
Was ist der größte, aber falsche Mythos, den Menschen über das Leben als Schriftsteller glauben?
Dass ein Buch fertig ist, wenn man den letzten Satz geschrieben hat. Ich habe Manuskripte, die mich über Jahrzehnte begleitet haben. Geschichten verändern sich, und manchmal verändert man sich selbst so sehr, dass man einen alten Text plötzlich mit ganz anderen Augen liest. Das Schreiben ist dabei nur ein Teil der Arbeit. Die eigentliche Herausforderung besteht oft darin, zu erkennen, wann man eine Geschichte endlich loslassen kann.
Welche Marotte oder Angewohnheit begleitet dich beim Schreiben?
Ich denke in Bildern. Oft sehe ich eine Szene wie einen Film vor mir, mit ihren Menschen, dem Licht, den Geräuschen und der ganzen Atmosphäre. Als Fotograf kann ich einen solchen Moment mit einem einzigen Bild festhalten. Beim Schreiben muss ich versuchen, genau dieses Bild im Kopf des Lesers entstehen zu lassen. Das ist manchmal schwieriger, als es klingt.
Welche Kritik an deinen Büchern hat dich besonders getroffen oder überrascht?
Überrascht haben mich weniger die kritischen Stimmen als die emotionalen Reaktionen. Eine Leserin schrieb mir nach „Ein Rest aus Stille und Asphalt“, dass sie das Buch an einem Tag verschlungen habe und am Ende weinen musste.
Ähnliches habe ich bei meinen Lesungen zu „Frankfurt ungeschminkt“ erlebt. Menschen, die mir zuhörten, waren teilweise so ergriffen, dass ihnen die Tränen kamen.
Das sind Momente, die mich selbst unglaublich berühren. Ich erzähle Geschichten, zeige Bilder und teile meine Gedanken. Dass ich damit bei anderen Menschen so viel auslösen kann, war mir lange gar nicht bewusst.
Und vielleicht ist genau das für mich das Schönste am Schreiben und Fotografieren. Wenn etwas, das mich selbst beschäftigt oder bewegt, plötzlich auch einen anderen Menschen erreicht.
Wie autobiografisch sind deine Bücher? Wie viel von dir selbst fließt dort ein?
Mehr, als man vielleicht vermutet, aber anders, als viele denken. Ich bin im Frankfurter Gallus aufgewachsen und habe die Achtzigerjahre dort selbst erlebt. Die Straßen, die Musik, die Jugendkulturen und viele gesellschaftliche Konflikte sind mir vertraut. Meine Figuren und ihre Geschichten sind allerdings erfunden. Ich schreibe keine Autobiografien. Aber natürlich fließen Erinnerungen, Beobachtungen und Begegnungen in meine Romane ein. Manchmal genügt ein bestimmtes Lied oder ein Ort, und plötzlich ist eine ganze Zeit wieder da.
Welche Frage wird dir in Interviews nie gestellt, obwohl du sie gerne beantworten würdest – und wie lautet deine Antwort?
Wie wird jemand, dem das Schreiben schon in der Schule schwerfiel, eigentlich Schriftsteller?
Ich glaube, ich habe schon immer Geschichten erzählt, nur eben lange Zeit nicht mit Worten. Als Legastheniker war die Sprache für mich nicht immer der einfachste Weg. Also habe ich gezeichnet, gemalt und später fotografiert. Ich habe früh gelernt, genau hinzusehen und meine Gedanken in Bildern auszudrücken. Irgendwann kam das Schreiben dazu. Deshalb sage ich auch gerne, dass ich lange gebraucht habe, um meine Geschichten aufzuschreiben. Erzählt habe ich sie schon immer.
Was kannst du uns schon über dein nächstes Projekt verraten?
Nach „Ein Rest aus Stille und Asphalt“ folgt mit „Neonlicht, Sehnsucht und Beton“ eine Liebesgeschichte aus dem Frankfurt der Achtzigerjahre, mitten zwischen Rockabillys, Skinheads und den gesellschaftlichen Spannungen jener Zeit. Im Frühjahr 2027 erscheint „Nur ein Mädchen“, und für den Herbst ist „Dieser kleine kaputte Moment“ geplant.
Alle diese Romane haben einen Bezug zum Frankfurter Gallus, erzählen aber völlig unterschiedliche Geschichten. Die Manuskripte sind nicht erst in den vergangenen Monaten entstanden. Einige begleiten mich schon seit vielen Jahren. Jetzt bekommen sie endlich ihren Platz.

