Linda-Marie Günther: „Kochen mit den Römern“

Rezension von Annemarie

Inhalt

In diesem Buch werden zwei ziemlich unterschiedliche Themen miteinander in Verbindung gesetzt: Antike und Kochen. Linda-Marie Günther, Professorin für Geschichte an der Uni Bochum, analysiert anhand antiker Quellen, was die Römer damals gegessen haben und veröffentlicht original römische Rezepte zum Nachkochen. Das Augenmerk wird vor allem auf die römischen Provinzen zur Zeit des Kaisers Hadrian gelenkt, der unter anderem dadurch bekannt wurde, dass er als „Reisekaiser“ möglichst viele seiner damaligen Provinzen besucht hat.

Das Buch besteht aus 14 Kapiteln. Die ersten beiden Kapitel haben eher einleitenden Charakter beziehen sich überwiegend auf die Stadt Rom und Italien. Ab Kapitel 3 widmet die Autorin ihr Augenmerk den jeweiligen Provinzen und den regionalen Erzeugnissen bzw. deren Exporten. In allen verschiedenen Gegenden im Römischen Reich werden neben historisch relevanten Ereignissen die Besonderheiten und Auffälligkeiten in der regionalen Küche genannt. Dem schließt sich ein für die Region typisches Menu an.

Das Ganze wird zudem aufgelockert durch fiktive Tischgespräche, die durchaus aus antiker Sicht so hätten stattfinden können. Gesprächsteilnehmer sind: ein Senator mit wissbegierigem Sohn, ein vielgereister Ritter, ein Gelehrter. Zu Beginn jedes Kapitels wird eine einseitige farbige Karte mit der jeweiligen Region und den wesentlichen dort angebauten und produzierten Nahrungsmitteln gezeigt.

Rezension

„Kochen mit den Römern“. Das klingt sehr einladend und leicht. Dennoch sollte man sich davon nicht täuschen lassen. Der Textteil jedes Kapitels ist recht umfangreich und mit vielen Zitaten aus antiken Quellen gespickt. Kein Wunder, Hintergrundinformationen zu dem doch schon recht speziellen Thema „Kochen mit den Römern“ sind eben etwas, ja, sperrig. So ist der Textteil doch sehr wissenschaftlich und eher für Liebhaber der Antike geeignet.

Dafür sind die Rezepte oft ziemlich gut. Zu Anfang hatte ich die Sorge, die Rezepte würden  lauter komplizierte Zutaten beinhalten, die man heutzutage kaum noch bekommt. Dies ist aber in den meisten Fällen nicht der Fall. Viele Rezepte sind recht einfach, und man muss keine großen Wege machen, um die Zutaten zu bekommen. Einige Rezepte wurden auch etwas modifiziert und verändert, wenn die eine Zutat heutzutage kaum mehr zu bekommen ist. Da es Vor-, Haupt- und Nachspeisen verschiedenster Art gibt, dürfte eigentlich für jeden etwas dabei sein.

Schön ist, dass überall im Buch nette kleine Zeichnungen mit Lebensmitteln vorhanden sind. Bemerkenswert ist auch, dass die Rezeptnamen sowohl auf Latein als auch auf Deutsch  sind.

Mein Fazit

Nicht nur für begeisterte“ Römer“, die optimalerweise auch gerne kochen, ein wunderbares Buch (auch sehr gut als Geschenk geeignet), sondern auch für Laien, die sich für die Antike interessieren. Auch wer gerne kocht und einmal seine Gäste mit etwas Besonderem überraschen möchte, was es nicht alle Tage gibt, kann mit diesem Buch glücklich werden. Wer hingegen mit der Antike nicht so viel anfangen kann und leichte Unterhaltungslektüre sucht, sollte sich wohl besser nach einem anderen Buch – vielleicht einem „moderneren“ Kochbuch? – umsehen.