New Memories

Drei Jahre sind vergangen, seit Lena und Ryan getrennte Wege gegangen sind. Nun führt eine Hochzeit sie zurück nach Green Valley und damit mitten in eine gemeinsame Geschichte, die offenbar nicht einfach abgeschlossen ist. „New Memories“ erzählt von einer Liebe mit Vorgeschichte und davon, wie schwer es sein kann, Vergangenes in ein inzwischen verändertes Leben einzuordnen.

Lena hat sich in Berlin einen eigenen Alltag geschaffen. Für die Hochzeit von Izzy und Will kehrt sie nach Colorado zurück, ohne damit zu rechnen, Ryan wiederzusehen. Doch er ist ebenfalls vor Ort, und die Vorbereitungen für das Fest lassen sich nicht ohne Begegnungen zwischen den beiden erledigen. Was zunächst wie ein Wiedersehen unter besonderen Umständen beginnt, bringt bald auch frühere Gefühle und nicht ausgeräumte Konflikte zurück. Lena muss sich fragen, ob die gemeinsame Vergangenheit noch Einfluss auf ihre Entscheidungen haben soll – und welchen Platz Green Valley in ihrem Leben inzwischen einnimmt.

Der Roman gewinnt vor allem dadurch, dass Lena und Ryan einander nicht erst kennenlernen müssen. Sie verfügen über eine Geschichte, die das Wiedersehen mit Bedeutung auflädt, aber auch Erwartungen und Unsicherheiten mit sich bringt. Die alte Nähe ist spürbar, ohne automatisch alle Schwierigkeiten zu beseitigen. So entwickelt sich die Annäherung nicht allein aus romantischer Sehnsucht: Immer wieder steht im Raum, ob die Gründe für die damalige Trennung noch Gewicht haben und ob beide sich seitdem in eine Richtung entwickelt haben, die ein gemeinsames Leben möglich macht.

Lilly Lucas erzählt zugänglich und legt den Schwerpunkt auf die Gefühlswelt ihrer Figuren. Dabei entsteht die Spannung häufig aus kleinen Verschiebungen: Ein vertrauter Ort oder eine gemeinsame Erinnerung kann Nähe herstellen, zugleich aber deutlich machen, wie viel Zeit vergangen ist. Die Erzählung bleibt dabei auf die Liebesgeschichte ausgerichtet und macht aus den inneren Fragen kein schweres Drama. Das verleiht dem Buch eine ruhige, freundliche Grundstimmung. Wer vor allem eine intensive Auseinandersetzung mit äußeren Hindernissen erwartet, findet hier weniger davon als eine Geschichte, die sich auf persönliche Entscheidungen und ihre emotionale Bedeutung konzentriert.

Auch Green Valley prägt den Eindruck des Romans. Die Stadt bietet nicht bloß den Hintergrund für das Wiedersehen, sondern steht für Beziehungen und Erinnerungen, die Lena während ihrer Abwesenheit nicht einfach abschütteln konnte. Die Hochzeitsfeier bringt Menschen aus ihrem früheren Umfeld zusammen und setzt sie zugleich in ein neues Verhältnis zu ihrem heutigen Leben. Gerade darin liegt ein reizvoller Gegensatz: Die Vertrautheit des Ortes kann tröstlich wirken, aber sie erinnert Lena auch daran, was sie zurückgelassen hat. Die Rückkehr wird so zu einer Gelegenheit, die eigenen Bindungen neu zu betrachten.

Für Leser, die Lena und Ryan schon aus der Reihe kennen, dürfte diese Fortsetzung besonders viel emotionalen Widerhall haben. Das Wissen um ihre gemeinsame Vergangenheit gibt den Begegnungen zusätzliches Gewicht. Wer Green Valley bereits als zusammenhängenden Schauplatz schätzt, findet ebenfalls einen vertrauten Zugang. Der Roman setzt dagegen weniger darauf, die Liebesgeschichte völlig neu aufzuziehen. Seine besondere Stärke ist das Wiederaufnehmen bekannter Figuren und das Nachdenken darüber, was aus einer früheren Verbindung werden kann. Das ist eine bewusste Ausrichtung, die vor allem dann aufgeht, wenn man sich für das Paar und seine Entwicklung interessiert.

Der versöhnliche Ton hat allerdings eine Grenze: Nicht alle Gedanken zur Zukunft werden ausführlich weiterverfolgt. Nach der emotionalen Klärung bleibt der Wunsch, noch etwas länger bei Lena und Ryan zu bleiben und genauer zu erfahren, wie sie mit den nächsten Schritten umgehen. Auch der Epilog gibt darauf nur bedingt zusätzliche Einblicke. Das Ende wirkt deshalb eher wie ein stimmiger Abschluss des Wiedersehens als wie eine umfassende Antwort auf jede offene Frage. Dieser Vorbehalt nimmt der Geschichte nicht ihre Wärme, kann aber Leser enttäuschen, die am Schluss möglichst viel Gewissheit über das weitere Leben der Figuren erwarten.

Anzeige

Insgesamt bietet „New Memories“ eine gefühlvolle Rückkehr zu einem Paar, dessen Vergangenheit die Gegenwart spürbar mitbestimmt. Der Roman verbindet die vertraute Atmosphäre von Green Valley mit der Frage, ob alte Liebe in ein neues Leben passen kann. Seine Stärken liegen in der zugänglichen Erzählweise, der Nähe zu Lena und Ryan und dem Zusammenspiel von Geborgenheit und Zweifel. Weniger ausführlich fällt der Blick auf das aus, was nach der erneuten Annäherung kommt. Wer die Figuren bereits kennt und ihre Geschichte noch einmal aufnehmen möchte, dürfte dennoch eine warme und überwiegend befriedigende Lektüre finden.

Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun

Für den Roman sprechen die lange gemeinsame Geschichte von Lena und Ryan, die ihren erneuten Kontakt glaubwürdig mit Erinnerungen und ungelösten Fragen verbindet, sowie Lilly Lucas’ klare, gefühlsnahe Erzählweise. Auch Green Valley trägt mehr zur Geschichte bei als eine hübsche Kulisse: Der vertraute Ort macht sichtbar, wie eng Heimat und persönliche Vergangenheit verknüpft sind. Ein kleiner Vorbehalt bleibt beim Ausblick auf die Zukunft des Paares. Wer auf jede offene Frage eine ausführliche Antwort erhofft, könnte sich am Ende mehr Zeit mit Lena und Ryan wünschen.

Buchdaten

  • Autor: Lilly Lucas
  • Verlag: Knaur
  • Preis: 16,00 €
  • ISBN: 9783426562758

Mehr aktuelle Bestseller bei Fabelhafte Bücher finden Sie in unserer Übersicht.

Rezension von Emma