A False Start

Aus einer ungeplanten Begegnung entwickelt sich eine komplizierte Versuchung: „A False Start“ verbindet Forbidden-Romance-Spannung mit Themen wie Sucht, Schuld und emotionalen Verletzungen. Elsie Silver erzählt die Geschichte von Nadia und Griffin gefühlvoll, setzt dabei aber auf eine Intensität, die nicht bei allen Leserinnen und Lesern gleich stark nachwirken muss.

Nadia und Griffin lernen sich zunächst unerkannt in einer Bar kennen, wo zwischen ihnen schnell spürbare Anziehung entsteht und ein Kuss die Situation weiter zuspitzt. Erst danach wird deutlich, dass Griffin mit Nadias Bruder eng befreundet ist. Die unverbindliche Begegnung bekommt dadurch eine heikle Dimension. Im kleinstädtischen Umfeld werden beide zudem von Erfahrungen geprägt, die sie nicht einfach hinter sich lassen können; bei Griffin ist besonders sein problematischer Umgang mit Alkohol wichtig.

Seinen Reiz gewinnt der Roman daraus, dass die beiden Figuren sehr unterschiedliche Wege gefunden haben, sich vor Verletzungen zu schützen, und zugleich Teil eines eng verwobenen Umfelds sind. Griffins Verbindung zu Nadias Bruder macht den Konflikt nachvollziehbar und verankert ihn in konkreten Loyalitäten. So bleibt das verbotene Knistern nicht bloß ein bekanntes Romance-Element. Fragen nach Verantwortung gegenüber anderen und nach den eigenen Bedürfnissen geben der Liebesgeschichte zusätzliche Schwere.

Griffin bleibt über weite Strecken absichtlich schwer zu durchschauen. Seine abwehrende Haltung, seine Unsicherheit und die Folgen seines Alkoholkonsums erklären, warum er Nähe kaum zulassen kann. Das verlangt allerdings Geduld: Wer sich früh eine offene, gefestigte Bindung zwischen den Hauptfiguren wünscht, kann seine Rückzüge als ermüdend oder distanziert erleben. Nadia begegnet ihm mit Ausdauer und Mitgefühl, ohne ausschließlich zur Retterfigur zu werden.

Elsie Silver verbindet das vertraute Small-Town-Ambiente mit belastenderen Themen, ohne den Roman in eine dauerhaft schwere Stimmung kippen zu lassen. Zwischen Nadia und Griffin stehen sinnliche Spannung und verletzliche Gespräche im Mittelpunkt, während das Umfeld den Charme eines Reihenuniversums beisteuert. Der Stil bleibt leicht zugänglich und richtet den Blick konsequent auf die Figurenbeziehung. Sucht und frühere Verletzungen geben der Handlung Gewicht, werden jedoch vor allem im Rahmen der Romanze behandelt.

Als vierter Band der Gold-Rush-Ranch-Reihe gehört „A False Start“ zu einem größeren romantischen Kosmos, konzentriert sich aber eindeutig auf Nadia und Griffin. Wer emotionale Reibung, knisternde Anziehung und bekannte Small-Town-Romance-Zutaten schätzt, dürfte hier gut aufgehoben sein. Weniger geeignet ist das Buch für Leserinnen und Leser, die bei sensiblen Themen eine besonders umfassende psychologische Auseinandersetzung erwarten oder mit dem Forbidden-Romance-Motiv grundsätzlich wenig anfangen können.

Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun

Für „A False Start“ spricht zunächst die Ausgangssituation: Eine spontane Anziehung wird durch Freundschaft, Familie und gegenseitige Loyalitäten deutlich komplizierter. Außerdem bringt Griffin mit seinen inneren Konflikten eine Schwere in die Handlung, die über eine reine Wohlfühlromanze hinausgeht. Hinzu kommt die Verbindung aus kleinstädtischem Reihenflair und einer sinnlichen, spannungsvollen Dynamik zwischen den Hauptfiguren. Einschränkend bleibt, dass die emotionale Entwicklung nicht für alle gleich intensiv wirken wird. Wer bei Sucht, Schuld und vergangenen Verletzungen eine besonders ausführliche psychologische Vertiefung sucht, könnte sich an einzelnen Stellen mehr Differenzierung wünschen.

Buchdaten

  • Autor: Elsie Silver
  • Verlag: Lyx
  • Preis: 16,90 €
  • ISBN: 9783736328365

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Rezension von Sarah