Sandra Niermeyer – Autorenporträt
(c) Frieda Marie Vollmuth

Geboren in Niedersachsen, wanderte sie nach einer längeren Zwischenstation in Bielefeld nach Bayern aus, wo sie vermutlich vorerst bleibt. Das Schreiben für Kinder hat sie erst durch ihre eigenen Kinder angefangen.

Welche literarische Figur wären Sie selbst gerne für einen Tag?

Ich hätte gerne das Mindset von Pippi Langstrumpf, die sagt: „Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe.“

Was ist die ungewöhnlichste Situation, in der Sie jemals geschrieben haben?

Ich hatte einmal in einem leeren Schwimmbecken eine Lesung. Dort habe ich nicht geschrieben, ich habe dort nur Geschriebenes verloren, nämlich mein Notizbuch. Seitdem nehme ich keine Notizbücher mehr auf Lesungen mit. Beabsichtige aber, mal in einem Schwimmbecken zu schreiben, egal ob voll oder leer.

Welches Buch hätten Sie gerne selbst geschrieben?

Die Bibel natürlich, ein echter Longseller. Da ich aber lieber schlanke Bücher als dicke Wälzer mag (man sollte sich kurzfassen können), hätte ich vielleicht gerne das Hörrohr von Leonora Carrington geschrieben – ein beglückendes Buch.

Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?

Wenn manche Menschen auf die Frage nach dem Beruf „Schriftsteller“ hören, antworten sie, sie hätten auch eine abgefahrene/steile/unerhörte/nochniedagewesene Geschichte in sich, die runterzuschreiben sie sich schon lange vorgenommen hätten, nur leider noch keine Zeit dazu gefunden hätten. Man schreibt als Autor nichts „runter“. Schreiben ist Arbeit im Steinbruch. Solche Menschen scheinen zu glauben, dass Schreiben so einfach ist und so leicht und schnell geht wie Lesen.

Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet Sie beim Schreiben?

Ich bekomme beim Schreiben oft kalte Füße und stelle meine Füße deswegen gelegentlich auf eine Wärmflasche, die unter meinem Schreibtisch liegt. Hätte ich – s. Fun Fact. No. 1 – ein Haustier, könnte ich alternativ meine kalten Zehen unter einen Hund oder eine Katze schieben – aber so ist es leider nur eine grüne Wärmflasche.

Welche Kritik an Ihren Büchern hat Sie besonders getroffen oder überrascht?

Da mir jeder Kritiker lediglich mitteilt, wie er das Buch rezipiert hat – er mir also etwas über sich offenbart, trifft mich Kritik nicht besonders. (P.S.: Ich wünschte, das wäre wahr)

Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würden Sie gerne einen Abend verbringen?

Ich würde gerne einmal mit Virginia Woolf einen Tee trinken und sie fragen, ob es ihr jetzt – nachdem es tatsächlich eingetroffen ist – wirklich noch so wichtig ist, was ihr zeitlebens so wichtig war: nach hundert Jahren noch gelesen zu werden. Oder ob ihr da oben im Himmel das Ego so derart abhanden gekommen ist, dass ihr nichts unwichtiger sein könnte.

Wie autobiografisch sind Ihre Bücher? Wie viel von Ihnen selbst fließt dort ein?

Bücher sind immer zu hundert Prozent autobiografisch, weil der Schriftsteller nur über seine Sicht auf die Welt schreiben kann. Den Spruch „Du siehst die Welt nicht so, wie sie ist, sondern du siehst die Welt so, wie du bist“ (entweder von Mooji oder von Anais Nin) unterstreicht der Autor mit jedem Satz, den er schreibt. Das heißt also, ich fließe in mein Buch mit ein.

Welche Frage wird Ihnen in Interviews nie gestellt, obwohl Sie sie gerne beantworten würden – und wie lautet Ihre Antwort?

Da ich Lesungen vor Kindern mache, wurde mir so ziemlich jede Frage schon gestellt, sogar die nach meiner Schuhgröße (vor den Schwangerschaften 40, nach den Schwangerschaften 40 ½).
Auch die Frage: Warum tun Sie eigentlich, was Sie tun, wurde mir schon oft – mit unterschiedlichen Formulierungen auch von Kindern – gestellt. Ich habe sie noch nie wahrheitsgemäß beantwortet, obwohl ich die Antwort schon immer kannte.

Was können Sie uns schon über Ihr nächstes Projekt verraten?

Ich gehöre zu den Autoren, die ungern über ungelegte Eier reden. Es könnte dem Küken schaden.

Sie sind im Weltall: Elon hat Sie auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, Sie durften aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?

Das klingt nun vielleicht ein bisschen arrogant, aber ich würde mir drei Notizbücher mitnehmen und meine eigenen Geschichten schreiben. Ich weiß ja nicht, wie lange ich da oben auf dem Mars überlebe, und dann will ich die letzten Minuten, Stunden, Tage wenigstens festgehalten haben. Nicht für die Nachwelt, sondern einfach nur, weil Schreiben und Leben für mich oft das gleiche sind. (note: Ich widerspreche gerade Fun Fact No. 3)

Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert Sie mehr und warum?

Früher Klassiker, aber nachdem ich da nun tatsächlich so ziemlich alles gelesen habe, was ich lesen wollte, inspiriert mich nun Gegenwartsliteratur mehr.

Zum Autorenprofil