Bild: Fabelhafte-Buecher.de · erstellt mit KI

Was passiert, wenn man Schriftsteller nicht nur nach ihren Büchern fragt, sondern nach ihren Geheimnissen, Marotten und literarischen Sehnsüchten? Wir haben deutschsprachige Autoren eingeladen, sich bei Fabelhafte Bücher vorzustellen. Herausgekommen ist ein faszinierendes Panorama der Literatur: mit einer Entführung im Dschungel, einem folgenreichen Staubsaugerunfall, ungewöhnlichen Schreiborten und erstaunlichen Reiseplänen für den Mars.

Dracula oder Pippi Langstrumpf? Odysseus oder Christopher Robin aus „Pu der Bär“? Oder vielleicht lieber Godot, jener rätselhafte Herr, auf den in Samuel Becketts berühmtem Theaterstück alle warten, der aber niemals erscheint?

Wer Schriftsteller fragt, welche literarische Figur sie gerne für einen Tag wären, bekommt erstaunliche Antworten. Die einen suchen das Abenteuer, die anderen die Geborgenheit. Manche träumen von übernatürlichen Kräften, andere wollen einfach nur mit ihren Lieblingsfiguren zusammensitzen. Und wieder andere möchten überhaupt keine Romanfigur sein. Schließlich haben die interessanten Gestalten der Literatur ständig irgendwelche Probleme.

Das ist nur eine kleine Kostprobe unserer Interviews. Doch sie verrät etwas über die Vielfalt der Menschen, die Bücher schreiben. Genau diese Menschen wollten wir kennenlernen. Nicht bloß ihre Veröffentlichungen, Auszeichnungen und Verkaufszahlen, sondern die Persönlichkeiten hinter den Geschichten. Was wir dabei entdeckt haben, ist gelegentlich komisch, manchmal bewegend und häufig überraschender als jede Romanhandlung.

Eine Einladung an eine ganze Literaturlandschaft

Die Idee hinter unserer Autorenaktion war einfach: Der deutschsprachige Literaturbetrieb ist ungleich größer, als es Bestsellerlisten und Feuilletons vermuten lassen. Neben den bekannten Namen gibt es eine schier unüberschaubare Zahl von Schriftstellern, die fantastische, eigenwillige, berührende oder herrlich schräge Bücher veröffentlichen. Viele von ihnen bekommen nur einen Bruchteil der öffentlichen Aufmerksamkeit, die ihre Geschichten verdienen.

Wir wollten ihnen eine Bühne bieten. Deshalb haben wir im Herbst 2026 unseren Autorenbereich erheblich ausgebaut, Autoren und ihre Verlage gezielt angesprochen und die Möglichkeit geschaffen, sich selbst vorzustellen. Mit einem persönlichen Porträt, einer kurzen Biografie, ausgewählten Büchern, überraschenden Fakten und einem Interview. Die Teilnahme ist kostenlos, unabhängig davon, ob jemand bei einem großen Verlag veröffentlicht oder seine Bücher selbst herausbringt. Innerhalb von zwei Wochen haben wir auf diese Weise Hunderte Interviews gesammelt und freuen uns weiterhin über Zulauf.

Die Autoren können bei FaBü erzählen, was ihnen wichtig ist. Auf der Startseite und im Autorenbereich sorgt außerdem ein wechselndes Spotlight dafür, dass einzelne Schriftsteller besonders sichtbar werden.

Das Entscheidende ist aber etwas anderes: Wir wollten keine Sammlung austauschbarer Werbetexte. Wer ein Profil besucht, soll hinterher nicht nur wissen, welche Bücher jemand geschrieben hat. Er soll das Gefühl haben, einen interessanten Menschen kennengelernt zu haben.

Dracula wohnt in Hamburg. Jedenfalls manchmal

Kostprobe gefällig? Es gibt so viele spannende Profile, dass es ungerecht wäre, einzelne herauszuheben! Dann sind wir eben heute mal ungerecht:

Nehmen wir Albrecht Sommerfeldt. Der Hamburger schreibt historische Krimis, die im 17. Jahrhundert spielen. Seine Figuren treiben sich durch die schmutzigen Gassen der Hansestadt, begegnen Bettlern, Gaunern und zweifelhaften Autoritäten. Mit Von Huren, Bettlern und Glunterschratzen hat er schon einen jener Buchtitel geschaffen, bei denen man unwillkürlich genauer hinsieht.

