Pain. Du sollst leiden

Im vierten Band der The Mindf*ck Series geraten private Gefühle und berufliche Pflichten weiter aneinander. S.T. Abby setzt auf eine zugespitzte Verbindung aus Beziehungsgeschichte und Kriminalhandlung. Das sorgt für Tempo und emotionale Reibung, lässt den Figuren jedoch weniger Raum zur Entwicklung, als die konfliktreiche Ausgangslage vermuten ließe.

Lana Myers verfolgt weiterhin ihren Vergeltungsplan gegen Männer, die ihr in ihrer Jugend Gewalt angetan haben. Zugleich ist sie mit Logan Bennett liiert, einem FBI-Agenten, der eine Mordserie untersucht. Was Lana vor ihm verbirgt, steht damit in direktem Zusammenhang mit seiner Arbeit. Ihre Beziehung muss unter Bedingungen bestehen, die von Geheimnissen geprägt sind, während sich die Ermittlungen den Ereignissen aus ihrer Vergangenheit nähern. Der Band knüpft an die vorherigen Teile an und stellt die Frage, wie lange sich persönliche Nähe und ein verborgenes Leben voneinander trennen lassen.

Der Konflikt funktioniert vor allem deshalb, weil die Gefahr nicht nur in einer möglichen Entdeckung liegt. Auch die Beziehung selbst wird auf die Probe gestellt: Logan kann sich kein vollständiges Bild von Lana machen, solange entscheidende Teile ihrer Geschichte im Dunkeln bleiben. Für sie wiederum ist die Bindung zu ihm nicht bloß ein Hindernis, sondern auch etwas, das sie verlieren könnte. Abby führt Kriminalhandlung und Liebesgeschichte eng zusammen und schafft so eine Spannung, die aus dem Verhältnis der beiden Figuren ebenso entsteht wie aus den Ermittlungen. Die emotionale Wirkung ist spürbar, auch wenn die Romanze auf einem Vertrauensproblem beruht, das der Text nicht einfach aus der Welt schaffen kann.

Besonders interessant ist die moralische Schieflage, die Lanas Vorgehen erzeugt. Ihr erlittenes Unrecht macht verständlich, warum Vergeltung für sie eine so große Rolle spielt. Es beantwortet aber nicht automatisch die Frage, ob ihre Taten gerechtfertigt sind. Der Roman hält diese beiden Gedanken nebeneinander: Mitgefühl für die Figur und Zweifel an ihrem Handeln. Daraus entsteht ein gewisses Unbehagen, das den Stoff über einen gewöhnlichen Wettlauf zwischen Täter und Ermittler hinaushebt. Eine ausführliche Debatte über Recht, Strafe und Verantwortung sollte man dennoch nicht erwarten. Das Buch setzt eher auf zugespitzte Situationen und starke Gefühle, als die moralischen Fragen systematisch auszuleuchten.

Auch bei der Figurenzeichnung bleibt ein Teil des möglichen Potenzials ungenutzt. Lana ist mit einem inneren Widerspruch konfrontiert, der ausführliche Selbstprüfung und wechselnde Perspektiven auf ihr Handeln ermöglichen könnte. Im Vordergrund steht jedoch meist die nächste Verschärfung der Lage. Ihre inneren Konflikte werden erkennbar, aber nicht immer bis in ihre feineren Abstufungen verfolgt. Bei Logan liegt der Reiz vor allem in der Doppelrolle als Ermittler und Partner. Wie diese Rollen miteinander kollidieren, trägt die Handlung; für eine umfassende Darstellung seiner persönlichen Entwicklung bleibt weniger Platz. Dadurch wirkt die Geschichte zugänglich und direkt, zugleich aber psychologisch nicht immer so tief, wie das Thema nahelegt.

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Als vierter Teil einer Reihe ist der Roman deutlich auf den größeren Erzählbogen ausgerichtet. Die Konflikte werden weiter verdichtet, und vieles weist auf die Fortsetzung im abschließenden Band voraus. Wer die vorangegangenen Bücher kennt, dürfte gerade an den offenen Entwicklungen und der wachsenden Spannung Freude haben. Für sich genommen erzählt Pain. Du sollst leiden dagegen keine vollständig abgerundete Geschichte. Die Bedeutung einzelner Entscheidungen hängt davon ab, was zuvor geschehen ist und was noch folgen soll. Das ist eine nachvollziehbare Entscheidung zugunsten des Reihenverlaufs, schränkt aber die Eigenständigkeit des Bandes ein.

Insgesamt lebt das Buch von einer wirkungsvollen Konstellation: Lana steht mit ihrem Rachefeldzug auf der Gegenseite der Ermittlungen, während sie Logan zugleich nah sein möchte. Daraus gewinnt Abby eine Mischung aus Krimi und Beziehungsdrama, die den Leser mit widersprüchlichen Reaktionen zurücklässt. Die Spannung hält die Handlung in Bewegung, und der moralische Konflikt gibt ihr zusätzliches Gewicht. Weniger überzeugend sind die begrenzte psychologische Ausarbeitung und die starke Abhängigkeit von den übrigen Teilen der Serie. Der Roman bietet daher vor allem eine weitere Zuspitzung der laufenden Geschichte, keine in sich geschlossene Alternative zu ihr.

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Für den Roman sprechen die enge Verknüpfung von Ermittlungen und Beziehung sowie der moralische Zwiespalt, den Lanas Vergeltungsplan auslöst. Ihr Hintergrund macht ihre Beweggründe nachvollziehbar, ohne ihre Entscheidungen damit abschließend zu entschuldigen. Außerdem treibt der vierte Band die fortlaufende Handlung voran und legt Spuren für das Finale. Das dürfte besonders Leser ansprechen, die bereits mit der Reihe vertraut sind. Weniger geeignet ist das Buch für alle, die einen abgeschlossenen Thriller suchen: Die Handlung gewinnt viel aus früheren Ereignissen und bleibt eng mit der Fortsetzung verbunden.

Buchdaten

  • Autor: S.T. Abby
  • Verlag: Goldmann
  • Preis: 12,00 €
  • ISBN: 9783442498031

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Rezension von Marc