Aide Rehbaum – Autorenporträt
© Dr. Aide Rehbaum

Sind wir nicht alle irgendwo fremd, wollen anerkannt werden, wie wir sind oder fühlen uns verloren, wenn wir nicht wissen, wo wir den Kopf zum Schlafen hinlegen? Nicht jede Geschichte hat das Potential zu einem Roman, es kommt darauf an, die unverwechselbare Sicht- und Ausdrucksweise der Protagonisten zu finden.

Nach Jahren der „Fingerübungen“ (Artikel zu historischen und volkskundlichen Themen für eine hessische Tageszeitung), Firmen- und Vereinsfestschriften, Auftragsbiographien für Nicht-Prominente und Familienchroniken, landete sie ihre erste Romanbiografie über die Integrationsmühen eines Afrikaners.

Was ist die ungewöhnlichste Situation, in der Sie jemals geschrieben haben?

Ich saß einen Tag bei Illizi, mitten in der algerischen Sahara im Knast, weil der Guide verhindern wollte, dass wir ohne ihn weiterfahren. Seit kurzem durften Touristen nur mit offizieller Aufsicht zu den Felsmalereien. Er wollte mal kurz seine Familie besuchen. Immerhin hatte er ausreichend gefrorenes Trinkwasser zur Verfügung gestellt.

Welches Buch hätten Sie gerne selbst geschrieben?

Francesca Melandri: Alle, außer mir.

Wie autobiografisch sind Ihre Bücher? Wie viel von Ihnen selbst fließt dort ein?

Ich verknüpfe eigene Erfahrung mit Beobachtem und überspitze Situationen und Dialoge, lasse die Protagonisten dann anders reagieren. Die Realität folgt einem Spannungsbogen, der nicht auf Anhieb erkennbar ist, aber herausgearbeitet werden muss.

Was können Sie uns schon über Ihr nächstes Projekt verraten?

Es wird eine Liebesgeschichte zwischen Senioren und deren Auseinandersetzung mit der jeweiligen Vorgeschichte, die immer wieder ein Hindernis darstellt.

Sie sind im Weltall: Elon hat Sie auf den Mars geschossen. Die Reise dauert lang, Sie durften aber nur drei Bücher mitnehmen, weil jedes Kilo zählt. Welche wären das?

Ein Elizabeth George (Spannung und Sozialkritik), ein Hakan Nesser (ironischer Stil) und eine Eugenie Marlitt (Sozialkritik frühe Industrialisierung und heile Welt).

Team Klassiker oder Team Gegenwartsliteratur – was inspiriert Sie mehr und warum?

Je nach Thema, das mich umtreibt. Wenn ich einen Krimi über meinen Urgroßvater schreiben will, dann wirkt die Sprache des 19.Jh. mehr als abgehackte Gedanken oder Ironie der Gegenwart.

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