Wer ihn fragt, welche literarische Figur er gerne für einen Tag wäre, erhält eine eindeutige Antwort: Dracula. Geschrieben hat er übrigens auch schon während der Vorbeifahrt an einer Karibikinsel. Und wenn er sich ein fremdes Buch als eigenes Werk aussuchen dürfte, wäre es Umberto Ecos Der Name der Rose. Das passt erstaunlich gut zu einem Autor, der historische Recherche mit dunklen Geheimnissen verbindet.

Maren Thunert ist anders unterwegs. Sie wäre lieber Pippi Langstrumpf. Die Berliner Autorin interessiert sich für Menschen, ihre Beziehungen und jene kleinen Dramen, die sich im Alltag abspielen. Ihre ungewöhnlichste Schreibsituation ereignete sich ausgerechnet im Kino: Der Film war so schlecht, dass sie im Dunkeln begann, Ideen für eine bessere Handlung aufzuschreiben.

Wieder andere wählen ihre literarischen Vorbilder mit bemerkenswerter Fantasie. Daniela Noitz möchte Christopher Robin sein, weil im Hundertmorgenwald Freunde auf sie warten würden, mit denen man ganz wunderbar reden oder auch einfach nichts tun könnte.

Noch ungewöhnlicher ist die Entscheidung der österreichischen Schriftstellerin Doris Kloimstein. Sie wäre gerne Rosinante, das Pferd von Don Quijote. Die Autorin tritt auch als Miss Maggie Lucifer auf und schreibt gelegentlich aus der Perspektive eines Pferdes – dann bevorzugt auf Englisch, schließlich sei das dessen Muttersprache. Auch sonst ist sie nicht zimperlich: Einmal schrieb sie auf einer Trage in der Notaufnahme, nachdem sie eine Krankenschwester um Papier und Stift gebeten hatte.

Wer Dracula bevorzugt, sollte übrigens unbedingt Friedhelm Schneidewind kennenlernen. Der Mann wurde von Medien schon als moderner Van Helsing bezeichnet. Er schreibt über Vampire, Tolkien und fantastische Welten, hat ein Vampirtheaterstück auf internationale Bühnen gebracht und verfasste einige seiner heißesten Liebesszenen ausgerechnet in einem eiskalten rumänischen Hotelzimmer, dessen Heizung ausgefallen war.

Eine bemerkenswerte Gesellschaft. Man möchte fast wissen, was passieren würde, wenn diese Menschen gemeinsam einen Roman schreiben müssten.

Vom Dschungel in die S-Bahn: Wo Bücher entstehen

Die Vorstellung vom Schriftsteller ist erstaunlich hartnäckig. Ein ruhiges Arbeitszimmer, ein schwerer Holztisch, vielleicht ein Fenster mit schönem Ausblick. Die Wirklichkeit sieht gelegentlich ganz anders aus.

Dirk Hegmanns hat eine Lebensgeschichte, für die andere Schriftsteller erst einen Abenteuerroman erfinden müssten. Der Düsseldorfer arbeitete jahrzehntelang in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Krisenintervention. Er war in Lateinamerika, Afrika und im Nahen Osten unterwegs. In Nicaragua wurde er nach eigener Schilderung von den Contras entführt und fast einen Monat als Geisel festgehalten.

Und was tat er während dieser Zeit? Er schrieb heimlich. Aus seinen Aufzeichnungen entstand später ein Buch. Dass jemand unter solchen Umständen an Literatur denkt, ist bemerkenswert. Es erklärt zugleich, warum seine Romane über Macht, Gewalt und menschliche Konflikte eine besondere Erfahrungsgrundlage besitzen. In Kriege in der Mitte der Welt verarbeitet er unter anderem Erfahrungen aus der internationalen Flüchtlingshilfe.

