Markus Schauer: Der Gallische Krieg. Geschichte und Täuschung in Caesars Meisterwerk

Rezension von Annemarie

„Gallia est omnis divisa in partes tres“ – jedem echten Lateiner ist dieser Satz aus dem Proömium (~der Einleitung) von Caesars Gallischem Krieg wohl bekannt.

Markus Schauer, Lehrstuhlinhaber für Klassische Philologie in Bamberg, untersucht in diesem Buch die Hintergründe und die politische Taktik für Caesars Vorgehen vor allem in Gallien. Dabei beschränkt er sich nicht nur darauf, die eigentlichen Commentarii de bello Gallico in den Blick zu nehmen, sondern liefert eine Gesamtbetrachtung beginnend mit den historischen Voraussetzungen, die Caesars Karriere erst ermöglichten, um dann eine intensivere Untersuchung dieses viel gelesenen Werks der lateinischen Literatur vorzunehmen.

So sagt Schauer in seinem Vorwort: „Es war mir ein Anliegen, in ausgewählten (und übersetzten) Textausschnitten Caesar möglichst oft selbst zu Wort kommen zu lassen, um zu zeigen, wie reichhaltig und vielschichtig sein Meisterwerk über den Gallischen Krieg in Wirklichkeit ist – entgegen aller Erinnerung, die manch einer an die mühsame Schullektüre behalten haben mag“.

Dieses Vorhaben ist voll und ganz gelungen. Der Leser erfährt nicht nur über das politische Kalkül des großen Strategen und seine militärische Taktik Genaueres, sondern lernt, zwischen den Zeilen zu lesen bzw. die Leserlenkung des Erzählers zu durchschauen.

Mit seinen Commentarii erfindet Caesar eine neue Gattung der literarischen Form, die zwischen historischer Monographie und schlichtem Tatsachenbericht steht. Dabei handelt es sich um eine Form, die genau auf seine Bedürfnisse der literarischen Selbstdarstellung zugeschnitten ist. Neben seinen Berichten an den Senat und denen seiner Offiziere benutzte Caesar eine große Anzahl an Quellen über ethnographische und geographische Fakten. In der knappen Erzählweise, in der er von Großtaten ebenso wie von entsetzlichen Taten (wie Völkermord) berichtet, spricht er auch über eine dem damaligen Leser fremde Welt und stellt Besonderheiten der Gallier und Germanen vermeintlich objektiv dar.

Bereits in der Einleitung sind die Kulissen aufgestellt: Zwei Völker werden genauer charakterisiert, die Belger und die Helvetier. Beide Völker sind besonders tapfer, da sie kampferprobt mit den Germanen sind. Beide stellen die Germanengefahr heraus, womit angedeutet wird, dass bereits die Sicherung der Rheingrenze eine beachtliche Leistung darstellt. Die Helvetier bilden den Anlass für den Gallischen Krieg, die Belger sind die nördlichste Volksgruppe, die Caesar unterwerfen konnte.

Auch bei der Beschreibung seiner Protagonisten verfolgt Caesar eine bestimmt Taktik, ebenso bei der Inszenierung wörtlicher Reden, und nicht zuletzt mit der Tatsache, dass er in der dritten Person von sich selbst schreibt.

Fazit

Ein großartiges Buch, das gut und teilweise auch spannend zu lesen ist. Leider ist der Leserkreis, der sich dafür interessiert, nicht groß. Für Lateinlehrer und -lehrerinnen sowie Studierende der Geschichte und der Klassischen Philologie aber ein absolutes Muss.