Warm me in Winter. Eine sugar glazed Romance

In Laurie Gilmores Warm me in Winter. Eine sugar glazed Romance treffen vertraute Kleinstadtgemütlichkeit und eine Beziehung aufeinander, die von gemeinsamen Erinnerungen geprägt ist. Annie und Mac finden sich in Dream Harbor wieder, wo berufliche Nähe und private Vorgeschichte kaum voneinander zu trennen sind. Der Roman entwickelt daraus eine behagliche, stellenweise aber geduldstrapazierende Liebesgeschichte.

Annie Andrews arbeitet in ihrer Bäckerei, Mac Sullivan führt den Pub nebenan. Die beiden kennen einander lange genug, um sich an kleinen Reibungen aufzuhalten – und haben zugleich eine gemeinsame Vergangenheit, die das Verhältnis komplizierter macht. Als die Vorbereitungen für eine Hochzeit ihre Wege wiederholt kreuzen, können sie einander nicht einfach aus dem Weg gehen. Der Roman wechselt zwischen dieser Gegenwart und Erinnerungen an ihre jüngeren Jahre. So wird nach und nach deutlich, dass unterschiedliche Vorstellungen vom Leben schon früh zwischen ihnen standen. Die Handlung fragt, ob alte Enttäuschungen auch dann noch Gewicht haben, wenn sich die Menschen längst verändert haben.

Dream Harbor bildet einen wichtigen Teil des Leseerlebnisses. Der Ort wirkt nicht bloß wie eine hübsche Kulisse mit winterlichem Anstrich: Bäckerei, Pub und die Hochzeitsplanung sorgen dafür, dass die Figuren im Alltag miteinander zu tun haben. Auch die Menschen ringsum lassen die Gemeinschaft spürbar werden. Dadurch erhält die Romanze ein Umfeld, in dem Begegnungen Folgen haben und private Angelegenheiten nicht völlig abgeschottet bleiben. Gilmore verbindet diese soziale Nähe mit einer gemütlichen Jahreszeitstimmung. Das schafft Wärme, beseitigt aber nicht automatisch die Spannungen zwischen Annie und Mac. Gerade der Gegensatz von behaglicher Umgebung und gereiztem Miteinander verleiht manchen Szenen ihren Reiz.

Die Zeitsprünge helfen dabei, die Beziehung nicht auf ein einfaches Muster aus Anziehung und Streit zu reduzieren. Einblick in frühere Lebenspläne macht verständlicher, weshalb die beiden bestimmte Erwartungen aneinander mit sich herumtragen. Was sie heute voneinander wollen, lässt sich nicht ohne Weiteres von dem trennen, was sie sich einst ausgemalt hatten. Dadurch bekommen Konflikte eine Vorgeschichte, und die Frage nach Veränderung wird wichtiger als die bloße Wiederholung alter Auseinandersetzungen. Besonders gelungen ist dieser Ansatz, wenn Gegenwart und Vergangenheit unterschiedliche Seiten derselben Verbindung sichtbar machen, ohne jede Reaktion vollständig zu erklären.

Mac erscheint im Verlauf der Geschichte als jemand, der sich weiterentwickelt hat. Das verleiht der Annäherung eine Richtung: Es geht nicht allein darum, ob die frühere Vertrautheit wieder aufflammt, sondern auch darum, ob die beiden einander in ihrer heutigen Gestalt begegnen können. Annie ist schwerer einzuschätzen. Ihre Vorsicht lässt sich aus der gemeinsamen Geschichte herleiten, doch sie hält an ihr mitunter so lange fest, dass Verständnis in Ungeduld umschlägt. Einige ihrer Reaktionen wirken dadurch weniger überzeugend, als es die emotionale Lage der Figur nahelegt. Das kann die Lesbarkeit der Beziehung bremsen, auch wenn die zugrunde liegende Verletzlichkeit nachvollziehbar bleibt.

Am deutlichsten zeigt sich diese Schwäche, wenn ein offenes Gespräch den Konflikt vermutlich voranbringen könnte, die Figuren ihm aber erneut ausweichen. Zurückhaltung und Missverständnisse gehören zum Genre; sie können eine Romanze in Bewegung halten. Hier bleibt die Verzögerung nicht immer gleich gut begründet. Dadurch verschiebt sich die Aufmerksamkeit zeitweise von der Frage, was Annie und Mac füreinander empfinden, hin zu der naheliegenden Frage, warum sie nicht klarer miteinander reden. Weil die Rückblicke bereits Hinweise auf die Ursachen ihrer Empfindlichkeiten geben, fällt das wiederholte Zögern besonders auf. Nicht jede Spannung gewinnt dadurch an Tiefe.

Trotzdem hat der Roman ein deutliches Profil: Er setzt auf einen überschaubaren Ort, ein vertrautes Figurenumfeld und die Möglichkeit, dass Menschen ihre alten Vorstellungen vom Leben neu bewerten. Seine stärksten Momente entstehen, wenn die Vergangenheit die Gegenwart erhellt und die Figuren nicht nur in vertraute Streitereien zurückfallen. Wer gern in eine winterliche Kleinstadt eintaucht und neben der Hauptromanze auch das Gemeinschaftsleben schätzt, dürfte an Dream Harbor Gefallen finden. Wer dagegen eine zügige Aussprache und durchgehend nachvollziehbare Entscheidungen erwartet, könnte sich an Annies Verhalten stoßen. Insgesamt ist dies eine gemütliche, nicht ganz reibungslose Liebesgeschichte, deren Atmosphäre einiges auffängt, aber nicht jeden Konflikt überzeugender macht.

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Für den Roman sprechen vor allem sein winterliches Kleinstadtmilieu, die Einbindung der Nebenfiguren und die Rückblicke, die der Verbindung von Annie und Mac eine Vorgeschichte geben. Auch Macs Veränderung sorgt dafür, dass die Beziehung mehr umfasst als vertraute Neckereien und Anziehung. Weniger überzeugend ist, wie lange Annie einer offenen Klärung ausweicht. Leser, die solche Verzögerungen als künstlich empfinden, könnten mit diesem Teil der Handlung ungeduldig werden.

Buchdaten

  • Autor: Laurie Gilmore
  • Verlag: HarperCollins Taschenbuch
  • Preis: 14,00 €
  • ISBN: 9783365015148

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Rezension von Marc