Ulrich Land – Autorenporträt
Foto von André Symann, Copyright: Ulrich Land

Studium: Germanistik, Geographie und Philosophie. Freier Autor seit 1987. Lebt und schreibt in Freiburg.

Welche literarische Figur wären Sie selbst gerne für einen Tag?

Ach, ich wär so gern mal Hölderlin (gewesen). Fanatischer und fantastischer Schreiberling, dem die Verse nur so aus der Feder fließen, der sich, wenn ihm danach ist, mal flugs in seinen Wahnsinn flüchtet und der mit größtem Vergnügen (und vielleicht auch ein bisschen Neid) an der Tübinger Neckarmauer längsdefiliert, auf der die Liebespärchen ihre ersten Dates auskosten.

Was ist die ungewöhnlichste Situation, in der Sie jemals geschrieben haben?

Es gibt kaum eine ungewöhnliche Situation, in der ich nicht geschrieben hätte. Hab immer einen Stift und irgendeinen Schnipsel Papier dabei. Aber mit die schönste Schreibsituation war, während ich draußen vor einer Holzhütte im verschneiten norwegischen Fjell stundenlang in der Märzsonne saß. Ich weiß nicht mehr genau, was rausgekommen ist, aber ich glaube, es war eine schauerlich schlechte Geschichte, womöglich der reine Kitsch.

Welches Buch hätten Sie gerne selbst geschrieben?

„Die Leiden des jungen Werther“. Und zeitgenössisch: „Blinde Geister“ (Lina Schwenk), „Der Trafikant“ (Robert Seethaler) und „Die Vipern von Montesecco“ (Bernhard Jaumann)

Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?

… dass es keine Durststrecken gibt. Ich liebe meinen Beruf sehr sehr, aber es gibt eben auch mühselige Phasen: O-Töne abpinnen, Massen von Emails checken und beantworten, sich gegen irgendwelche windigen Angebote von KI-Bots wehren, bei potenziellen Redaktionen und Veranstaltern Klinken putzen, einen neuen Verlag suchen …

Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet Sie beim Schreiben?

Was ich – im Gegensatz zu vielen meiner Kolleg*innen – für mein Leben gern mache, ist beim eigenen Zeugs Korrektur lesen: Der Text steht im Prinzip, ich hab meinen Spaß, wenn ich sehe, was ich mir so aus den Fingern gesogen hab, und hab die Ehre, das auch noch zu verbessern. Und der Earl Grey dampft mir in die Nase …

Welche Kritik an Ihren Büchern hat Sie besonders getroffen oder überrascht?

… dass es so mühselig sei, beim Lesen den Einstieg zu finden, die ersten Seiten hinter sich zu bringen, der Vielgleisigkeit der Konstruktion zu folgen. Ich hoffe, dem konnte ich von Buch zu Buch besser begegnen. Dass ich zu bunt, zu verschnörkelt, zu langsätzig schreibe, zu viele Adjektive benutze, zu viele altbackene Formulierungen aufgreife und durchs Verwenden in anderen, in „falschen“ Zusammenhängen verballhorne – diese Kritik ist mir auch nicht runtergegangen wie Honigseim, aber da bin ich relativ standhaft, das ist eben meine Masche. Wobei ich inzwischen merke, dass mir immer mehr auch ausgesprochen kurze Sätze dazwischenrutschen und die Chose auflockern.

Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würden Sie gerne einen Abend verbringen?

Mit Hemingway und mit Ingeborg Bachmann.

Wie autobiografisch sind Ihre Bücher? Wie viel von Ihnen selbst fließt dort ein?

Sicherlich mehr, als ich selbst realisiere. Gut so! Literatur ist immer ein Spiegel. Wichtig aber, lebenswichtig für das Bestehen meiner Texte: Wenn nicht nur ich mich darin sehe, sondern auch andere Zeitgenoss*innen, meine Leser*innen.

Was können Sie uns schon über Ihr nächstes Projekt verraten?

Dabei geht’s um olle Brecht. Mit Vergnügen lasse ich Bertolt Brecht 1949 im Hochschwarzwald über sein verzweigtes Liebesleben stolpern und seine Grundfesten ins Wanken geraten. „Brecht: Auf Lieben und Tod“ erscheint im Februar 2027, und die Schreiberei hat mir höllisch viel Vergnügen gemacht.

Sie sind im Weltall: Elon hat Sie auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, Sie durften aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?

„Der abenteuerliche Simplicissimus“ (Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen), „Der Vorleser“ (Bernhard Schlink), „Still“ (Thomas Raab)

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