Regina E.G. Schymiczek – Autorenporträt
(c) Regina E.G. Schymiczek

Regina E.G. Schymiczek ist abenteuerlustig – egal, ob in der realen oder in einer erfundenen Welt. Bei ihren mentalen Reisen holt sie mythologische Wesen in die Gegenwart, trifft historische Persönlichkeiten aus anderen Epochen und löst Kriminalfälle mithilfe von indianischer Mystik.

Welche literarische Figur wärst du selbst gerne für einen Tag?

Scarlett O’Hara aus „Vom Winde verweht“. Mich beeindruckt die Kraft, die sie aus sich selbst schöpft, dass sie nie aufgibt und immer wieder neue Pläne schmiedet, so aussichtslos eine Situation auch scheinen mag. Auch wenn die Geschichte im 19. Jahrhundert spielt, ist Scarletts Aufbegehren gegen gesellschaftliche Zwänge zeitlos und übertragbar.

Was ist die ungewöhnlichste Situation, in der du jemals geschrieben hast?

Mein erster Roman „Hildegundis und die Kinderkrone“ entstand zum großen Teil in der S-Bahn, mit der ich Job-bedingt zwischen Köln und Essen gependelt bin. Notebooks gab es damals noch nicht und ich habe mein Manuskript handschriftlich auf Zettel gekritzelt. Dabei kamen mir des Öfteren die Arme oder Beine meiner Mitreisenden in die Quere, denn die S-Bahn war immer hoffnungslos überfüllt. Allerdings habe ich mir in dieser harten Anfangszeit des Schreibens auch die Fähigkeit antrainiert, überall schreiben zu können, egal wie laut oder voll ein Ort ist.

Welches Buch hättest du gerne selbst geschrieben?

The Far Pavillions (Palast der Winde) von Mary M. Kaye. Die Mischung aus Wiedergabe der indischen Geschichte im 19. Jahrhundert, Abenteuer- und Liebesroman ist einzigartig. Dazu kommt die detaillierte Beschreibung der örtlichen Gegebenheiten sowie die Greifbarkeit der Charaktere. Ich habe das Buch zigmal gelesen!

Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?

Dass Schriftsteller immer ein Glas Rotwein auf dem Schreibtisch stehen haben. Ich trinke zwar gerne Rotwein, aber erst NACH dem Schreiben. Da Rechercheergebnisse, Zahlen und Fakten nicht von selbst in den Text einfließen, braucht man dafür einen klaren Kopf. Musenküsse kommen sowieso dann, wenn man sie nicht erwartet. Mit und ohne Rotwein.

Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet dich beim Schreiben?

Ich habe, wenn ich an meinem Schreibtisch schreibe, in den Denkphasen gern Augenkontakt mit meinem schwarzen Plüschkater Casimir.

Welche Kritik an deinen Büchern hat dich besonders getroffen oder überrascht?

In meinem historischen Roman „Hildegundis und die Kinderkrone“ gibt es eine Szene, in der der Vater der Heldin von einem Wildschwein angegriffen wird. Nachdem ich diese Szene bei einer Lesung präsentiert hatte, entspann sich in der Zuhörerschaft eine Diskussion darüber, ob ein Wildschwein a) am hellichten Tag und b) ganz allein im Wald unterwegs sein konnte. Aufgrund meiner sorgfältigen Recherche konnte ich glaubhaft erläutern, dass das bei Keilern (um einen solchen handelte es sich nämlich) sogar häufig der Fall sein kann. Das hat mir aber gezeigt, dass die Zuhörer die Glaubwürdigkeit einer Geschichte durchaus auch am Beiwerk ausmachen. Als die Frage bei der nächsten Lesung wieder auftauchte, hat sie mich nicht mehr überrascht.

Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würdest du gerne einen Abend verbringen?

Mit Dan Brown. Ich mag seine Art der genauen Ortsbeschreibung sowie die geschickte Verwicklung von historischen Fakten und freien Erfindungen. Beides setzte ich in meinen Urban Fantasy Romanen auch gern ein – ich glaube, da hätten wir eine Menge Gesprächsstoff. Vielleicht bei einem Gläschen Rotwein.

Wie autobiografisch sind deine Bücher? Wie viel von dir selbst fließt dort ein?

Natürlich fließen meine Erfahrungen, Empfindungen, Vorlieben, Abneigungen etc. in meine Geschichten ein. So habe ich dem von mir heiß geliebten amerikanischen Frühstück in „Die Weide der Seepferde“ ein kleines Denkmal gesetzt. Ein Alter Ego von mir gibt es aber in keinem meiner Bücher. Die Dialoge, die in meinen Urban Fantasy Büchern vorkommen, habe ich zum Teil aber tatsächlich von der Realität abgeschrieben. Sie sind zwischen meiner besten Freundin und/oder meiner Mutter und mir so passiert. Da musste ich nur das Thema ändern.

Welche Frage wird dir in Interviews nie gestellt, obwohl du sie gerne beantworten würdest – und wie lautet deine Antwort?

Wie stehen Sie einer Verfilmung Ihrer Bücher gegenüber?
Sehr positiv. Allerdings hätte ich gern ein Mitspracherecht bei der Besetzung.

Was kannst du uns schon über dein nächstes Projekt verraten?

Ich habe gerade den dritten Band meiner Jack-Foster-Reihe fertiggestellt: „Die dunkle Göttin der Nordsee“, der im Dezember 2026 erscheinen soll. Jetzt bin ich schon mitten in der Planung für den abschließenden Band 4. Damit wird die Urban Fantasy Reihe um die sagenhaften Seepferde beendet. Dazu werde ich im nächsten Sommer nochmal zur vor-Ort-Recherche nach Kreta reisen.

Du bist im Weltall: Elon hat dich auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, du durftest aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?

Ich würde kein Buch, sondern mein Notebook mitnehmen und ein episches Meisterwerk schreiben – mit der Raffinesse von The Thomas Crown Affair, der historischen Bandbreite von How the West Was Won und der Fallhöhe von Les Misérables.

Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert dich mehr und warum?

Team Gegenwartsliteratur. Letztendlich tauchen die Klassiker dort in modernisierter Form auch wieder auf – inklusive frischer Impulse einer gewandelten Zeit.

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