
Welche literarische Figur wärst du selbst gerne für einen Tag?
Ich entschiede mich – wohlan, wenn ich es recht bedacht! – für des Freiherrn von Münchhausen einzig wahre Erlebnisse zu Wasser und zu Land, zu Pferd und zu Fuß, im Krieg und Frieden, in der Luft sowie in mehrerer Herren Länder.
Was ist die ungewöhnlichste Situation, in der du jemals geschrieben hast?
Ein vollständiges Kapitel meines ersten Romans „Flügelschläge“ habe ich auf Pappteller geschrieben, das war auch in den Nullerjahren auf der Geburtstagsfeier einer Freundin, der ich die ungewöhnlichen Notizen dann auch geschenkt habe.
Welches Buch hättest du gerne selbst geschrieben?
Hans Bemmann: „Stein und Flöte … und das ist noch nicht alles“.
Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?
Angeblich sollen Schriftsteller immer ausschlafen können. Stimmt nicht.
Welche Kritik an deinen Büchern hat dich besonders getroffen oder überrascht?
Ich freue mich eigentlich immer, wenn jemand sich die Zeit für Feedback und Manöverkritik nimmt, sei es in Form einer Rezension oder auch nur als Kommentar bei Social Media. Gelegentlich habe ich sogar auch den ein oder anderen Leserbrief bekommen und ich bekomme wirklich gerne richtige Briefe.
Allerdings wird der Ton bei vielen Themen auch rauer, vor allem im politischen oder gesellschaftskritischen Raum. Ich merke es vor allem bei meinen historischen Themen, allerdings habe ich mich ja auch immer selbst als politischer Lyriker begriffen und bin auch Mitglied einer Partei, der SPD. Das wir da in schwierigen Zeiten leben, überrascht jetzt nicht unbedingt, aber es verstört und besorgt mich doch auch sehr und ja, insofern trifft mich das dann natürlich auch.
Mit welchem Schriftsteller – lebend oder verstorben – würdest du gerne einen Abend verbringen?
Ich sähe Detlef Gojowy wirklich gerne noch einmal am Klavier sitzen.
Wie autobiografisch sind deine Bücher? Wie viel von dir selbst fließt dort ein?
Aber, aber, wir erzählen den Leuten doch nicht umsonst, dass man überhaupt nie das lyrische Ich mit dem Verfasser gleichsetzen darf … oder doch?
Welche Frage wird dir in Interviews nie gestellt, obwohl du sie gerne beantworten würdest – und wie lautet deine Antwort?
„Herr Züll, was ist Ihnen am Schreiben das Wichtigste?“ – „Ich unterhalte mich gerne mit Kolleginnen und Kollegen.“
Was kannst du uns schon über dein nächstes Projekt verraten?
Es soll wieder ein historisches Sachbuch werden. Und ein Krimi.
Du bist im Weltall: Elon hat dich auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, du durftest aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?
1) Sarah Binzenbach: Nächte im Park
2) Heinrich Böll: Ansichten eines Clowns
4) Gabriel García Márquez: Die Liebe in den Zeiten der Cholera
… die sind alle so leicht, da ist noch Spielraum für Gedichte von Paul Celan und Ingeborg Bachmann!
Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert dich mehr und warum?
Die Literaturgeschichte kennt ja kein letztes Wort, insofern sind ja auch Klassiker und Gegenwartsliteratur miteinander verwoben, sondern erzählen eine Fortsetzungsgeschichte. Die Schönheit von Sprache begeistert und fasziniert mich, daher auch die große Affinität zu Celan, mit dem ich mich während des Studiums in Trier viel beschäftigen konnte. Ich bin aber ja auch nicht nur Autor, sondern auch selbst Leser, da kann das alles auch ganz anders sein. Ich glaube, Romane lese ich sogar lieber eher aus der Gegenwart. Zuletzt habe ich zum Beispiel „Alles ist erleuchtet“ von Jonathan Safran Foer gelesen, eine Offenbarung. Und selten hat mich ein Buch so mitgerissen und umarmt wie Irene Vallejos wunderbares Werk „Papyrus“ zur Geschichte der Welt in Büchern, das ist weder ein richtiges Sachbuch noch ein richtiger Roman. Aber ich habe mich darin aufrichtig als Teil der großen Familie lesender und schreibender Menschen geliebt und angenommen gefühlt. Ich glaube, eine größere Inspiration kann es gar nicht geben.