Andere wählen ihre Schreiborte freiwilliger. Siegfried Grillmeyer erinnert sich an einen Nachtzug zwischen Moskau und St. Petersburg, bei minus 15 Grad und zu wenig Wodka.

Die Science-Fiction-Autorin Gabriele Behrend nutzte eine achtstündige Zugfahrt von Stuttgart nach Hamburg, um eine vollständige Sprache für ein Rollenspiel zu entwickeln. Mit Nomen, Verben, Adjektiven und verschiedenen grammatischen Systemen. Acht Stunden Zugfahrt – und am Ende existiert eine neue Sprache. Im heimischen Arbeitszimmer warten außerdem 29 Grünpflanzen auf sie. Alle haben einen eigenen Namen und gehören damit zu ihrem kleinen literarischen Kosmos.

Und Heidi Metzmeier, die inzwischen mehr als sechzig Länder bereist hat, verfasste schon Reiseberichte im kongolesischen Busch, auf einer abgelegenen indonesischen Insel und in der iranischen Wüste. Ihr literarisches Leben begann übrigens mit einem Berg-Liebesroman, den sie als Schülerin schrieb. Sein großartiger Titel: Zartes Wild am Dammastock. Das Manuskript wird bis heute von ihren Eltern verwahrt.

Nicht weniger abenteuerlich verlief das Leben des Journalisten Adrian Geiges. Er erlebte als Korrespondent zwei Putsche und das Ende der Sowjetunion, lebte jahrelang in China und vier Jahre in einer brasilianischen Favela. In seiner Jugend war er aktiver Kommunist und besuchte sogar eine Kaderschule in der DDR. Geschrieben hat er einmal in einem thailändischen Internetcafé, weil er ohne Laptop unterwegs war. Seine Bücher über China, Russland und internationale Politik schöpfen aus jahrzehntelanger unmittelbarer Erfahrung.

Vielleicht ist das die erste Erkenntnis unserer Autorenaktion: Geschichten warten nicht darauf, dass jemand seinen Schreibtisch aufgeräumt hat.

Die Sache mit dem Kaffee, dem Kater und dem Staubsauger

Neben den großen Abenteuern gibt es die kleinen Eigenheiten. Und manchmal verraten sie fast mehr über einen Menschen als der gesamte berufliche Lebenslauf.

Regina E. G. Schymiczek schrieb ihren ersten Roman zu großen Teilen in der hoffnungslos überfüllten S-Bahn zwischen Köln und Essen. Ein Notebook hatte sie damals nicht. Also schrieb sie mit der Hand auf Zettel, während ihr die Arme und Beine anderer Fahrgäste in die Quere kamen. Heute kann sie praktisch überall schreiben. Beim Nachdenken sucht sie allerdings gerne den Blickkontakt mit Casimir, ihrem schwarzen Plüschkater.

Bei Charlotte McGregor wird es handfester. Die Autorin, hinter der sich Carin Müller verbirgt, berichtet in ihrem Profil, dass sie sich beim Staubsaugen einmal selbst bewusstlos geschlagen habe. Als sie wieder zu sich kam, hatte sie ein blaues Auge. Wie genau das passieren konnte, bleibt eines jener Geheimnisse, die vermutlich einen eigenen Roman verdienen.

Ralf Günther hat wiederum eine Vergangenheit, die man einem historischen Romanautor nicht unbedingt zutrauen würde. Bevor sein Debüt Der Leibarzt zum Bestseller wurde, schrieb er Gags für Dirk Bach, Hape Kerkeling und Harald Schmidt. Ein Produzent der Harald-Schmidt-Show hieß ebenfalls Ralf Günther, was bei Telefonaten regelmäßig für Verwirrung sorgte. Bei einer späteren Lesung klebten seine Schuhsohlen am Dielenboden fest, weil ein Besucher Saft verschüttet hatte. Ob das Publikum die Situation für eine geplante Einlage hielt, ist nicht überliefert.

Die Naturfotografin und Schriftstellerin Carola Vahldiek wiederum hat für ihr Kinderbuch *Schön, dass du da bist, kleine Maus!* tatsächlich eine wildlebende Maus im Wald über mehrere Wochen an sich gewöhnt, um sie fotografieren zu können. Auf Buchmessen begleitet sie außerdem ein grunzendes und laufendes Glücksschweinchen. Mehrfach hätten Besucher es ihr schon abkaufen wollen. Doch die Maus ist unverkäuflich.

