Heidi Hassenmüller

1941–2020 · Geboren in Hamburg, gestorben in den Niederlanden

Heidi Hassenmüller – Autorenporträt
(c) Heidi Hassenmüller

„Schreibblockaden gebe ich nach. Jeder muss einmal geistig auftanken, also akzeptieren, dass auch ein Autor kein Computer ist.“

Heidi Hassenmüller

Interview

Fun Facts

  • Der vielgelesene Roman „Gute Nacht, Zuckerpüppchen“ verarbeitet belastende Erfahrungen aus der eigenen Jugend und zählte zu den frühen Büchern für junge Leser, die familiäre Tabuthemen offen behandelten.
  • Ihre Lesungen konnten jahrelange Briefkontakte nach sich ziehen: Leser wandten sich wegen eigener Erfahrungen an sie, und Hassenmüller hielt mit ihnen den Kontakt.
  • Solange die vier Kinder noch im Haushalt lebten, verlegte sie die Arbeit am Manuskript in die Nacht. Später schrieb sie morgens nach dem Kaffee und setzte sich jeweils mindestens eine Seite als Ziel.
  • An Schulen in den Niederlanden las sie im Auftrag des Goethe-Instituts, wobei Gespräche über schwierige Erfahrungen und Literaturunterricht miteinander verbunden wurden.

Werke von Heidi Hassenmüller

Buchcover: Gute Nacht, Zuckerpüppchen

Gute Nacht, Zuckerpüppchen

Die junge Gaby erfährt im eigenen Zuhause statt Geborgenheit Angst und Ohnmacht. Über Jahre kann sie kaum über das sprechen, was sie belastet; die Erwachsenen nehmen ihre Not nicht wahr. Hassenmüller verarbeitet in dem Roman eigene Erfahrungen und richtet sich besonders an junge Leser, die sich in familiären Krisen allein fühlen. Die Geschichte fragt, woher der Mut zum Reden kommt, wenn das Schweigen zur Gewohnheit geworden ist. Das Buch gilt als wichtige frühe Auseinandersetzung der deutschsprachigen Jugendliteratur mit einer häufig verdrängten Realität.

Buchcover: Zuckerpüppchen und die Zeit danach

Zuckerpüppchen und die Zeit danach

Gaby ist längst erwachsen, doch die Vergangenheit wirkt in ihre Gegenwart hinein. Ihre Ehe mit Hubert verspricht zunächst Schutz und Sicherheit. Allmählich gerät die junge Frau jedoch erneut in ein Leben aus Abhängigkeit und ständiger Kontrolle. Erst eine therapeutische Begleitung eröffnet ihr die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen. Hassenmüller schildert den langen Weg zu persönlicher Selbstständigkeit ohne vorschnelle Versöhnung. Die Fortsetzung interessiert sich besonders dafür, warum belastende Beziehungsmuster über viele Jahre bestehen bleiben und wie schwer es ist, sie zu durchbrechen.

Buchcover: Spiel ohne Gnade

Spiel ohne Gnade

Stefans Vater hat die Familie verlassen. Seitdem hält seine Mutter ihn mit Schuldgefühlen an sich gebunden und mischt sich in seine Beziehungen ein. Stefan sucht einen Ausweg aus der ständigen Kontrolle und entdeckt das Glücksspiel an Automaten. Was als Ablenkung beginnt, greift immer stärker in seinen Alltag ein und gefährdet seine Zukunft. Hassenmüller verknüpft die Dynamik einer Sucht mit einem Familienverhältnis, das kaum Raum für eigene Entscheidungen lässt. Der Jugendroman erzählt davon, wie Abhängigkeit entsteht und warum der Ausstieg so schwer sein kann.