Barbara Rose: „Gute Kritiker suchen und Kritik auch wirklich ernst nehmen“

Interview mit Barbara Rose

 

(c) Barbara Rose
(c) Barbara Rose

Barbara Rose ist Kinder- und Jugendbuchautorin und Journalistin. Viele Jahre lang hat sie sich Geschichten fürs Fernsehen ausgedacht und Sendungen für Kinder und Jugendliche im Radio moderiert. Inzwischen arbeitet sie als Autorin und kann das tun, was ihr am meisten Spaß macht: Bücher schreiben und daraus vorlesen. Sie wohnt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in der Nähe von Stuttgart.

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Wenn ich darüber nachdenken würde, könnte ich nicht schreiben. Glücklicherweise kann ich mich von solchen Gedanken völlig frei machen. Konkurrenz stört mich nicht, im Gegenteil! Jeder Autor schreibt anders, jeder lebt in einer anderen Gedankenwelt, aus der auch seine Bücher entstehen. So ist es doch wunderbar, wenn die Leser auch der Fülle des Angebots genau das auswählen können, was sie möchten.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Nicht jeder Leser hat die Möglichkeit, sich wirklich einen Überblick über alle Angebote zu verschaffen. So verlassen sich viele Leser auf solche Listen. Das kann ich auf der einen Seite nachvollziehen, auf der anderen Seite würde ich mir ein bisschen mehr Mut und Neugier wünschen. Vielleicht zur Abwechslung mal nur jedes zweite Buch nach Liste kaufen, dafür auch immer mal selbst auf Büchersuche gehen. Kann spannend sein! Im besten Fall hat man einen guten Buchhändler, der ungewöhnliche Vorschläge abseits des Mainstreams macht.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Als Autorin bin ich sehr diszipliniert: Morgens so früh wie möglich ins Büro, an den Schreibtisch. Die strampelnde, vielleicht noch müde Muse wird einfach gepackt, ob sie nun will oder nicht, am Stuhl festgebunden, fertig. Dann kann es losgehen. Da ich eine große Familie habe, muss ich meine Schreibzeit gut nutzen. Außerdem habe ich das Glück, dass ich lange bei Radio und Fernsehen gearbeitet habe. Da konnte ich beim Texten auch nicht darauf warten, bis die göttliche Eingebung kam, sonst hätte ich mit Sicherheit jede Sendezeit verpasst.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Das kann ich nicht in Stunden messen, aber ich lege großen Wert darauf, dass meine Angaben im Internet stets aktuell sind. Das betrifft sowohl meine Homepage www.barbara-rose.info als auch meine Autorenseite bei Facebook, Angaben über mich bei www. literaturport.de oder auf den Seiten des Schriftstellerverbandes und des Bödeckerkreises. Für Veranstalter oder Leser gibt es nichts Schlimmeres, als wenn alle Angaben, die sie im Netz finden, veraltet sind. Das ist ungefähr so prickelnd zu lesen wie die Zeitung von gestern.

Gerade beteilige ich mich daran, mit anderen Autoren eine Seite speziell für Lesungen aufzubauen, eine spannende, aber bestimmt auch zeitraubende Angelegenheit! Auch für Leserunden, Buchverlosungen oder die Pflege der Autorenseite beispielsweise bei lovelybooks.de vergehen viele Stunden. Andererseits sind das alles wunderbare Möglichkeiten für uns Autoren, um direkt und aktuell Lesern, Bloggern, Veranstaltern ins Gespräch zu kommen.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Auf die Marketingabteilungen meiner Verlage.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Im Bereich Kinderbuch sind das vor allem Paul Maar, Astrid Lindgren, Hilke Rosenboom, Ulf Stark (Kannst du pfeifen, Johanna – großartig!) und Cornelia Funke. Im Jugendbuch hat mich zuletzt Zoë von Clay Carmichael sehr inspiriert, im Erwachsenenbereich die Bücher Das Lavendelzimmer von Nina George und tschick von Wolfgang Herrndorf.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Bevor ich über dieses Problem nachdenke, wäre ich zunächst einmal froh, wenn das Kinder- und Jugendbuch mehr Aufmerksamkeit bekäme. Wie peinlich, dass die Rezensenten der großen Feuilletons vergessen haben, dass gute Kinder- und Jugendbücher den Grundstein für das spätere Lesen legen. Haben sie verdrängt, dass sie auch Kinder waren? Fassen sie Kinder- und Jugendbücher nur noch mit spitzen Fingern an? Dabei ist es eine Kunst, sich in Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Altersgruppen hineinzudenken. Welcher Vierjährige möchte ein Buch lesen, das für einen Zwölfjährigen geschrieben ist? Welche Sechzehnjährige möchte Bilderbuchsprache vorgesetzt bekommen? Für jede Altersgruppe muss genau der richtige Ton getroffen werden. Kinder und Jugendliche sind da sehr kritisch! Schreibt ein Autor dagegen für Erwachsene, kann er – rein sprachlich betrachtet – mit einem Buch die Altersgruppe von 18 bis 98 treffen.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Gute Kritiker suchen und Kritik auch wirklich ernst nehmen. Nicht jeder Erstling taugt zum Bestseller, nicht jedes Manuskript zur Veröffentlichung. Manchmal muss man sich einfach auch eingestehen, dass man etwas nicht kann. Möglicherweise sollte das Schreiben ein schönes Hobby bleiben, mehr nicht.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Sex-Szenen. Die sollten nämlich nicht schlüpfrig, sondern echt, nicht peinlich oder übertrieben, sondern wahrhaftig sein. Wenn einem das gelingt – ganz großes Kino!

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Hier kommen mir meine Ausbildung zur und Arbeit als Journalistin entgegen. Zunächst sollte die Geschichte, über die man schreiben möchte, gut recherchiert sein, die Fakten müssen stimmen. Ansonsten setze ich auf Meinungsfreiheit. Ein großes Gut, das es mutig zu verteidigen gilt, wie die aktuellen politischen Ereignisse gezeigt haben und immer wieder zeigen.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Ich habe feste Zeiten, an die sich auch meine Stimmung brav halten muss. Sonst müssen wir uns leider voneinander trennen und ich suche mir einfach eine neue.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Mein neues Projekt ist noch ganz geheim, aber ich darf immerhin verraten, dass es ein echtes Herzensprojekt für mich ist. Bei einem Verlag, den ich großartig finde. Wir starten gleich mit vier Bänden, sie handeln von … ups … (Autorin hält sich den Mund zu).

Fabelhafte Bücher: Mit bedanken uns herzlich für das Gespräch.


Barbara Rose im www

www.barbara-rose.info
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