Auch Nele Brönner hat ein besonderes Verhältnis zur Tierwelt. Die preisgekrönte Kinderbuchillustratorin stellte sich als Kind vor dem Einschlafen gerne vor, sie verwandle sich in einen Maulwurf. Heute wird sie in ihrer Fantasie eher zu einer großen Katze oder in warmen Sommernächten zum Gecko. In ihren Bilderbüchern zeichnet sie besonders gerne Tiere. Dass sie selbst einmal in deren Haut schlüpfen möchte, erscheint da nur konsequent.

Solche Geschichten sind wunderbar, weil sie das Bild des unnahbaren Schriftstellers auflösen. Hier sitzen keine Denkmäler an ihren Schreibtischen, sondern Menschen mit Haustieren, Lieblingsgetränken, eigensinnigen Gewohnheiten und gelegentlich recht schmerzhaften Begegnungen mit Haushaltsgeräten.

Elon, wir haben ein Problem mit dem Handgepäck

Eine unserer Lieblingsfragen schickt die Schriftsteller auf eine besonders lange Reise. Elon Musk hat sie zum Mars befördert. Wegen der strengen Gewichtsbeschränkung dürfen sie nur drei Bücher mitnehmen. Welche sollen es sein?

Ob man Musk persönlich mag oder nicht, spielt für das Gedankenexperiment keine Rolle. Interessanter sind die Bücher, ohne die unsere Autoren das Sonnensystem offenbar nicht verlassen möchten. Wobei manche schon die Ausgangsbedingungen nicht akzeptieren.

Nick Wilder, den Millionen Fernsehzuschauer als freundlichen Herrn Kaiser aus der Versicherungswerbung und als Schiffsarzt auf dem ZDF-Traumschiff kennen, würde gar kein Buch mitnehmen. Lieber hätte er seinen Laptop, Kopfhörer und sein iPhone dabei. Dann könnte er während der Reise drei eigene Bücher schreiben. Jedes natürlich wieder mit mehr als 600 Seiten. Nur eine Steckdose müsste Musk ihm garantieren.

Wer sich Wilders Interview durchliest, entdeckt hinter der vertrauten Fernsehfigur eine überraschend ernste Geschichte. Gemeinsam mit dem amerikanisch-jüdischen Schriftsteller Richard Opper arbeitete er zehn Jahre lang an seinem Roman Vaterliebe. Darin verarbeitet er auch die schwierige Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit seines Vaters, der der Waffen-SS angehörte. Ursprünglich war der Stoff als internationale Fernsehserie geplant. Inzwischen ist daraus ein Roman über Schuld, familiäre Loyalität und das Schweigen über die Vergangenheit geworden.

Schriftsteller sind auch nur Menschen. Was für welche!

 

Auch Dany Matthes löst das Gewichtsproblem pragmatisch: mit einem E-Reader. Tausende Bücher, weniger Gewicht als ein gedruckter Roman. Sollte Elon allerdings auf Papierbüchern bestehen, wäre unter den drei ausgewählten Exemplaren auch ein leeres Notizbuch. Wer schreibt, braucht schließlich Platz für neue Geschichten.

Man kann sich vorstellen, dass die Reisegesellschaft sehr unterschiedliche Vorstellungen davon hätte, wie man sich die Monate zwischen Erde und Mars vertreibt. Und vielleicht ist das die schönste Eigenschaft unserer Frage: Sie zwingt niemanden zu einer gelehrten Antwort. Die einen wählen Weltliteratur, die anderen ein Kinderbuch. Entscheidend ist, welche Geschichten ihnen wirklich etwas bedeuten.

Ein Abstecher durch die wunderbare Provinz der Literatur

Wer sich durch unsere Autorenprofile klickt, unternimmt eine Reise durch Landschaften, Zeiten und Genres, die in ihrer Vielfalt schwer zu überblicken sind.

