen und Kollegen immer wieder für höchst anregende Überraschungen gut. Allein das Feld der zeitgenössischen Lyrik ist ungeheuer aufregend!

