Wir jagen Schatten

Ein erschossener Leibwächter, eine rätselhafte Drohung und eine Detektei mit besonderer Dynamik: Richard Osman schickt sein Trio auf eine Spurensuche mit internationaler Reichweite. Wir jagen Schatten verbindet schräge, gemütliche Figurenmomente mit einem verzweigten Kriminalfall und bleibt dabei eher ein heiterer Rätselkrimi als ein finsterer Thriller. Die Wirkung entsteht weniger durch beklemmende Härte als durch Dialogwitz, Bewegung und die Freude an eigenwilligen Ermittlern.

Steve Wheeler, ein pensionierter Polizist, betreibt gemeinsam mit seiner Schwiegertochter Amy und der Thrillerautorin Rosie d’Antonio eine Detektei. Bisher haben die drei vor allem kleinere Fälle übernommen. Als vor der toskanischen Villa des Unternehmers Vern Blackwood dessen Leibwächter erschossen wird, bittet Blackwood sie jedoch, eine bedrohliche Botschaft zu untersuchen. Die Ermittlungen führen bald über Italien hinaus und berühren gefälschte Nahrungsergänzungsmittel, frühere Verbindungen und weitere rätselhafte Todesfälle.

Osman setzt nicht auf die düstere Wucht eines Noir-Krimis, sondern auf Gegensätze. Elegante Schauplätze, zweifelhafte Geschäfte und Gewaltausbrüche stehen neben trockenen Bemerkungen und der eingespielten Reibung innerhalb des Ermittlertrios. Dadurch bleibt der Roman auch dann leichtfüßig, wenn sein Fall ernste Seiten hat. Besonders Rosie verleiht vielen Szenen mit ihrer Unmittelbarkeit und ihrem Hang zur Inszenierung Schwung, während Steve als erfahrener, aber keineswegs unfehlbarer Ermittler auftritt.

Als zweiter Fall der Detektei knüpft der Roman an eine bereits vorhandene Gruppendynamik an. Beziehungen und Eigenheiten werden nicht ausführlich neu eingeführt, sondern zeigen sich in Sticheleien, Loyalitäten und gegensätzlichen Arbeitsweisen. Für Kenner erleichtert das den Einstieg deutlich. Neue Leser treffen zunächst auf ein Ensemble, dessen Vorgeschichte nur punktuell sichtbar wird. Dennoch bleiben die Figuren gut unterscheidbar: Amy handelt entschlossen, Steve beobachtet mit Geduld, Rosie sucht gern die große Bühne.

Beim Kriminalfall bevorzugt Osman die breite Erzählanlage statt einer geradlinigen Spur. Neue Hinweise, Ortswechsel und Nebenfiguren fügen sich schrittweise zu einem größeren Bild zusammen und sorgen für einige gelungene Richtungswechsel. Im Mittelteil lässt der unmittelbare Druck allerdings gelegentlich nach, weil humorvolle Umwege und zusätzliche Handlungsfäden mehr Raum bekommen als die zentrale Gefahr. Wer besonders präzise Ermittlungslogik erwartet, dürfte einzelne Entwicklungen eher als erzählerische Setzung denn als zwingend hergeleitet wahrnehmen.

Die größte Stärke des Romans liegt deshalb weniger in finsterer Hochspannung als im Zusammenspiel von Humor, Tempo und Figurenchemie. Osman schreibt klar und dialogbetont, mit Gespür für pointierte Beobachtungen, ohne seine Figuren bloß auf ihre komischen Eigenschaften zu reduzieren. Die internationale Dimension zielt bisweilen auf ein größeres Thrillerformat, als der locker-ironische Grundton ganz tragen kann. Dennoch bleibt die Lektüre unterhaltsam und eignet sich besonders für Leser, die Krimis mit exzentrischen Ermittlern und zurückhaltendem Humor mögen.

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Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun

Erstens trägt die klar unterscheidbare Dynamik des Ermittlertrios den Roman ebenso zuverlässig wie der Kriminalfall selbst. Zweitens verbindet die Geschichte internationale Schauplätze und ein zeitgemäßes Betrugsmilieu mit trockenem, zugänglichem Humor. Drittens sorgen neue Spuren und Wendungen für anhaltende Neugier, ohne dass der Ton in brutale Düsterkeit kippt. Weniger geeignet ist der Roman für Leser, die dauerhaft hohe Spannung, ein kompromisslos realistisches Polizeiverfahren oder eine sehr straff konstruierte Handlung erwarten: Die humorvollen Abstecher und das stellenweise gemächlichere Erzähltempo können dann stören.

Buchdaten

  • Autor: Richard Osman
  • Verlag: Ullstein
  • Preis: 18,00 €
  • ISBN: 9783550204906

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Rezension von Sandrine