Der Berner Roland Zoss ist Musiker, Schriftsteller und Erfinder der Kinderfigur Jimmy Flitz. Er lebt zwischen Bern und den Äolischen Inseln. Dort ereignete sich auch sein ungewöhnlichstes Schreiberlebnis: In einer Wohnhöhle hielt er ein Erdbeben der Stärke 5,5 schriftlich fest, während die Erde noch bebte. Zum Schreiben braucht er übrigens nackte Füße. Und wenn er einen Tag lang eine literarische Figur sein dürfte, wäre es der kleine Prinz. Vermutlich passt das zu einem Mann, der Kindern mit Musik und Geschichten die Welt erklären möchte.

Der Schweizer Christian Urech hat als Buchhändler angefangen und wurde später Journalist, Lehrer, Schriftsteller und Verleger. Er lebt heute zwischen der Schweiz und Indonesien und schreibt Romane, Krimis und Sachbücher. Seine besten Einfälle kommen ihm unter der Dusche. Geschrieben hat er aber auch schon in einem marokkanischen Zug mit zerbrochenen Fensterscheiben. Die erstaunlichste Wendung lieferte ihm das wirkliche Leben: Während der Arbeit an einem autobiografischen Roman begegnete er nach mehr als vierzig Jahren einer zentralen Figur seiner Geschichte wieder – und wurde schließlich deren Trauzeuge.

Bei Annemarie Regez geht es an den Lago Maggiore, wo Commissaria Roberta Casanova Verbrechen zwischen Palmen, Ferienidylle und alten Familiengeheimnissen aufklärt. Die Schweizer Autorin hat selbst eine ungewöhnliche Biografie: Nach ihrer Matura arbeitete sie auf Ischia als Au-pair – allerdings nicht für Kinder, sondern für drei Sibirische Schäferhunde einer Baronin.

Bei Brigitte Schär können zwanzig Monster plötzlich im Wohnzimmer stehen. Die Schweizer Schriftstellerin verbindet Kinderliteratur mit Musik, Stimme, Performance und experimentellen Bühnenformen. Beim Jazzfestival Willisau verwandelte sie sogar ihre eigenen Körperbewegungen mithilfe eines Videosystems in Musik. Eine andere Aufnahme entstand mit Musikern im Libanon, teilweise erst nach Mitternacht. Wer sagt denn, dass Literatur immer auf Papier stattfinden muss?

Und Simak Büchel lässt in seinen Jugendbüchern fantastische Abenteuer mit ziemlich gegenwärtigen Ängsten zusammentreffen. In seiner iKIDS-Welt kämpfen Jugendliche gegen einen größenwahnsinnigen Milliardär, gefährliche Roboter und Computerviren. Seine Lesungen für Schulklassen sind kleine Bühnenereignisse, bei denen Geschichten nicht nur vorgelesen, sondern gespielt werden.

Die Physikerin Petra Felsner schreibt derweil Hightech-Jugendthriller über künstliche Intelligenz und neue Technologien. Ihre Protagonistin ist eine junge Frau mit einem Faible für Technik, Kampfsport und schwarze Kleidung. Eine Schullesung verlief einmal anders als geplant: Die gesamte Klasse fehlte. Glücklicherweise hatte niemand das Interesse verloren. Die Schüler warteten lediglich versehentlich in der Bibliothek statt im Klassenzimmer.

Das alles gehört zur deutschsprachigen Literatur. Der historische Krimi und das Kinderbuch, die politisch engagierte Gegenwartserzählung, der Science-Fiction-Thriller und das fantastische Abenteuer. Nicht jede Literatur muss dieselben Ansprüche erfüllen. Ein gutes Buch darf anspruchsvoll sein, verstören, zum Nachdenken bringen – oder einfach einen verregneten Sonntag retten.

Vom Schreiben reich werden? Die Autoren lachen eher darüber

Bei aller Begeisterung für Geschichten ist das Autorenleben nicht immer romantisch. Eine unserer Fragen beschäftigt sich mit den falschen Vorstellungen, die Menschen vom Schriftstellerberuf haben. Die Antworten fallen auffallend nüchtern aus.

