Dunbridge Academy. Whenever

In „Dunbridge Academy. Whenever“ treffen sportlicher Anspruch und persönliche Unsicherheit aufeinander. Sarah Sprinz erzählt von zwei Schülern, die einander zunächst eher herausfordern als verstehen. Aus ihrer Annäherung macht sie keine einfache Lösung für alle Schwierigkeiten: Im Mittelpunkt stehen auch die Frage nach Verantwortung und der Versuch, den eigenen Wert nicht allein an Leistung zu messen.

Elsas Stellung im Rugbyteam gerät nach einem Streit ins Wanken. Oscar dagegen hält an seinem sportlichen Zukunftsplan fest, obwohl eine Verletzung ihn zum Innehalten zwingen sollte. Als Elsa von seiner Situation erfährt, schließen die beiden einen Handel: Sie deckt ihn, und er unterstützt sie dabei, ihre Rolle als Kapitänin besser auszufüllen. Diese Abmachung bringt sie regelmäßig zusammen, macht aber zugleich sichtbar, wie riskant ihre jeweiligen Vorstellungen von Durchhalten sind. Zwischen Unterricht, Mannschaft und Freundeskreis entsteht Nähe, während beide mit Erwartungen kämpfen, die sie sich selbst auferlegen.

Am überzeugendsten ist die Geschichte dort, wo sie die Ähnlichkeit der beiden unter ihrer unterschiedlichen Fassade freilegt. Elsa reagiert oft impulsiv und Oscar versucht, seine Verletzlichkeit durch Entschlossenheit zu überdecken. Beiden fällt es schwer, die eigenen Grenzen als etwas anderes denn als Hindernis zu betrachten. Sprinz zeichnet sie nicht als jederzeit sympathische Vorbilder. Ihre Fehler und die Folgen ihrer Entscheidungen bleiben spürbar, was der Romanze eine gewisse Schärfe verleiht. Wer mit den Figuren mitgeht, muss deshalb nicht alles gutheißen, was sie tun. Manchmal ist ihr Verhalten eher emotional verständlich als vernünftig.

Der Wechsel zwischen Elsas und Oscars Blickwinkel passt zu dieser Anlage. Leser erfahren, was hinter schroffen Reaktionen oder demonstrativer Selbstsicherheit steckt, noch bevor die Figuren es einander offenlegen. So entsteht Verständnis, ohne dass die Konflikte sofort verschwinden. Gleichzeitig kennt man beide Seiten der Beziehung früh; Spannung entsteht daher weniger durch ein großes Geheimnis als durch die Frage, ob sie ihre Abwehr nach und nach aufgeben können. Diese Erzählweise stärkt die Charakterzeichnung, nimmt manchen Missverständnissen aber auch einen Teil ihrer Ungewissheit.

Die Liebesgeschichte entwickelt sich langsam und setzt auf wiederholte Begegnungen statt auf einen plötzlichen Wendepunkt. Der gemeinsame Pakt gibt Elsa und Oscar einen Grund, Zeit miteinander zu verbringen, bleibt aber moralisch und praktisch kompliziert. Ein gesundheitliches Problem geheim zu halten, lässt sich nicht ohne Weiteres als harmlose Gefälligkeit verstehen. Gerade diese Unbequemlichkeit macht den Konflikt interessant: Die Nähe zwischen den beiden entsteht nicht in einem geschützten Raum, sondern neben Entscheidungen, die sie überdenken müssten. Allerdings kreisen einige Auseinandersetzungen um ähnliche Zweifel. Die behutsame Entwicklung kann dadurch stellenweise an Tempo verlieren.

Rugby ist mehr als ein dekorativer Hintergrund. Der Sport bedeutet für die Hauptfiguren Zugehörigkeit und Zukunft, verlangt ihnen zugleich viel ab. Oscars Verletzung wirft die Frage auf, wann Leidenschaft in Selbstgefährdung umschlägt. Elsa wiederum muss erkennen, dass eine starke Stimme allein noch keine gute Führung ausmacht. Diese Verbindung von Mannschaftssport und Selbstbild verankert die persönlichen Konflikte in der Handlung. Vorkenntnisse im Rugby sind nicht nötig; wer allerdings wenig Interesse an Leistungsdruck und sportlichem Ehrgeiz hat, wird einen wichtigen Teil der Geschichte möglicherweise weniger stark wahrnehmen.

Auch das Umfeld der Academy trägt zur Wirkung bei. Freundschaften und Gemeinschaft bekommen neben der Romanze ihren Platz, sodass nicht jede emotionale Entwicklung auf das Paar zuläuft. Das Internatsmilieu bietet Vertrautes, während die Belastungen der Figuren die erwartbare Wohlfühlatmosphäre immer wieder durchbrechen. Als siebter Band der Reihe und dritter Teil der Spin-off-Reihe steht „Whenever“ in einer bereits ausgebauten Erzählwelt. Im Zentrum bleibt dennoch die Geschichte von Elsa und Oscar. Ihr Weg führt nicht zu einfachen Antworten, sondern zu der schwierigen Einsicht, dass Ehrgeiz und Fürsorge miteinander vereinbar sein müssen. Das macht den Roman zugänglich, auch wenn einzelne Konflikte etwas lange nachhallen.

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Für den Roman sprechen vor allem die widersprüchlichen Hauptfiguren, deren Annäherung eng mit ihren persönlichen Problemen verbunden ist. Außerdem gibt Rugby den Fragen nach Leistung, Zugehörigkeit und Selbstgefährdung einen konkreten Platz in der Handlung. Der Wechsel der Perspektiven eröffnet Einblicke in die Unsicherheit hinter dem Auftreten von Elsa und Oscar. Weniger überzeugend ist das Tempo: Manche Konflikte drehen mehrere Runden, bevor sich etwas bewegt. Wer eine Liebesgeschichte mit raschen Entscheidungen und klaren Fortschritten sucht, könnte daran die Geduld verlieren. Wer Figuren lieber beim langsamen Umlernen begleitet, findet gerade darin einen Teil des Reizes.

Buchdaten

  • Autor: Sarah Sprinz
  • Verlag: Lyx
  • Preis: 16,90 €
  • ISBN: 9783736326149

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Rezension von Sophia