Susan E. Hinton
Bild: Tony Awards, CC BY 3.0 Quelle

S. E. Hinton zählt zu den maßgeblichen Stimmen der modernen Jugendliteratur. Mit „The Outsiders“ schuf sie bereits als Teenagerliteratin ein Werk, das soziale Ungleichheit und jugendliche Lebenswelten realistisch und ungeschönt darstellte. Hinton, die sich stets als introvertiert und zurückgezogen bezeichnet, schreibt heute lieber im Verborgenen – ihre Bücher hingegen haben Generationen geprägt und die Grenzen des Genres verschoben.

Manche Namen stehen für eine ganze literarische Bewegung – Susan E. Hinton ist so einer. Mit sechzehn entwarf sie eine Welt, die der amerikanischen Jugendliteratur erstmals einen scharfen, ehrlichen Ton verlieh. Doch während andere den Ruhm gesucht hätten, wählte Hinton die Zurückhaltung. Zwischen öffentlichem Interesse und selbstgewählter Unsichtbarkeit erwuchs ein Werk, das bis heute Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen beschäftigt.

Leben und Zeit

Tulsa, Oklahoma in den 1950er und 60er Jahren: Susan Hinton wächst in einem Milieu auf, das von sozialen Spannungen und kulturellen Veränderungen geprägt ist. Früh wird sie Zeugin der Gräben zwischen Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft – Erfahrungen, die sich tief in ihre spätere Arbeit einschreiben. Ihre familiären Wurzeln sind bodenständig: Die Mutter arbeitet in einer Fabrik, der Vater zieht als Verkäufer durchs Land. Hinton bleibt der Region treu, absolviert die University of Tulsa und gründet dort ihre Familie. Der biografische Weg mag wenig spektakulär wirken, doch genau darin liegt eine stille Konsequenz, die sich auch in ihren Romanfiguren niederschlägt. Während die Zeitumstände der 60er Jahre in vielen Werken idealisiert werden, liefern Hinton ihre knappen, oft rauen Vorlagen.

Der Weg zum Schreiben

Die ersten Zeilen entstehen bereits in der Grundschule. Mit fünfzehn Jahren setzt sich Hinton an den Schreibtisch, um ihre eigene Enttäuschung über glatte, unrealistische Jugendbücher in Worte zu fassen: Was fehlt, ist die echte Stimme der Straße, das emotionale Durcheinander, das Jugendliche kennen. „The Outsiders“ erblickt schon während ihrer Highschoolzeit das Licht der Welt – inspiriert von der Rivalität zweier Schülercliquen. Mit Initialen auf dem Umschlag anstelle des Vornamens umgeht sie gezielt gängige Geschlechterklischees; ein Schritt, der nicht nur literarisch, sondern auch gesellschaftlich bemerkenswert bleibt. Die spätere Entwicklung ist konsequent: Hinton widmet sich weiterhin jugendlichen Lebenswelten, stets mit einem Gespür für deren Verletzlichkeit und Kraft. Auch „That Was Then, This Is Now“, „Rumble Fish“ und „Tex“ greifen Variationen derselben Themen auf, ohne sich in Wiederholungen zu verlieren.

Der Mensch hinter den Büchern

Wer das Werk kennt, ahnt wenig vom Alltag einer Autorin, die Öffentlichkeit lieber meidet. Hinton nennt sich selbst introvertiert und betont, dass ihr das Spiel mit privater und öffentlicher Identität hilft, Abstand zu gewinnen. Die Initialen sind für sie mehr als eine Finte – sie sind Schutz und Haltung zugleich. Jane Austen, Mary Renault und F. Scott Fitzgerald zählen zu den bevorzugten Lektüren, doch genauso findet sie Ausgleich beim Reiten oder beim Schreiben von Fan-Fiction fernab des literarischen Scheinwerferlichts. Diese selbstgewählte Distanz ist keine Pose, sondern konsequente Lebenshaltung: Lesungen, Preisverleihungen, große Bühnen – all das überlässt sie lieber anderen. So widerspricht ihr privates Ich oftmals den Erwartungen an eine öffentliche Person: Eine Revolutionärin der Jugendliteratur, die in ihrer eigenen Welt am liebsten unsichtbar bleibt.

Das Werk: Was man lesen sollte

Wer Hinton liest, trifft schon bei „The Outsiders“ auf das Kraftzentrum ihres schriftstellerischen Kosmos: authentische Dialoge, soziale Konflikte, keine falsche Sentimentalität. Das Buch, das in zahlreiche Sprachen übersetzt und mehrfach verfilmt wurde, steht eigenständig und zugleich richtungweisend für das, was danach kam. Auch „That Was Then, This Is Now“, „Rumble Fish“ und „Tex“ rücken Jugendliche ins Zentrum, die sich mit Identität, Freundschaft und Zerreißproben zwischen Familie und Gesellschaft auseinandersetzen. „Taming the Star Runner“ fügt dem Ganzen noch die Dimension des Außenseitertums und der familiären Brüche hinzu. Man liest Hinton immer als Kontrastprogramm: Wer nach Leichtigkeit sucht, findet Direktheit; wer Eskapismus will, begegnet Wirklichkeit. Die Stärke ihres Werks besteht darin, Jugendlichen eine Stimme zu geben, die vorher im Kanon kaum zu hören war.

Verfasst vom Autorenteam.