Norbert Löffler berichtet, dass er seit mehr als fünfzig Jahren schreibt und über fünfzig Bücher veröffentlicht hat. Reich gemacht habe ihn das nicht. Dafür hat er eine einfache und verlässliche Schreibgewohnheit entwickelt: Kaffee. Viiiiiel Kaffee.

Auch die Lyrikerin Sigune Schnabel widerspricht der verbreiteten Vorstellung, Schriftsteller könnten normalerweise von ihren Büchern leben. Die wirtschaftliche Wirklichkeit ist deutlich ernüchternder als das romantische Bild vom Künstler, der auf den nächsten Musenkuss wartet. Wer veröffentlicht, muss häufig auch organisieren, vermarkten und seinen Lebensunterhalt anderweitig verdienen.

Besonders interessant ist dabei die Frage, was eigentlich ein gutes Buch ausmacht. Joachim Zelter, dessen Roman „Der Ministerpräsident“ auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand, misstraut beispielsweise allzu perfekt konstruierten Geschichten. Er hält wenig von Büchern, die vor allem darauf ausgerichtet sind, Fehler zu vermeiden. Seinen eigenen Debütroman beurteilte er später bemerkenswert kritisch: Manche Kapitel erschienen ihm missraten, andere glänzend. Also machte er sich an eine Neufassung.

Vielleicht gehört genau das zu den sympathischsten Eigenschaften vieler unserer Autoren: ihre Offenheit. Schreiben macht Freude, selbstverständlich. Aber es bedeutet auch Überarbeiten, Verwerfen, Zweifeln und manchmal jahrelange Recherche. Nicht jede Geschichte gelingt auf Anhieb, nicht jedes Buch findet sofort seine Leser. Und wer einmal eine schlechte Rezension erhalten hat, weiß, dass Schriftsteller neben Fantasie und Ausdauer gelegentlich auch ein ziemlich dickes Fell brauchen.

Trotzdem schreiben sie weiter. Aus Neugier, aus Freude am Erzählen, aus dem Wunsch, etwas festzuhalten oder mit anderen Menschen zu teilen. Und manchmal vermutlich auch deshalb, weil ihnen keine andere Wahl bleibt: Die Geschichte ist nun einmal da und will erzählt werden.

Es gibt nicht den einen Schriftsteller

Vielleicht ist das die eigentliche Überraschung unserer Aktion. Wir hatten mit unterschiedlichen Antworten gerechnet. Aber wie unterschiedlich Lebenswege, Persönlichkeiten und Vorstellungen vom Schreiben tatsächlich sind, zeigt sich erst, wenn man viele dieser Profile nebeneinanderlegt.

Da ist die Autorin, die ihre Figuren beim Schreiben selbst entdeckt. Der Schriftsteller, der Erfahrungen aus internationalen Krisengebieten verarbeitet. Die Kinderbuchautorin, die mit einer schlaflosen Tochter eine fantastische Welt erschafft. Der Historienromancier, der gedanklich lieber im 17. Jahrhundert lebt. Und der frühere Fernsehstar, der sich mit seiner eigenen Familiengeschichte auseinandersetzen muss.

Manche verehren die Klassiker, andere interessieren sich vor allem für die Gegenwart. Einige schreiben für Kinder, andere lassen Menschen auf ziemlich grausame Weise sterben. Manche arbeiten seit Jahrzehnten an ihrem Werk und sind kaum bekannt. Andere erreichen ein Millionenpublikum. Bei Fabelhafte Bücher können sie nebeneinanderstehen.

Darin liegt auch der Gedanke hinter unserem Autorenbereich: Wir möchten den Blick auf Literatur erweitern. Natürlich gehören große Namen dazu. Aber eben nicht nur sie. Zwischen einem weltberühmten Bestsellerautor und einem Schriftsteller, dessen Bücher man bisher noch nie gesehen hat, kann sich eine wunderbare Entdeckung verbergen.

Unsere Autorenprofile und Interviews sind deshalb keine abgeschlossene Sammlung, sondern eine Einladung zum Stöbern. An Leser, die neugierig auf neue Geschichten sind. Und an Schriftsteller, die uns von sich und ihren Büchern erzählen möchten.

Unsere Autoren