
Welche literarische Figur wären Sie selbst gerne für einen Tag?
Sherlock Holmes, so herrlich von sich eingenommen, ohne Selbstzweifel und auf charmante Art arrogant gegenüber Watson. Dabei lässt er keinen Zweifel, dass er ihn sehr schätzt, daher funktioniert das so gut.
Was ist die ungewöhnlichste Situation, in der Sie jemals geschrieben haben?
Während ich auf dem Hometrainer saß … Es gab ein Jahr, das emotional derart intensiv war, dass ich mein Seelenheil nur in der Überbeschäftigung fand. Ich tat immer mehrere Dinge gleichzeitig: Sport und Lesen oder Schreiben zum Beispiel.
Welches Buch hätten Sie gerne selbst geschrieben?
Oh je, da gäbe es einige. Bücher, in die ich komplett eingetaucht bin, die eine Geschichte erzählen, die ich auch als Idee in mir hatte oder die einfach großartig geschrieben und erzählt sind. Ich konzentriere mich für die Antwort mal auf das letzte Jahr: „Der Bademeister ohne Himmel“ von Petra Pellini war für mich ein Highlight. Ach und „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak ist sprachlich natürlich herausragend.
Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?
Vermutlich haben die meisten Menschen falsche Vorstellungen von den Verdienstmöglichkeiten als Autor und davon, wie viel Arbeit ein Roman macht. Mir begegnet oft die Vorstellung, dass man ein Buch schreibt und dann ist es erledigt. Wenn ich dann erzähle, dass es mehrere Korrekturdurchläufe gibt, sind viele überrascht. Und man kann auch nicht immer darauf warten, dass einen die Muse küsst, es ist schlicht auch Arbeit – für mich die Allerschönste nach wie vor.
Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet Sie beim Schreiben?
Manchmal schreibe ich mit Musik, passend zu den Szenen, derzeit allerdings benötige ich Ruhe beim Schreiben. Ich koche Kaffee oder Tee, beide vergesse ich beim Schreiben, ich vergesse zu essen und die Heizung anzumachen und merke irgendwann, dass ich komplett durchgefroren bin – mit anderen Worten: ich verschwinde in meiner Geschichte, wenn es gut läuft.
Welche Kritik an Ihren Büchern hat Sie besonders getroffen oder überrascht?
Besonders trifft mich Kritik, die nicht sachlich ist, wenn ich spüre, dass da jemand nur seinen Frust loswerden will. Ansonsten finde ich Kritik immer hilfreich.
Wie autobiografisch sind Ihre Bücher? Wie viel von Ihnen selbst fließt dort ein?
Die Frage taucht immer wieder auf, vor allem als ich eine zweite Krimi-Reihe startete und hier eine weibliche Hauptfigur hatte, Cora Merlin. Wir schöpfen beim Schreiben ja alle aus Erfahrungen und Erlebtem, so dass immer etwas einfließt, wie viel kann man pauschal nicht sagen, aber ja, ich bin in allen meinen Büchern präsent, in den meisten meiner Figuren, in den Konflikten und Hoffnungen. Letzten Endes sind einige meiner Bücher auch Verarbeitungsstrategien.
Welche Frage wird Ihnen in Interviews nie gestellt, obwohl Sie sie gerne beantworten würden – und wie lautet Ihre Antwort?
Tatsächlich würde ich gern immer wieder betonten wie wichtig Rezensionen wären. Ich merke das sogar im Freundeskreis, dass das kaum jemand auf dem Schirm hat. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich hier mehr Feedback bekäme.
Was können Sie uns schon über Ihr nächstes Projekt verraten?
Ich arbeite gerade an unterschiedlichen Projekten: Ein Roman wird im August 27 bei Piper erscheinen, ein weiterer Roman im Frühjahr 28 in einem anderen Verlag. Über beide Projekte freue ich mich sehr, das Buch für Piper ist neu, das zweite aber ist ein Herzensprojekt, das mich schon sehr lange, eigentlich von Beginn meines Schreibens an begleitet. Ein drittes Projekt wird eine Anthologie zum Thema Erinnerungskultur.
Sie sind im Weltall: Elon hat Sie auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, Sie durften aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?
Drei Bände von „Herr der Ringe“, da kann man immer wieder eintauchen.
Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert Sie mehr und warum?
Team Gegenwartsliteratur, aber nur wenn ich mich entscheiden muss, ansonsten macht es durchaus die Mischung.

