The Steps

„Es kommt im Leben nicht darauf an, wie viel du austeilst, sondern darauf, wie viel du einstecken kannst und trotzdem weitermachst!“ – Rocky Balboa – Das Zitat hätte auch von Sylvester Stallone im echten Leben kommen können. Er ist durch Rollen bekannt geworden, in denen Zähigkeit und Durchhaltevermögen eine große Rolle spielen. In The Steps richtet er den Blick auf die Erfahrungen, die seinem Durchbruch vorausgingen. Seine Rückschau handelt von schwierigen familiären Prägungen, beruflichen Absagen und dem Versuch, eigene künstlerische Vorstellungen zu verfolgen. 

Der zeitliche Rahmen reicht von Stallones Ankunft in New York im Jahr 1969 bis zum Erfolg von Rocky 1977. Im Mittelpunkt steht nicht eine vollständige Darstellung seiner späteren Laufbahn, sondern die Phase, in der sich seine beruflichen Ambitionen erst behaupten mussten. Erinnerungen an Gewalt in der Familie und an Ausgrenzung bilden einen ernsten Hintergrund. Vor diesem Hintergrund beschreibt Stallone, wie er an einem Ziel festhielt, obwohl die Aussicht auf Anerkennung keineswegs sicher war. So richtet sich der Blick sowohl auf persönliche Erfahrungen als auch auf die Frage, wie aus einer Idee ein eigener künstlerischer Weg werden kann.

Die Rückschau setzt bei einem Stallone an, dessen Platz in der Filmwelt noch nicht feststand. Das macht die frühen Jahre interessanter als eine bloße Aufzählung späterer Erfolge: Entscheidungen und Rückschläge erscheinen als offene Situationen, nicht nur als Vorstufen eines längst bekannten Triumphs. Stallones Zuversicht wirkt dadurch weniger wie ein fertiges Markenzeichen als wie eine Haltung, die er gegen äußere Zweifel verteidigen musste. Der Konflikt zwischen dem eigenen Anspruch und den Urteilen anderer ist leicht nachzuvollziehen. Dafür muss man weder mit allen Filmen vertraut sein noch besonderes Interesse am Starkult mitbringen.

Eine wichtige Rolle spielt, dass Stallone als Autor auf sein Werk zurückblickt. Rocky ist in dieser Erzählung mehr als die Aussicht auf eine Hauptrolle: Der Film steht auch für den Wunsch, eine selbst entwickelte Geschichte auf die Leinwand zu bringen. Das lenkt die Aufmerksamkeit auf den schöpferischen Anteil hinter dem später vertrauten Leinwandbild. Der Gedanke des Durchhaltens erhält dadurch eine greifbare Bedeutung. Es geht nicht allein darum, Niederlagen auszuhalten, sondern auch darum, Vorstellungen weiterzuentwickeln und ihnen eine Form zu geben. Diese Perspektive ist anregender als eine pauschale Aufforderung, jedem Ziel ungeachtet aller Umstände nachzujagen.

Die Schilderungen der familiären Belastungen verleihen dem Streben nach Anerkennung zusätzliches Gewicht. Sie lassen sich nicht auf eine dekorative Vorgeschichte reduzieren, die den späteren Erfolg umso glänzender erscheinen lässt. Gleichzeitig sollte man autobiografische Erinnerungen als persönliche Deutung lesen, nicht als abschließende Erklärung einer Persönlichkeit. Das Buch kann vermitteln, wie Stallone seine Vergangenheit wahrnimmt; daraus folgt nicht, dass jede Erfahrung eine eindeutige Ursache für seinen späteren Charakter oder seine Laufbahn darstellt. Diese Unterscheidung tut der emotionalen Wirkung keinen Abbruch. Sie bewahrt die Lektüre vielmehr davor, schwierige Erlebnisse nachträglich allein durch ihren möglichen Nutzen für die Karriere zu bewerten.

Mit dem Wissen um den späteren Durchbruch ordnet Stallone frühe Absagen und Hindernisse rückblickend in eine Erfolgsgeschichte ein. Das verleiht der Erzählung einen klaren Bogen, hat aber auch eine Grenze: Im Rückblick können Umwege wie notwendige Schritte zu einem feststehenden Ergebnis wirken. Eine Karriere entsteht jedoch nicht durch Ausdauer allein. Zufälle, passende Gelegenheiten und die Entscheidungen anderer Menschen beeinflussen ebenfalls, was möglich wird. Das mindert die Leistung des Autors nicht, rückt sie aber in ein realistischeres Verhältnis. The Steps eignet sich daher eher als Bericht über einen individuellen Lebensweg denn als verlässliches Modell für beruflichen Erfolg.

Seine Beschränkung auf die Jahre rund um den Durchbruch hält das Buch bei der Entwicklung von Stallones künstlerischem Selbstverständnis. Wer eine umfassende Geschichte des Filmgeschäfts oder eine lückenlose Bilanz seiner gesamten Karriere sucht, wird hier einen anderen Schwerpunkt finden. Die Memoiren richten sich stärker auf persönliche Erfahrungen und die Entstehung eines Werks, das eng mit seinem Schöpfer verbunden ist. Dabei wechseln Erinnerung und Überlegung zu Widerstand, Ehrgeiz und schöpferischer Arbeit. Das ergibt eine zugängliche, mitunter motivierende Lektüre, ohne dass jede Beobachtung als allgemeine Lebensregel gelten muss. Gerade die Möglichkeit, die Erfolgserzählung zugleich ernst zu nehmen und kritisch zu betrachten, macht ihren Reiz aus.

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Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun

Für die Lektüre sprechen drei Aspekte: Das Buch zeigt Stallones Anfänge, bevor sein Erfolg feststand, und eröffnet damit einen persönlichen Blick hinter das bekannte Leinwandbild. Es beleuchtet außerdem, wie Rocky aus dem Wunsch hervorging, eine eigene Geschichte zu verwirklichen. Schließlich regen die Erinnerungen an Zurückweisung und Ehrgeiz dazu an, über den Umgang mit Hindernissen nachzudenken. Wer jedoch eine allgemeine Anleitung für den beruflichen Aufstieg erwartet, sollte die Grenzen einer einzelnen, außergewöhnlichen Lebensgeschichte im Blick behalten. Wir können nun mal nicht alle Rocky sein… geschweige denn John Rambo.

Buchdaten

  • Autor: Sylvester Stallone
  • Verlag: C. Bertelsmann
  • Preis: 28,00 €
  • ISBN: 9783570105894

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Rezension von Marc